Der in Barcelona mit Updates bestückte Ferrari drehte im Qualifying bei der Formel 1 am Samstag so richtig auf. Während Lewis Hamilton das in einen starken zweiten Platz ummünzte, lieferte Charles Leclerc eine beschämende Vorstellung. Für diesen Unfall hat er keine Ausreden parat. Wollte er dabei etwas, das nur Lewis Hamilton schaffte?

Leclerc hatte davor in allen Trainings den Ton angegeben und sich am Samstag schon in FP3 begonnen, an die Mercedes heranzuarbeiten, als man das Setup mit dem großen Barcelona-Update erst einmal aussortiert hatte. "Das Upgrade ist ein signifikanter Schritt vorwärts", bestätigt er nach dem Qualifying.

Doch in den Trainings war er Ferraris Einzelkämpfer und praktisch auf jeder Runde mindestens eine halbe Sekunde schneller als Lewis Hamilton. Dann verzog sich Hamilton nach FP3 für eine Stunde Selbstreflexion in seinen Wohnwagen, kam zurück an die Strecke, und als Q1 begann, war er plötzlich über drei Zehntel schneller als Leclerc.

Leclerc - und Hamilton - erfassen sofort Grund für Qualifying-Crash

Was war geschehen? Schien sich auch Leclerc zu fragen, denn in Sachen Setup waren die beiden Ferraris sehr ähnlich ins Qualifying gestartet, wie Hamilton später bestätigte. Da fällt es einem Fahrer natürlich auf, wenn er sich zwischen seinen Qualifying-Versuchen die Telemetrie-Daten ansieht und bemerkt, dass der Teamkollege aus irgendeinem Grund in Kurve 4 viel später bremst und mit fast 20 km/h mehr zum Scheitelpunkt lenkt.

"In den Daten habe ich viel später gebremst, das war sichtbar", bestätigt Hamilton. Leclercs andere Anfahrt brachte ihm am Kurvenausgang augenscheinlich nicht so viel Zeit zurück, wie er auf Hamilton am Eingang verlor. Auf seiner einzigen Q1-Runde war Leclerc in diesem Streckenteil über eine Zehntel langsamer. In Q2 waren die beiden gleich schnell. In Q3 fasste er den Entschluss, die Kurve schneller anzufahren.

"Ich denke, Charles versuchte wohl sehr viel Tempo da mitzunehmen", sah es Hamilton schon von außen und kommentiert trocken: "Hat leider für ihn nicht funktioniert." Leclerc hatte den falschen Ansatz gewählt: "Ich versuchte, die Bremsen früher zu lösen und mehr Tempo mitzunehmen, weil ich wusste, dass das unsere einzige Schwäche war. In allen anderen Kurven waren wir schnell."

"Mehr Tempo am Eingang mitzunehmen, hat funktioniert", so Leclerc. Auf den Telemetriedaten ähnelte seine Geschwindigkeit nun der von Hamilton. "Dann kam ich in der Traktionsphase auf die schmutzige Seite der Strecke und habe das Heck verloren."

Charles Leclercs Unfall in Kurve 4 in Barcelona
Leclercs abgeflogener Ferrari wird geborgen, Foto: IMAGO/PsnewZ

Leclerc schrottet bestes Ferrari-Qualifying der Saison 2026

Den Gegenpendler konnte Leclerc nicht abfangen und knallte stattdessen geradeaus in den Reifenstapel. Ergebnis: ein zerstörter Ferrari und ein zehnter Startplatz. Und keine Ausreden mehr, nachdem sich Leclerc an den letzten Wochenenden lautstark über seine Bremsen beklagt hatte und die etwa auch für seinen Crash im Rennen von Monaco verantwortlich gemacht hatte.

Die neuen Bremsscheiben funktionierten aber das ganze Barcelona-Wochenende über schon perfekt: "Da gibt es nichts, keine Entschuldigungen, dass ich Referenzen hätte finden müssen oder was auch immer. Ich schäme mich sehr. Gerade nach den letzten drei Wochenenden, wo es mit meinen Problemen so schwierig war, Pace zu finden, fühlte sich heute und generell dieses Wochenende richtig, richtig gut an."

"An solchen Tagen musst du abliefern, und das habe ich nicht", weiß Leclerc, erst recht nachdem Hamilton den Ferrari in die erste Startreihe hatte stellen können. "Generell schäme ich mich sehr." Auf ein Comeback im Rennen baut er nach starken Longruns: "Ich denke, wir können gut sein, zurückkommen, da bin ich optimistisch. Aber für jetzt kann ich nur an die Ernüchterung des Qualifyings denken."