Mercedes in der Formel-1-Saison 2022

2022 geht Mercedes als Titelverteidiger und Herausforderer zugleich an den Start. In der Konstrukteurswertung sind die Seriensieger weiterhin die Gejagten, während Rekordweltmeister Lewis Hamilton erstmals seit fünf Jahren wieder der Jäger ist. Darüber hinaus hat der Brite mit George Russell auch wieder einen Rivalen in den eigenen Reihen, nachdem sein treuer Wingman Valtteri Bottas keine Vertragsverlängerung erhielt. Nicht nur für Hamilton steht viel auf dem Spiel. Mercedes will als Dominator der Hybrid-Ära beweisen, dass das Team auch bei diesem erneuten Reglementwechsel mit dem F1 W13 zur absoluten Weltspitze gehört.

Die Geschichte von Mercedes in der Formel 1

Mercedes-Benz nahm in der Geschichte der Formel 1 bisher viele Rollen ein. Der Stern des deutschen Automobilherstellers ging früh als Top-Team im Pionierzeitalter des Sports auf. In den Jahren 1954 und 1955 dominierten die Silberpfeile mit legendären Piloten die Juan Manuel Fangio und Stirling Moss die Königsklasse. Die frühe Erfolgsgeschichte des Teams umfasste neun Grand-Prix-Siege sowie zwei Fahrertitel durch Fangio. Durch einen verheerenden Unfall bei den 24 Stunden von Le Mans 1955 fand sie jedoch ein abruptes Ende.

Trotz der großen Erfolge in der Formel 1 stellte Mercedes nach dem Zwischenfall beim legendären Langstreckenrennen in Frankreich sämtliche werksseitigen Rennsportprogramme ein. Erst 38 Jahre später traten die Stuttgarter in der F1 wieder in Erscheinung. Nach der Rückkehr als Motorenlieferant von Sauber schrieb Mercedes als Partner von McLaren und Brawn GP zwischen 1995 und 2009 die zweite große Erfolgsgeschichte im Grand-Prix-Sport. Die Höhepunkte waren zwei Fahrertitel durch Mika Häkkinen sowie jeweils einer durch Lewis Hamilton und Jenson Button. Darüber hinaus gelang mit beiden Teams einmal der Sieg in der Konstrukteurswertung.

Mercedes-Comeback mit Michael Schumacher als Teamleader

Der Erfolg mit Brawn GP legte schlussendlich den Grundstein für das Mercedes-Team der Neuzeit. Durch den Aufkauf des britischen Rennstalls kehrte der Hersteller 54 Jahre nach dem Rückzug als vollwertiges Werksteam in die Formel 1 zurück. Das historische Comeback wurde durch die Verpflichtung von Rekordweltmeister Michael Schumacher zu einer noch größeren Sensation. Mit Ross Brawn als Teamchef und Norbert Haug in seiner angestammten Rolle als Mercedes-Motorsportdirektor schienen alle Zutaten für ein Weltmeister-Team im richtigen Topf gelandet zu sein.

In den darauffolgenden Jahren wurde das vielversprechende Aufgebot seinen Ansprüchen jedoch nicht gerecht. Zwischen 2010 und 2012 war Mercedes mit Schumacher und Teamkollege Nico Rosberg allenfalls im vorderen Mittelfeld zu finden. Beim Großen Preis von China gelang Rosberg im dritten Jahr zwar der erste Sieg für das Team seit der Rückkehr in die Formel 1, doch in der Gesamtwertung rutschte man von der vierten auf die fünfte Position ab. Schumacher ließ im Alter von 43 Jahren noch einmal mit einer Qualifying-Bestzeit in Monaco seine Extraklasse durchblitzen, bevor er sich endgültig von der Weltspitze zurückzog.

Hamilton, Lauda und Wolff läuten neue Ära ein

Mit dem Abschied Schumachers ging nicht nur die Ankunft Lewis Hamiltons sondern auch ein Wechsel im Management einher. Niki Lauda, der den Deal mit Hamilton eingefädelt hatte, wurde als neuer Aufsichtsratsvorsitzender einberufen und stieg zudem mit zehn Prozent als Anteilseigner in den Rennstall ein. Neben der österreichischen F1-Legende übernahm dessen Landsmann Toto Wolff die Rolle des Motorsportdirektors von Mercedes-Benz. Er wurde in diesem Zuge ebenfalls Shareholder und erstand 30 Prozent Anteile am Teil.

Die österreichische Doppelspitze brachte das Team 2013 auf die Erfolgsspur. Hamilton und Rosberg erreichten drei Siege und acht Pole Positions. Platz zwei in der Konstrukteurswertung wurde zum Vorboten für die beispiellose Siegesserie, die Mercedes mit dem Wechsel der Formel 1 auf Hybrid-Motoren entfesselte. Ende 2013 trat Brawn als Teamchef ab und übergab an Wolff. Die Jahre 2014 bis 2016 waren daraufhin von einer erdrückenden Dominanz sowie vom teaminternen Kampf zwischen Hamilton und Rosberg geprägt, an dessen Ende sich Letzterer nach dem Gewinn seines ersten WM-Titels in den Ruhestand verabschiedete.

Ein neues technisches Reglement sollte die Formel 1 ab 2017 attraktiver machen und zugleich den Lauf von Mercedes beenden. Weder das Team noch Hamilton ließ sich davon beeindrucken. Der Brite setzte seine 2016 unterbrochene Titelserie fort und Mercedes bot Herausforderer Ferrari in den beiden darauffolgenden Jahren souverän die Stirn. Mit Valtteri Bottas an der Seite Hamiltons kehrte Harmonie ein, nachdem der Hausfrieden durch die Rivalität mit Rosberg stets bedroht war. 2019 musste das Team jedoch einen schweren Schicksalsschlag verkraften, als Lauda im Mai des Jahres verstarb.

Rekordjäger Hamilton wird von Verstappen entthront

Sportlich war Mercedes trotz dieses Verlusts nicht zu stoppen. Zwischen 2014 und 2021 gewann Mercedes acht Mal in Folge die Konstrukteursweltmeisterschaft. Nach seinen WM-Titeln 2014 und 2015 wurde Hamilton ab 2017 vier Mal in Serie Weltmeister. 2020 zog er durch Titel Nummer sieben mit Michael Schumacher gleich und durchbrach obendrein die Schallmauern von 100 Pole Positions und Siegen. In der Saison 2021 erlitt er gegen Red-Bull-Pilot Max Verstappen die erste Niederlage, während Mercedes in der Teamwertung erneut erfolgreich war.