Flavio Briatore (Alpine)

Von der F1-Erfahrung, die sich der inzwischen 75-Jährige Flavio Briatore in den 90er- und 2000er-Jahren angesammelt hat, kann er sich in der modernen Formel 1 kaum mehr etwas kaufen. Offiziell trägt Briatore in Enstone nur die in sich widersprüchliche Bezeichnung als 'Leitender Berater', aber es gibt wenig Zweifel daran, dass er es seit über einem Jahr war und ist, der bei Alpine die Fäden zieht. Er kam bei dem französischen Team mit dem Auftrag an, aufzuräumen, ehe das Team für 2026 fit für regelmäßige Podest-Platzierungen sein soll.

Aufgeräumt hatte Briatore zunächst beim offiziellen Teamchef-Posten und dann bei der Motor-Abteilung von Renault. Bruno Famin wurde mit der Ankunft von Briatore entmachtet und kurze Zeit später nach Viry verschoben. Das Aus der dortigen Motorenschmiede wurde kurze Zeit später bekanntgegeben. Der umstrittene Italiener, der vor seiner Rückkehr aufgrund von Crashgate seit 2009 aus der Formel 1 verschwunden war, sorgte aber selbst nicht mit Erfolgen für Aufsehen, sondern vor allem mit sportlich fragwürdigen Entscheidungen neben der Strecke für viel Trubel bei Alpine.

Bei der Suche nach einem Teamkollegen von Pierre Gasly schienen sportliche Ergebnisse den kommerziellen Absichten untergeordnet zu werden. Das Wechselspielchen von Jack Doohan zunächst im Training beim Japan-GP und dann einen Monat später mit dessen endgültigem Aus und der Beförderung von Franco Colapinto trug die klare Handschrift des Zampanos, der Team Enstone zu seiner Glanzzeit zu vier WM-Titeln geführt hatte.

Mit nur einem regelmäßig konkurrenzfähigen Fahrer und einem kaum konkurrenzfähigen Boliden rutschte Alpine 2025 bis ans Ende des Feldes, wodurch dem Team Minder-Einnahmen im mittleren zweistelligen Millionenbereich drohen. Der dubiose Abschied von Briatores Marionetten-Teamchef Oliver Oakes im Mai war kein Plan in Briatores Aufräumarbeiten. Genauso wenig wie die latent im Paddock kursierenden Gerüchte rund um einen Rauswurf von Briatore selbst. Das F1-Bekenntnis des neuen Renault-CEOs Francois Provost ließ wenigstens die Meldungen rund um mögliche Verkaufspläne des Teams abklingen.

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Ayao Komatsu (Haas)

Der Japaner hat 2024 die Nachfolge von Langzeit-Teamchef Günther Steiner mit Bravour ausgefüllt und seine eigene Linie etabliert. Er nahm sich Anleihen an der No-Blame-Culture von Mercedes und stellt vor allem ehrliche Kommunikation in den Vordergrund. Das machte sich etwa bei der Fahrer-Politik bemerkbar, als Kevin Magnussen letztes Jahr zwar sein Cockpit verlor, aber in einer beratenden Funktion nach wie vor im Team gehalten wurde.

Ayao Komatsu ist ein Perfektionist, der kein Detail dem Zufall überlassen will. Sogar für das Design und die Innenarchitektur des neuen Haas-Motorhomes gingen zahlreiche Entscheidungen über seinen Tisch. Den wohl größten Erfolg verbuchte er im Herbst des Vorjahres, als Komatsu mit Toyota einen wichtigen Partner für das US-Team gewinnen konnte. Das eröffnet dem notorisch klammen Rennstall neue Spielräume. Ein Test-Team, inklusive eines bereits angelaufenen Programmes für Toyota-Piloten konnte sich Haas vorher nie leisten. Jetzt schon. Erfolge machten sich auch bei der Fahrzeug-Entwicklung im Laufe der Saison bemerkbar - vor seiner Ankunft ein Problemfall. In der Ära Steiner waren nach relativ guten Saisonstarts häufig Upgrades danebengegangen und hatten das Team zurückgeworfen.

2025 erlitt sowohl Haas als auch das Ansehen von Komatsu einige Einbußen. Bisher scheiterte er daran, die Exekution an der Strecke in den Griff zu bekommen - ebenfalls ein erklärtes Ziel des ehemaligen Technik-Chefs. Dabei ist das Grundmodell des Haas VF-25 eines, das gut und gerne im vorderen Mittelfeld mitfahren kann, aber aufgrund von zahlreichen punktuellen Schnitzern nicht immer dazu in der Lage ist, diese Performance auch in die entsprechenden Punkte umzumünzen. Mit Blick auf 2026 muss das sitzen, beschwört Komatsu regelmäßig. Auch wenn Haas nach wie vor weit davon entfernt ist, ein Werksteam zu werden, ist das zweite Projekt die zunehmende Integration von Toyota, denn von den Japanern verspricht man sich im Laufe der Zeit auch technischen Support.

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2 Jahre3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)2/5 (Sterne)3/5 (Sterne)

Alan Permane (Racing Bulls)

Hätte es 2013 bereits die Serie "Drive to Survive" gegeben, wäre der Name Alan Permane der heutigen Netflix-Generation definitiv ein Begriff. Sein Funkspruch an Kimi Räikkönen beim Großen Preis von Indien 2013 ist legendär. Damals noch Lotus-Chefingenieur forderte er den Iceman nicht gerade höflich auf, seinen Teamkollegen Romain Grosjean vorbeizulassen. "Kimi, geh verdammt noch mal aus dem Weg!", funkte Permane. Räikkönens Antwort: "Schrei mich verdammt noch mal nicht so an! Ich gehe aus dem Weg, wenn ich kann, aber nicht in einer schnellen Kurve."

Doch die Netflix-Serie läuft erst seit 2019, entsprechend dürfte sich vor allem die jüngere Generation gefragt haben, wer der unscheinbare Mann ist, der nun das Team der Racing Bulls leitet. Dabei arbeitet Permane seit unglaublichen 36 Jahren in der Königsklasse. Er war mit von der Partie als Michael Schumacher mit Benetton 1994 und 1995 Weltmeister wurde. Vom Ingenieur stieg er schnell zum Renningenieur auf und erlebte in dieser Rolle auch die zweite Erfolgswelle des Teams (2005, 2006) mit - dieses Mal unter dem Namen Renault.

Im Laufe der Zeit änderte sich der Name des Rennstalls mehrfach (Benetton, Renault, Lotus, Alpine), doch Permane blieb stets die eine Konstante. Als der Brite am Sonntagabend nach dem Belgien-Grand-Prix 2023 seine Sachen packte, waren viele Alpine-Teammitglieder geschockt. Doch ein Mann seines Kalibers ist in der Formel 1 gefragt. Red Bull schlug schnell zu und stellte Permane als Renndirektor an die Seite von Teamchef Laurent Mekies bei den Racing Bulls.

18 Monate später ist Permane selbst der Boss. Obwohl er als Urgestein in der Königsklasse gilt, ist es für ihn das erste Mal, dass er in den Vordergrund tritt. Die Zeit wird zeigen, ob er dort bleibt oder ob er in der zweiten Reihe nicht doch erfolgreicher ist.

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6 Monate2/5 (Sterne)1/5 (Sterne)3/5 (Sterne)2/5 (Sterne)

Jonathan Wheatley (Sauber)

Wenn jemand die Schlupflöcher im sportlichen Regelwerk kennt und richtig auszuspielen vermag, dann ist es Jonathan Wheatley. Er gilt als eine der wichtigsten Schlüsselfiguren hinter dem Aufstieg von Red Bull Racing an die Spitze der Formel 1. Nicht nur, dass Wheatley die Boxencrew so lange drillte, bis sie in der Königsklasse die absolute Messlatte waren. Er war es auch, der mit seiner Intervention bei Rennleiter Michael Masi den Titelkampf in Abu Dhabi 2021 maßgeblich beeinflusste.

Seit 1. April 2025 lenkt Wheatley die Geschicke bei Sauber, das im Vorjahr noch am unteren Ende der Konstrukteurswertung angesiedelt war. Doch diese Saison zeigt das Team kontinuierliche Fortschritte und landet regelmäßig in den Punkten. "Irgendwann in meiner Karriere stand ich vor der Entscheidung Chefingenieur oder Sportdirektor", sagt Wheatley. "Ich habe dem Menschen den Vorzug vor der Maschine gegeben."

Wheatley fing Anfang der 90er Jahre als Mechaniker bei Benetton an und stieg schnell die Karriereleiter hoch. Als Chefmechaniker holte er mit dem späteren Renault-Team zwei Konstrukteurstitel (2005, 2006) ehe sich Red Bull seine Dienste sicherte. Mit seinem Wechsel zu Sauber trat er 2025 aus dem Schatten von Christian Horner. Für Audi, das nächste Jahr in die Formel 1 einsteigt, ist Wheatley ein absoluter Glücksgriff. Der 58-Jährige kennt sich auf dem politischen Parkett ebenso aus wie auf der technischen Seite des Geschäfts.

Während sich Mattia Binotto in seiner Funktion als Chief Operating und Chief Technical Officer auf die strategische Ausrichtung des Teams und die Zusammenarbeit der beiden Standorte in Hinwil und Neuburg konzentriert, kümmert sich Wheatley um "alles, was das Auto, das Team und die Rennen betrifft". In der Sauber-Fabrik sind die Türen ihrer Büros so gut wie nie geschlossen.

"Häufig lehnt einer von uns im Türrahmen und spielt dem anderen eine Idee zu", sagt Wheatley, der eng mit Neo-Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane befreundet ist. Eine Freundschaft zwischen Teamchefs ist im Haifischbecken unüblich, doch Wheatley betont: "Unsere Freundschaft geht zurück auf unsere gemeinsame Zeit bei Renault. Wir sind zusammen groß geworden und haben unsere Rollen gefunden."

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9 Monate3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)

Andy Cowell (Aston Martin)

Unter Mike Krack konnte sich Aston Martin 2023 nur kurz in Form einer Reihe angeworbener Technik-Füchse der Konkurrenz den Topteam-Status erkaufen. Seitdem ging es wieder steil bergab mit der Silverstone-Mannschaft, die den Luxemburger in der Winterpause in die zweite Reihe abschob und mit dem Rauswurf von Dan Fallows auch an der Technik-Front Platz schaffte. Andy Cowell ist der neue Auserwählte von Lawrence Strolls Gnaden. Der ehemalige Mercedes-Motorenchef bringt über zwölf Jahre bei dem Erfolgsteam aus Brackley mit. Dort war er mit der überlegenen Hybrid-Power-Unit der heimliche Meistermacher für die Truppe von Toto Wolff. Die Königsklasse kennt er bislang vor allem aus der Motor-Perspektive, was aber für den Sprung in die ab 2026 erwartete Motoren-Meisterschaft kein Nachteil sein muss. An seinen Management-Qualitäten gibt es keine Zweifel.

Cowell wird in Silverstone mit dem modernsten verwöhnt, was die Formel-1-Technologie zu bieten hat. Die Fabrik, der Windkanal, der Simulator. Alles befindet sich auf dem neuesten Stand. Doch das macht es nicht einfacher, die Werkzeuge des neureichen Milliardenteams auch an den richtigen Stellschrauben einzusetzen. 2025 wird angesichts der neuen Technologie im Werk noch dafür genutzt, die richtige Kalibrierung von Windkanal und Simulator vorzunehmen und die Abläufe an der Strecke zu verbessern. Doch der Blick des zukünftigen Honda-Werksteams ist nicht erst seit diesem Jahr auf 2026 gerichtet. Personell hat Cowell keine Ausreden.

Mit Design-Genie Adrian Newey und dem ehemaligen Ferrari-Technikchef Enrico Cardile stehen ihm zwei Hochkaräter zur Hand. Ersterer nimmt als leitender technischer Partner eine übergeordnete Rolle ein und wurde bereits für 2026 als Cowells Nachfolger für den Teamchef-Posten bestätigt, während Cardile unter dem Titel als Chief Technical Officer firmiert.

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James Vowles (Williams)

Erst im Juli wurde James Vowles zum zweiten Mal Vater. Doch nicht seine neugeborene Tochter, sondern die Performance-Schwankungen von Williams sorgen bei ihm für schlaflose Nächte. Der Wandel vom familiengeführten Team zu einem modernen Formel-1-Rennstall ist voll im Gange. Vowles verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Er will nicht als Kopie von Toto Wolff gesehen werden, sondern seine eigene Geschichte als Teamchef mit Williams schreiben.

Seit seinem ersten offiziellen Arbeitstag am 20. Februar 2023 arbeitet er daran, dem erfolgreichsten Rennstall der 90er Jahre neues Leben einzuhauchen. Wie man die Figuren auf einem Schachbrett erfolgreich platziert, hat Vowles in den Jahren als Chefstratege gelernt. In dieser Rolle verhalf er Brawn GP 2009 zum Gewinn beider Weltmeisterschaften und war zwischen 2014 und 2021 maßgeblich an der Titelserie von Mercedes beteiligt.

Ein wichtiger strategischer Coup gelang ihm mit der Verpflichtung von Pat Fry als Technikdirektor, ein weiterer mit der starken Fahrerpaarung Alex Albon und Carlos Sainz. Doch vor dem Hintergrund eines stabilen Reglements ist der Spielraum für Verbesserungen begrenzt. Vowles weiß, dass sich Williams erst 2026 eine reelle Chance bietet und legte entsprechend früh den Entwicklungsschwerpunkt auf die kommende Saison. Der Brite folgt einer klaren Vision.

Seine wichtigste Aufgabe als Teamchef beschreibt er folgendermaßen: "Wenn man mit einem Fünfjährigen oder einem wirklich schlechten Dreißigjährigen bowlen geht, stellt man die Bumper (seitliche Begrenzungen) auf, damit die Kugel nicht in die Rinne rollt. Wenn ich sehe, dass wir auf die Rinne zusteuern, dann ist meine Aufgabe, die richtigen Fragen zu stellen und alles wieder auf Kurs zu bringen." Das ist ihm bereits eindrucksvoll gelungen - unter seiner Führung entwickelte sich Williams vom Hinterbänkler-Team zur Mittelfeld-Größe.

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3 Jahre3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)3/5 (Sterne)

Laurent Mekies (Red Bull)

Bei den Racing Bulls hat Mekies in seiner kurzen Amtszeit abseits der hohen Formel-1-Politik einen guten Job erledigt, ehe nun nach dem Aus von Christian Horner der Ruf des großen Teams kam. Gerüstet scheint er für das Haifischbecken an der Spitze auf jeden Fall zu sein. In seiner persönlichen Laufbahn stehen bei Mekies nicht zu Unrecht die FIA oder Ferrari, aber die Nachfolge von Horner in dem tief gefallenen Red Bull-Team anzutreten, ist immer noch eine andere Hausnummer.

Laurent Mekies steht die sowohl filigrane als auch undankbare Aufgabe zu, Red Bull wieder auf die richtige Spur zu bringen. Filigran deshalb, weil er in den Scherben des einstigen Dominanz-Teams aus Milton Keynes die richtige Selektion vornehmen muss, welche Bruchstücke für den Niedergang verantwortlich waren und gleichzeitig, welche integral für den Erfolg des sechsfachen Weltmeister-Teams die Verantwortung trugen. Ein erster wichtiger Schritt wäre ein Ende der Personalflucht, die sich in den Wirren der letzten eineinhalb Jahre unter Horner breitgemacht hatte.

Sportlich scheint eine Trendwende vor dem Regelumbruch nicht mehr umsetzbar. Vielmehr wird Mekies damit beschäftigt sein, die richtigen Weichen für 2026 zu stellen. Ein wesentlicher Name dabei ist der technische Direktor Pierre Waché, der in den Hochzeiten von Verstappens Dominanz als Bauherr des Erfolgslaufes gefeiert wurde, sich inzwischen aber dem Vorwurf ausgesetzt sieht, dass er zu stur auf Windkanal-Abtrieb weiterentwickelt habe. Abtrieb in einem schmalen Fenster, der den RB20 und RB21 nicht selten an die Grenzen der Fahrbarkeit brachte. Der größte Erfolg aus Mekies' nur kurzer Amtszeit besteht darin, dass nun der Verbleib von Max Verstappen bei den Bullen endgültig geklärt ist. Das entlastet den Franzosen für den Moment und hinterlässt ihn 'nur' mit dem Dauerproblem des zweiten Cockpits. Mekies ist zwar Red-Bull-Teamchef, aber kein vollumfänglicher Horner-Ersatz. Für breitere Aufgaben, wie etwa die Führung der Motorenschmiede in Milton Keynes, befinden sich die Bullen noch auf der Suche nach einer Ergänzung.

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Toto Wolff (Mercedes)

Seit 2013 prägt Toto Wolff den Mercedes-Erfolg und hat sich als wichtige Figur im F1-Paddock etabliert. Wie ihm das gelungen ist? Mit einem Auge für das Detail! Eine Situation ist Wolff besonders in Erinnerung geblieben. "Ich kam damals für ein Meeting mit Ross [Brawn] zu Mercedes. Ich war damals schon Aktionär des Teams, trotzdem ließ er mich warten. Ich setzte mich an einen Tisch mit einer alten Daily-Mail-Ausgabe und zwei benutzten Kaffeebechern aus Pappe. Als ich das in unserem Meeting ansprach, erklärte er mir, dass es in der F1 um technische Entwicklung geht und nicht um Kaffeebecher."

Wolff sah das anders und ließ als Mercedes-Teamchef so gut wie keinen Stein auf dem anderen. Seine Philosophie basiert auf Eigenverantwortung und Vertrauen. "Wir sind keine Mannschaft von Sechsjährigen, die Fußball spielen und alle dem Ball hinterherlaufen. Wir nehmen unsere Position ein, kommen unseren Zuständigkeiten nach und vertrauen darauf, dass die anderen das Gleiche tun", betont Wolff. Gleichzeitig führte er in Brackley und Brixworth eine No-Blame-Kultur ein.

Unter Wolffs Führung gewann Mercedes zwischen 2014 und 2021 sieben Fahrer- und acht Konstrukteurstitel. Allerdings bekam Mercedes' makellose Erfolgsbilanz in der Ground-Effect-Ära der Formel 1 einige Flecken ab. Während das Team der Konkurrenz früher einen Schritt voraus war, tappen Teamchef und Mannschaft zuweilen oft im Dunkeln. Zuletzt musste Mercedes nach monatelangem Hin und Her die Imola-Spezifikation der Hinterradaufhängung als gescheitert erklären.

In der Zeit des Rätselratens ließ Mercedes wichtige Punkte in der Konstrukteursmeisterschaft liegen. Doch während sein "Lieblings-Wortgefecht-Gegner" Christian Horner nicht zuletzt wegen mangelnden Erfolgs den Posten als Red-Bull-Teamchef räumen musste, sitzt Wolff nach wie vor fest im Team-Sattel. Dass ihm der Rennstall zu einem Drittel gehört, mag ebenso keine unerhebliche Rolle spielen wie die Tatsache, dass er in unruhigen Zeiten seine Komfortzone gefunden hat. "Ich laufe eher Gefahr, ein Bore-out als ein Burn-out zu bekommen", sagt Wolff. Mittlerweile ist er der dienstälteste Teamchef im F1-Paddock - ein Beweis für seine Anpassungsfähigkeit.

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Frederic Vasseur (Ferrari)

Der Entlassung als Ferrari-Teamchef konnte Fred Vasseur gerade noch so von der Klippe springen. Vor allem italienische Medien hatten ihn schon im Aus gesehen, ehe Ferrari die Verlängerung seines Vertrags bekanntgab. Gedankenspiele um einen Sensations-Transfer von Christian Horner oder eine Verschiebung des erfolgsverwöhnten Sportwagen-Leiters Antonello Coletta in die Formel 1, erwiesen sich als unbegründet. Gesägt wurde an Vasseurs Stuhl unter anderem deshalb, da unter ihm der Sprung nach einer der besten Ferrari-Saisons der letzten Jahre in diese Saison vollkommen missglückt war. Ein Philosophie-Wandel an der Vorderrad-Aufhängung für das letzte Jahr der derzeitigen technischen Regeln inklusive.

Gleichzeitig war es eben auch Vasseur, der die Scuderia erst wieder in Reichweite eines Titels gebracht hatte. Das rettet ihm bei den Vize-Weltmeistern letztendlich wohl seinen Job. Das gelang unter anderem deshalb, da die Updates endlich wieder sitzen - ein langjähriges Problem in Maranello. Der nie um einen Scherz verlegene Franzose genießt auch bei den Fahrern hohes Ansehen, wie Charles Leclerc und bereits vor der offiziellen Verlängerung Lewis Hamilton bekräftigt hatten. Dass Vasseur in diesem Jahr unter Druck stand, steht außer Frage. Darauf deutet auch die Update-Politik der Roten hin. Denn entgegen der eigentlichen Ankündigung vom Saisonbeginn, dass der SF-25 nur weiterentwickelt werden würde, falls man sich im Kampf um den Titel befindet, kamen bis in den Sommer hinein noch teils weitreichende Nachbesserungen.

Unter Vasseur orientiert sich Ferrari auch in Ansätzen an der Konkurrenz, und verteilt die Last der Teamführung etwas. So unterstützt Vize-Teamchef Jerome d'Ambrosio seit Anfang des Jahres Vasseur und unterstützt ihn sowohl als Büro-Nachbar als auch an der Strecke. 2026 könnte mit dem radikalen Regelumschwung das große 'Make-or-Break'-Jahr für Vasseur werden - der mehrjährigen Dauer seines neuen Vertrags zum Trotz. Denn Ferrari-Geduld ist immer an die WM-Ansprüche geknüpft und solange keine Titel kommen, wackelt jeder Teamchef.

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Andrea Stella (McLaren)

Er wirft einen kritischen Blick auf den Tisch, schüttelt den Kopf und dann geht es los: Das Aufnahmegerät wird nach links geschoben, das Handy nach rechts, ein anderes kommt in die Mitte. Erst wenn alle Geräte in Reih und Glied stehen, beginnt die Medienrunde. Längst hat sich daraus ein Insider-Spaß zwischen den Motorsport-Journalisten und dem McLaren-Teamchef entwickelt. Doch es offenbart auch eine der großen Stärken des Italieners. Er bringt mit seiner methodischen Herangehensweise Struktur in das Chaos. Das macht er mit Witz und Charme, sodass jeder sofort mitzieht.

Sein Aufstieg zum Teamchef im Jahr 2023 markierte auch McLarens Rückkehr auf die Erfolgsspur. Andrea Stella gilt als detailorientierter Anführer, der den Blick für das große Ganze behält. Das bewies er eindrucksvoll mit der Entscheidung, das Design des MCL60 grundlegend zu überarbeiten und ab dem Österreich-Grand-Prix 2023 mit einer verbesserten B-Version anzutreten. Das Resultat? McLaren gelang der Turnaround! Nur ein Jahr später krönte sich der britische Traditionsrennstall erstmals seit 1998 wieder zum Konstrukteursweltmeister.

2025 setzt McLaren neue Maßstäbe. In der Konstrukteurswertung hat das Team mehr als doppelt so viele Punkte wie der Zweitplatzierte Ferrari. In der Fahrerwertung läuft es auf ein teaminternes Titelduell zwischen Oscar Piastri und Lando Norris hinaus. Der Architekt dieses Erfolgs ist Andrea Stella. Er zählt zu den Technikern unter den Teamchefs und blickt auf eine langjährige Erfahrung als Renningenieur zurück. Eine Doppelrolle, die er in 15 Jahren bei Ferrari perfektionierte.

Die Zeit in Maranello hat seinen Führungsstil geprägt. "Das unglaubliche Engagement von Jean [Todt] für das Team hat mir gezeigt, was es bedeutet, sich mit Leib und Seele einzusetzen. Stefano [Domenicali] hat vorgelebt, wie man mit Menschen respektvoll umgeht, ihnen zuhört und sein Ego zurücknimmt", erzählt Stella. Für ihn ist die Formel 1 mehr als nur Technik und Aerodynamik - es geht um das Team und die Menschen, die den Erfolg erst möglich machen.

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Dieser Artikel stammt aus der 104. Printausgabe des Motorsport-Magazins. Wer mehr exklusive Interviews und Hintergrundgeschichten wie diese lesen möchte, der kann sich hier ein Abo holen.

F1-Wahnsinn 2026: Nur Übergangs-Autos beim ersten Test? (18:02 Min.)