Der WM-Kampf spielt verrückt: Vor dem Saisonfinale in der Formel E in drei Wochen trennen die Top-4-Piloten in der Weltmeisterschaft lediglich 14 Punkte! Ein aufregendes Sonntagsrennen im nassen Tokio ePrix gewann mit Nyck de Vries unterdessen ein Pilot, der mit dem Kampf um die WM-Trophäe nichts zu tun hat. Für den Niederländer ist es der sechste Sieg in der Rennserie und der zweite in dieser Saison.
Der Weg zu diesem wurde jedoch zunächst verzögert. Denn in der vorletzten Runde des Rennens wurde das Rennen plötzlich mit Roter Flagge abgebrochen. Nach einer Kollision zwischen Pole-Setter Edoardo Mortara, der in der Schlussphase nach zu großem Energieverbrauch weit zurückfiel, und Joel Eriksson (Envision-Jaguar) war die Strecke in Kurve 8 blockiert, wodurch die Fahrer dahinter feststeckten. Nach der Roten Flagge folgte ein rollender Start und eine Runde Schlussspurt, in der de Vries die Führung behaupten und den Sieg ergattern konnte.
Gedenken an Citroen-Teamchef Cyril Blais: Nick Cassidy holt zweites Podest des Wochenendes
Schlussendlich setzte sich der ehemalige Formel-1-Pilot, der von Platz fünf ins Rennen gegangen und in der 28. von 34 Rennrunden die Führung übernommen hatte, um 0,683 Sekunden gegen Nick Cassidy im Citroen-DS durch. Für Cassidy war es bereits das zweite Podest des Wochenendes. Sein Teamkollege Jean-Eric Vergne erreichte den fünften Rang.
Citroen trauert an diesem Wochenende um Teamchef Cyril Blais. Der Tod des Franzosen im Alter von nur 43 Jahren war am Montag dieser Woche bekanntgegeben worden. Die Nachricht löste im Fahrerlager und der gesamten Motorsportwelt große Anteilnahme aus.
Jake Dennis übernimmt WM-Führung, Pascal Wehrlein verpasst Top-10
Der letzte Podestplatz ging hinter Cassidy an Jake Dennis, der mit seinem vierten Podest in den letzten fünf Rennen zugleich auch die WM-Führung übernahm. Mit einer cleveren Strategie arbeitete sich der Weltmeister von 2023 im Schlussspurt nach vorne und hätte mit Attack Mode ohne die Rote Flagge womöglich sogar noch einmal in den Kampf um den Sieg eingreifen können. Somit geht Dennis mit nur zwei Pünktchen Vorsprung in das Saisonfinale in London.
Dies ist deshalb möglich, weil die beiden bislang in der WM führenden Piloten am Sonntag patzten. Sowohl der bisherige WM-Führende Mitch Evans (Jaguar) als auch Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein gingen leer aus, obwohl sie das Rennen über weite Phasen in den Top-10 verbrachten. Doch beiden Fahrern wurde ein zu großer Energieverbrauch zum Verhängnis, wodurch es im Schlussspurt für sie nur noch rückwärts ging. Wehrlein beendete das Rennen schlussendlich auf Platz 15 und ist nun Dritter in der WM mit fünf Punkten Rückstand auf Dennis.
Evans konnte das Rennen derweil nicht einmal beenden, nachdem er zu allem Überfluss auf P15 liegend in der letzten Runde auch noch einen Reifenschaden erlitt. Dabei fuhr dann fast auch noch sein Teamkollege Antonio Felix da Costa auf ihn auf. Der Portugiese hatte sogar in der ersten Rennhälfte lange das Feld komfortabel angeführt, fiel dann aber wie sein Jaguar-Teamkollege Evans wie ein Stein gegen die von hinten heranstürmende Konkurrenz und wurde Letzter.
Oliver Rowland lauert auf Titelverteidigung
In den Punkten konnte sich mit Oliver Rowland auf Platz vier hingegen ein weiterer Titelkandidat platzieren. Der Nissan-Werksfahrer hatte bis zehn Runden vor Schluss mit teilweise brillanten Verteidigungstaktiken das Rennen sogar angeführt, musste im Schlussspurt aber ebenfalls abreißen lassen. Als Vierter in der Gesamtwertung mit 14 Punkten Rückstand auf die Spitze hat der amtierende Weltmeister bei noch zwei verbleibenden Rennen aber immer noch beste Chancen auf die Titelverteidigung.
Hinter Rowland und Vergne belegten Norman Nato (Nissan) und Sebastien Buemi (Envision-Jaguar) die Plätze sechs und sieben – und das, obwohl Buemi zuvor im Rennen noch in eine Kollision verwickelt war. Für die erste Unterbrechung des Rennens sorgte nämlich in der 15. Runde Pepe Marti (Kiro-Porsche), der in der vorletzten Kurve von Buemi in die Mauer geschickt wurde. Marti musste seinen Boliden abstellen, während Buemi weiterfahren konnte. Der Vorfall löste eine Full-Course-Yellow-Phase aus.
Porsche gewinnt Hersteller-WM!
Auf Platz acht sorgte Nico Müller im zweiten Werks-Porsche noch für etwas Schadensbegrenzung für die Zuffenhausener. Dennoch reist das Porsche-Werksteam mit 16 Punkten Rückstand auf das Jaguar-Werksteam in der Team-Wertung nach London. In der Hersteller-WM ist Porsche derweil mit 90 Zählern Vorsprung auf Jaguar der Titel schon nicht mehr zu nehmen, da in diese mögliche Punkte aus dem Qualifying nicht einzahlen. Folglich könnte Jaguar aus zwei Rennen selbst mit Doppelsiegen nur noch 86 Punkte aufholen. Für Porsche ist es bereits der zweite WM-Titel in der Hersteller-Wertung in Folge, nachdem diese letztes Jahr erstmals den Status einer Weltmeisterschaft erhielt. Hinter Müller komplettierte das DS-Penske-Duo aus Taylor Barnard und dem Allgäuer Maximilian Günther die Punkteränge.
Leer aus ging hingegen das deutsche Team Abt Sportsline mit Partner Lola Yamaha. Während Zane Maloney den zwölften Rang erreichte, belegte Veteran Lucas Di Grassi am vorletzten Formel-E-Wochenende seiner Karriere Platz 13.
Formel E 2026: So geht es weiter
Nach dem Tokio-Wochenende steht die Formel E vor dem Ende ihrer zwölften Saison. In drei Wochen steht in London in einem erneut höchst spannenden Titelkampf in allen drei Wertungen die Entscheidung an. Auf das 16. Saisonrennen am 15. August folgt am 16. August das Saisonfinale. Mit Porsche und Wehrlein ist dabei auch deutsche Beteiligung noch mitten im Titelgeschehen.


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