Am 9. Dezember 2025 bestätigte Red Bull das Aus von Dr. Helmut Marko als Teil des Formel-1-Projekts. Manche mag es überraschen, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff direkt im Anschluss schon einen wehmütigen Abgesang und Respektbekundungen ableistet. Schließlich hatten sich die beiden keine zwei Wochen davor - nicht zum ersten Mal - bis aufs Blut bekriegt. Nur ist es genau das, was Wolff vermissen wird.
Am Sonntagabend in Katar hatte Wolff erst Marko für die Unterstellung, Mercedes-Pilot Kimi Antonelli habe einen Fehler vorgetäuscht und so in den WM-Kampf zugunsten von Lando Norris eingegriffen, als "hirnlos" abgekanzelt, hatte unterstellt, er sehe Geister und müsse "sich checken lassen". Wie kommt es, dass er ihn jetzt also als "echten Racer" feiert, ihn als einen der "einflussreichsten Motorsportler in Österreich" bezeichnet?
Toto Wolff respektiert Formel-1-Reibebaum Helmut Marko
"Die Formel 1 ist ein kompetitiver Sport, da geht es um viel, und man versucht natürlich bestmöglich die eigenen Interessen zu verteidigen", so Wolff im ORF-Interview. "Da kann es schon einmal ein bisschen fester zugehen zwischen Teams, die vorn mitspielen. Da war es egal, ob wir beide Österreicher sind oder nicht, sondern man versucht halt dann zu gewinnen."
"Da zählt es nicht nur auf der Strecke, auch neben der Strecke, politisch, das Regelwerk mitzubestimmen, da waren wir natürlich oftmals auf gegenseitigen Positionen", meint Wolff. Aber: "Was uns immer verbunden hat, ist ein Verständnis für Racing und der Respekt füreinander. Klar gab es Zeiten, da wäre ich mit Helmut nicht essen gegangen, aber es gab auch Zeiten, in denen wir uns korrekt verstanden haben."
"Man muss nicht immer beste Freunde sein, um einander zu respektieren", so Wolff. "Man braucht einen Reibebaum, jemanden mit starker Meinung, der polarisiert. Das ist in unserem Sport wichtig, um nicht zu aalglatt zu werden."
Toto Wolff mit großem Respekt für Helmut Markos F1-Vermächtnis
"Es gibt so eine kleine Gruppe von uns, die einfach durch und durch Racer sind, wo das Kaufmännische fast in den Hintergrund gerät, wo es nur ums Abliefern und um den Erfolg geht", meint Wolff, der Marko auf dieser Liste weit oben sieht. "Da wird nicht lange herumgeredet. Wir wissen auch, dass wir uns nicht gegenseitig bullshitten können, weil wir zu lange in dem Sport sind."
In dieser langen Zeit hat Marko bei Red Bull viel erreicht, etwa zwei Vierfach-Weltmeister in Sebastian Vettel und Max Verstappen hochgezogen. Aber Wolff schätzt nicht nur das - sein Respekt für Marko geht zurück bis zu dessen aktiver Rennfahrer-Karriere: "Die 24 Stunden von Le Mans zu zweit in einem Alu-Porsche mit 400 km/h auf der Geraden zu gewinnen. Das haben nur wenige geschafft. Dann auf der anderen Seite die geförderten Talente, die dann auch in die Formel 1 gekommen sind, einige davon Weltmeister."
"Helmut hat in seinen besten Jahren Talent gut erkannt", unterstreicht Wolff. Der Erfolg der Methode ist nicht von der Hand zu weisen: "Er war sehr geradlinig, um nicht zu sagen brutal, um zu sagen, du bist nicht schnell genug, deswegen fliegst du aus unserem Förderprogramm raus. Am Ende geht es nur darum zu liefern. Manch anderer hätte das vielleicht etwas anders ausgedrückt, aber bei Helmut hast du gewusst, woran du bist."
"Es war schon eine großartige Karriere", bilanziert Wolff, der nicht damit rechnet, Marko im Formel-1-Fahrerlager wiederzusehen: "Er hat ja nebenbei viele Interessen. Seine Immobilien, seine Kunst, oder in den Wald zu gehen und ein paar Bäume abzusägen. Das wird er auch weiterhin machen. Ich glaube, dass es ihn nicht so schnell wieder an die Rennstrecke ziehen wird. Dafür hat er es zu lange gemacht."
Auch Max Verstappen hat sich am Mittwoch nach Markos Red-Bull-Ende erstmals dazu zu Wort gemeldet. Seine Aussagen gibt es hier:



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