Charles Leclerc war nach seinem Unfall beim Formel-1-Rennen in Monaco fuchsteufelswild. Er gab den "gemeingefährlichen" Bremsen die Schuld an seinem Einschlag in der letzten Kurve. Dass an der Stelle die Strecke aufgebrochen war, wollte er nicht als Erklärung gelten lassen, was den Ferrari-Bremsausrüster Brembo auf den Plan rief. Dieser nahm auch Leclerc in die Pflicht, und urteilte, dass dessen Schlüsse "voreilig" seien.

Doch auch vier Tage nach dem Unfall bleibt Leclerc bei seiner Interpretation der Umstände. "Ich lasse mich selten zu schnellen Aussagen hinreißen. Wenn ich es tue, dann weil ich die Daten zuvor überprüft habe. Ich habe also nichts hinzuzufügen", sagte er deutlich. Der langjährige Ferrari-Pilot, der erst vor einer Woche seinen Vertrag verlängert hatte, hat nun die Konsequenzen daraus gezogen.

Ab Barcelona bekommt Leclerc neues Bremsmaterial

Leclerc wechselt sein Bremsmaterial und wird bereits ab diesem Wochenende übereinstimmenden Medienberichten zufolge mit Bremsscheiben von Carbon Industries an den Start gehen. Damit folgt er auf Lewis Hamilton, der bereits in Japan diesen Tausch vorgenommen hat, nachdem er sich ebenfalls in seiner Ferrari-Zeit lange mit den Verlangsamungs-Eisen schwergetan hatte.

"Ich denke, es ist jetzt klar, dass wir ein bisschen die Konfiguration ändern werden", bestätigte Leclerc den Wechsel. "Wir müssen erst austesten, wie viel es ändern wird", gab er sich noch abwartend. Bereits beim Formel-1-Wochenende in Japan haben beide Ferrari-Piloten neue Bremsen ausgetestet, hatten danach aber unterschiedliche Wege eingeschlagen. "Wir haben beide die Option getestet, mit der ich fahre. Charles wollte sie nicht, jetzt hat er seine Meinung geändert", stellte Hamilton fest.

Leclerc stellt das ein bisschen anders dar. "Wir haben als Team entschieden, dass wir die Autos splitten." Drei Rennen sind seitdem vergangen. Darunter mit Kanada eine der bremsen-intensivsten Strecken im gesamten Formel-1-Rennkalender und dann eben Monaco, wo Leclerc seinen Unfall zu verzeichnen hatte. Diese Rennen haben Leclerc zum Umdenken bewegt. "Die letzten beiden Wochenende waren schwieriger, als ich ursprünglich erwartet hatte."

Neue Formel-1-Bremsen am Ferrari: Leclerc hofft auf Konstanz

Leclerc erhofft sich von der neuen Bremskonfiguration vor allem eines, nämlich mehr Konstanz: "Ich erwarte keine Revolution. Aber in gewissen Fällen erwarte ich, dass sie einfacher zu managen sind." In Monaco hatte er darüber geklagt, dass während der späten Safety-Car-Phase drei seiner vier Bremsen nicht ordnungsgemäß funktioniert hätten.

"Links vorne war gut, rechts vorne so halb, die zwei Hinterbremsen gingen überhaupt nicht. Und wenn ich sage, überhaupt nicht, dann siehst du da in den Daten überhaupt keine Verzögerung", so Leclerc am letzten Wochenende. Seit Jahren verwendet Ferrari Brembo-Bremsen und in der Vergangenheit hatte Leclerc auch nie Probleme mit diesen geäußert.

Die Partnerschaft zwischen Ferrari und Brembo gibt es bereits seit über 50 Jahren. Während nun zwar beide Fahrer Bremsscheiben der Konkurrenz fahren, kommen am SF-26 weiterhin eine Reihe an Komponenten, wie etwa die Bremszylinder oder die Bremszange von dem Hersteller aus Bergamo.

Neue Formel-1-Generation: Deshalb werden die Bremsen zum Problem

Der Umstieg auf die neue Formel-1-Motorgeneration 2026 hat sich auch direkt auf die Bremsen ausgewirkt. Das stärkere Harvesting steuert einen wesentlich höheren Teil zur Verlangsamung an der Hinterachse bei als noch in den vergangenen Jahren. Dadurch werden die hinteren Bremsscheiben wesentlich weniger beansprucht und laufen Gefahr, zu wenig Temperatur aufzubauen.

Genau das könnte Leclerc in Monaco zum Verhängnis geworden sein. Mit Barcelona geht es nun an diesem Wochenende auf eine Strecke, auf der die Bremsen nicht sehr stark beansprucht werden und damit geringe Bremstemperaturen erneut zum Problem werden könnten. Hier findet ihr den kompletten Zeitplan für den Grand Prix in Spanien: