Selten hat sich eine Pole Position in der Karriere von George Russell wohl wichtiger angefühlt als diese beim Formel-1-Wochenende in Barcelona. Nicht nur, dass er auf Pole gefahren ist, verschafft dem Mercedes-Piloten viel Erleichterung in einer schwierigen Phase, sondern vor allem die Art und Weise, wie ihm das gelang.

Kimi Antonelli hatte er auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya bisher 2026 zu jeder Zeit unter Kontrolle, sowohl in den Trainings als auch in allen Qualifying-Segmenten. Eine ähnliche Vorstellung lieferte Russell seit dem Saisonstart in Australien nicht mehr ab. Dass dem zuletzt formschwachen Briten ausgerechnet in Barcelona wieder eine Rückkehr an die Spitze gelang, war alles andere als ein Zufall. Denn vor diesem Wochenende verwarf er seine Setup-Experimente der letzten Wochen, wie Teamchef Toto Wolff bereits am Freitag wusste.

Antonelli-Setup half Russell nicht: "Haben einige falsche Entscheidungen getroffen"

"Ich ging an diesem Wochenende zurück auf eine Herangehensweise, von der ich wusste, dass sie funktioniert", bestätigte auch Russell. "Bei der Mentalität des Fahrzeug-Setups gingen wir zurück zu den Grundlagen." Seit Miami hatte Russell sich nämlich zunehmend am Setup von Teamkollege Andrea Kimi Antonelli orientiert. Pace fand er damit keine.

Russell ist nach dem starken Qualifying auf der Formel-1-Strecke in Katalonien nun vollends davon überzeugt, dass diese Versuche ein Fehler waren. Er gestand, dass er sich dabei von der Pace seines erst 19-jährigen Mercedes-Partners hatte treiben lassen. "Wenn man jemanden [wie ihn] neben sich hat, der so gut performt, dann versucht man sich die ganze Zeit, sich zu verbessern."

Innerhalb von F1-Teams ist es ein Standardvorgehen, dass die Piloten Einsicht in die Setup-Daten ihrer Teamkollegen bekommen - WM-Duell hin oder her. Im Falle von Russell wäre es wohl besser gewesen, wenn er sich etwas weniger Antonelli-Setup auseinander gesetzt hätte. "Ich denke, dass ich ein bisschen zu viel 'Copy and Paste' [dt: Kopieren und einfügen] gemacht habe. Das hat mich ins Hintertreffen gebracht", erklärte Russell.

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Der Fehler schlich sich bei ihm in Miami ins System ein - ein Wochenende, an dem Antonelli vom Training an das Geschehen kontrollierte, während Russell Probleme hatte und nur durch Fehler der Konkurrenz überhaupt noch P4 holen konnte.

"Miami war das erste Wochenende, wo sich alles schwierig angefühlt hatte. Ich muss akzeptieren, dass wir mit meinen direkten Ingenieuren in den letzten drei Rennen einige falsche Entscheidungen getroffen haben", sagte Russell. Jetzt vertraut er wieder auf die Grundabstimmung aus dem Winter: "Es fühlt sich wieder an wie bei den Wintertests hier in Barcelona, beim Bahrain-Test, in Melbourne in China. Ich fühle mich sehr wohl im Auto."

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Diese Erkenntnis hat Russell im WM-Kampf einiges gekostet. Genauso wie das Pech, das ihn spätestens seit Kanada am laufenden Band verfolgt. Bei Antonelli ist die Lage vor dem Formel-1-Rennen in Barcelona genau umgekehrt. Er hat gegenüber Russell 70 Punkte Vorsprung, findet aber an diesem Wochenende nicht so richtig auf Touren.

"Ich bin nicht sehr glücklich. Ich habe Probleme mit dem Gefühl des Autos und dem geringen Grip hier", so der Italiener. Er glaubt zu wissen, welcher Aspekt seines Fahrstils ihm im Qualifying teuer zu stehen kam: "Ich attackierte die Kurven ein bisschen zu sehr und auf der letzten Runde habe ich fast alles im letzten Sektor verloren. Ich hatte einige große Rutscher und die Reifen gingen mir aus."

Ein Blick auf die Daten zeigt, dass das nur teilweise richtig ist. Denn bereits im zweiten Sektor öffnete sich die Lücke zwischen Russell und Antonelli stetig auf etwa 0,12 Sekunden. Recht hat er allerdings mit der Aussage, dass im letezten Sektor nochmal ein ordentlicher Brocken draufkam - genau zwei Zehntel – davon der Großteil bereits in Kurve 10. Hier der Vergleich mit der Pole-Runde:

Antonelli hatte dabei Glück im Unglück. Denn in der Verfolgergruppe zwischen P3 und P7 setzt er sich knapp vor den direkten Konkurrenten in Form von McLaren und Red Bull durch. Eine Zehntel langsamer und der fünffache Saisonsieger hätte mit dem siebten Startplatz vorliebnehmen müssen. So kann er sich gute Chancen für den Start ausrechnen. Mit 565 Metern bis zur ersten Bremszone ist Windschatten dort immer ein großes Thema. "Es ist ein langer Weg bis Kurve 1. Außerdem wird ohne den Straight-Mode der Windschatten viel stärker sein", weiß auch Antonelli selbst.

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