Heute verliert die Formel 1 einen der letzten verbleibenden großen Privatier-Namen. Zum letzten Mal steht in Abu Dhabi ein F1-Auto unter dem Sauber-Banner am Start. Danach wird die Mannschaft aus dem schweizerischen Hinwil die Verwandlung zum Werksteam von Audi komplettieren. Motorsport-Magazin.com sprach zum Abschied mit dem legendären Schweizer Teamgründer Peter Sauber.

Der mittlerweile 82-jährige Sauber verkaufte zwar 2016 seine Anteile am Team und verabschiedete sich in den Ruhestand, aber in den Jahren danach blieb der Name immer noch der F1-Startaufstellung erhalten. Mit einem kurzen Zwischenspiel als Alfa Romeo zwar, aber auch in diesen fünf Jahren erhielten die Autos immer noch Namen mit dem Präfix "C" - dessen Ursprung ein Verweis auf Saubers Frau Christiane ist.

Als Gast besuchte Sauber in den letzten Jahren üblicherweise immer noch eine Handvoll Rennen, darunter stets das Saisonfinale. Kaum ein Moment ist aber so emotional wie Abu Dhabi 2025, denn mit der Audi-Übernahme verwandelt sich das Team komplett in ein Werksteam. Audi übernimmt das Projekt vollständig, wird etwa auch das "C" in den Ruhestand schicken, und auch wenn man das Team natürlich weiter am Standort Hinwil in der Schweiz betreibt, so wirkt es doch wie das Ende einer Ära.

Nach 55 Jahren: Einer der ältesten Motorsport-Privatiers verschwindet

"Ich werde sicherlich noch eine Träne verdrücken an diesem Wochenende, das ist mein Leben", meint Sauber. "Dass das ein bisschen schmerzt, dass der Name Sauber verschwindet, und vor allem auch, dass das C verschwindet, ja, das ist so. Das wäre geschwindelt, wenn ich sagen würde, dass das mir nichts macht. Nach 55 Jahren, das ist ja nicht nur die Formel 1."

1970 hatte Sauber in einer Garage in der Schweiz begonnen. Erst Bergrennen, dann Sportwagen, im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte machte er das kleine Projekt richtig groß. In den 1980ern ging er erst eine Partnerschaft mit Mercedes im Sportwagen-Sport ein, an die er sich bis heute noch gerne erinnert. Das war Saubers Ankommen auf der Bühne des internationalen Motorsports gewesen, WM-Titel 1989 und 1990, Le-Mans-Gesamtsieg 1989 inklusive: "Da musste ich zuerst mal mit einem so kleinen Team zweimal Weltmeister werden."

Der Sauber Mercedes C9
Der Sauber C9 fuhr in der Sportwagen-WM Siege ein, Foto: IMAGO / Crash Media Group

"Das war sicher das Schönste, auch das Verhältnis mit den Menschen bei Mercedes", blickt Sauber zurück. Heute noch organisieren Teammitglieder aus dieser Zeit regelmäßig Treffen: "Es kommen so ungefähr 80 zusammen. Viele, viele aus Deutschland, das ist immer schön. Das ist eine richtig gute Truppe."

Den Sportwagen-Erfolg verwandelte Sauber in ein Formel-1-Team. Seit 1993 stand die Hinwiler Mannschaft durchgehend am Start. Mit einem kurzen Intermezzo als BMW-Werksteam von 2006 bis 2009, dann stieg BMW aus und Sauber übernahm erneut. Audi aber muss für den werksseitigen Einstieg vieles umkrempeln. Dass das "C" aus dem Namen der Autos verschwindet, ist da geradezu ein symbolischer Akt für den Wandel, den Hinwil gerade durchmachen muss.

Karl Wendlinger im Sauber beim Südafrika GP 1993
Sauber beim ersten F1-Start 1993 in Südafrika, Foto: Imago/WEREK
Robert Kubica wird von Sauber-Mechanikern bejubelt
Robert Kubica nach seinem Sieg für BMW-Sauber 2008 in Kanada, Foto: imago sportfotodienst
Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg feiert den 3. Platz im Parc Ferme
Nico Hülkenberg feiert das letzte Podium für Sauber in Silverstone 2025, Foto: Sauber

Sauber in der Formel 1: 1993 bis 2025

Erste NennungSüdafrika 1993
Letzte NennungAbu Dhabi 2025
Rennen617
Siege1 (Kubica, Kanada 2008)
Podien28
1. PodiumFrentzen, Monza 1995
Letztes PodiumHülkenberg, Silverstone 2025
Punkte937
Poles1 (Kubica, Bahrain 2008)
Bester Platz Team-WM2. (2007)
Bester Platz Fahrer-WM4. (Kubica 2008)

Für Peter Sauber ist das vielleicht ein Grund für etwas Wehmut, aber letztendlich verständlich: "Was für mich viel wichtiger ist: Dass es weitergeht. Das überwiegt also ganz klar. Darum bin ich mit guten Gefühlen hergekommen, und nicht mit negativen."

Zu Audi hat er heute einen guten Draht: "Ich verstehe mich mit den verantwortlichen Leuten gut." So kann das Vermächtnis von Sauber vielleicht wieder zurück auf die Siegerstraße finden: "Ich lasse mich da überraschen. Das ist das Schöne für mich jetzt. Ich bin unbelastet. Und die Aufgabe, die Audi hier angeht, ist nicht einfach. Und es ist sehr spannend, wie das geht."