McLaren sah am Freitag wie ein veritabler Konkurrent für die in der Formel 1 aktuell dominierenden Mercedes-Fahrer aus. Im Qualifying am Samstag wuchs der Rückstand der amtierenden Konstrukteurs-Weltmeister auf Polesetter George Russell dann aber doch auf ein beträchtliches Ausmaß an. Lando Norris reihte sich mit über drei Zehntelsekunden auf P4 ein, Oscar Piastri landete drei weitere Plätze weiter hinten.

Die Startposition ist für das Formel-1-Rennen in Barcelona angesichts der prognostizierten Reifenschlacht nicht so entscheidend. Doch der Rückstand sei es umso mehr, ist Lando Norris überzeugt. "Ich würde gerne mit den Leuten vor mir kämpfen, aber die Lücke war heute riesig", zeigte sich der amtierende Weltmeister pessimistisch.

Lando Norris glaubt nicht an Siegchance: "Wenn es nur eine Zehntel wäre..."

"Wenn es nur eine Zehntel zur Pole wäre, dann würde ich sagen, dass wir einen guten Kampf haben können. Aber dreieinhalb Zehntel bedeutet, dass sie mehr Grip und ein besser ausbalanciertes Auto haben und das wird an einem Tag wie morgen hart zu schlagen sein, wenn alles auf Reifenverschleiß ankommt und darauf, das Auto sanft und behutsam zu fahren", so Norris.

Dabei bezieht er sich nicht nur auf die beiden Mercedes, sondern auch auf Lewis Hamilton, der sich im Qualifying mit dem wiedererstarken Ferrari zwischen das Silberpfeil-Duo schob. Norris glaubt, dass es für McLaren besser sein könnte, sich nach hinten zu orientieren. "Wenn wir morgen mithalten wollen, dann müssen wir wie verrückt pushen, die Reifen überhitzen und fünf Stopps machen."

Diese Prognose widerspricht den Trends der letzten Jahre, in denen McLaren immer sehr gut mit den Pneus haushalten konnte. Und auch in dieser Saison war es bisher ein Charakteristikum des MCL40, dass er die Reifen sanft rannahm. Auf den griparmen Stadtkursen wie Montreal oder Monaco erwies sich das als Problemstelle.

Den Umkehrschluss, dass bei den heißen Temperaturen an diesem Wochenende das Auto umso besser die Gummis konserviert, will Teamchef Andrea Stella aber nicht gelten lassen. Basierend auf den Trainingsdaten habe man keinen Vorteil in diesem Bereich: "Im Moment sind wir nicht so konkurrenzfähig, wie wir es 2025 waren, wenn es um das Reifenmanagement und den Reifenverschleiß geht."

Auch Oscar Piastri geht davon aus, dass McLaren bei einem normalen Rennverlauf im Longrun nicht um den Sieg mitkämpfen kann - unabhängig von den Startpositionen. "Ich denke, Mercedes wird unfassbar stark sein. Auch Ferrari hat sehr gut ausgesehen. In allen Kurven, nur auf den Geraden haben sie gelitten. Es wird schwierig werden, da vorbeizukommen", analysierte der Australier.

Im Formel-1-Qualifying am Samstag hatte er sich bessere Chancen gegen Mercedes ausgerechnet. Dass es schwierig werden würde, das Freitagsniveau in Relation zu Russell und Antonelli zu halten, sei ihm aber klar gewesen: "Ich denke, wir haben das oft in diesem Jahr gesehen. Mercedes hat normalerweise immer im Training noch etwas in der Hinterhand behalten, das war also keine große Überraschung."