Sieg in letzter Sekunde! Dan Ticktum hat das erste von zwei Rennen der Formel E in Tokio ePrix dramatisch für sich entschieden. In einem bis zum Schluss spannenden Kampf um den Sieg sorgte der Brite wenige Kurven vor Schluss mit einem starken Bremsmanöver gegen Jake Dennis (Andretti-Porsche) für den Triumph. Für Ticktum ist es der zweite Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der erste in einer über weite Strecken schwierigen Saison.
Ticktum, der von Startplatz sechs ins Rennen gegangen war, hatte zunächst mit einer Undercut-Strategie bei seinem Pit-Boost-Schnellladeboxenstopp die Führung übernommen, musste sich jedoch wenige Runden vor Schluss Pole-Setter Dennis geschlagen geben. Doch Ticktum ließ nicht locker und sorgte so für den ersten Saisonsieg seines Cupra-Kiro-Teams. Auch für Dennis ist es aber trotz des bitteren verpassten Sieges ein wichtiges Ergebnis: Mit seinem dritten Podestplatz aus den letzten vier Rennen ist der Brite jetzt mitten im Titelrennen und hat als Dritter nur zwölf Punkte Rückstand auf die WM-Spitze.
Andretti im Titelrennen mit Porsche – und ab nächster Saison Nissan-Kunde
Dennis‘ Andretti-Team hatte vor dem Start ins Wochenende die seit langem erwartete Partnerschaft mit Nissan als Kundenteam ab der nächsten Saison bekanntgegeben. Die letzten vier Jahre ging Andretti noch als Kunde von Porsche an den Start. Dabei konnte sich Andretti 2023 die Fahrer-Weltmeisterschaft mit Dennis sichern und steuerte 2025 zur Hersteller-Weltmeisterschaft von Porsche wichtige Punkte bei. Nissan erhält derweil nach dem McLaren-Ausstieg Ende der vergangenen Saison wieder ein Kundenteam, das für die Hersteller gerade im Hinblick auf Datensammlung auf der Strecke wichtig ist.
Der Deutsche Pascal Wehrlein erlitt im Titelrennen in Tokio hingegen einen schmerzhaften Rückschlag. Denn das Rennen des Weltmeisters von 2024 endete vorzeitig, als Wehrlein mit einem aggressiven Manöver in der 19. Runde in Kurve 8 Felix da Costa in die Barrieren schickte, wobei er sich selbst Beschädigungen zuzog. Nachdem er nach seinem absolvierten Pit Boost zunächst wieder auf die Strecke gefahren war, kam Wehrlein wenige Runden später erneut an die Box und stellte seinen Wagen zunächst ab. Wehrlein ist damit seine WM-Führung los, liegt aber nur einen Punkt hinter dem neuen Führenden Mitch Evans (Jaguar).
Albtraum-Rennen für Porsche: Keine Punkte für Pascal Wehrlein und Nico Müller
Für die Kollision erhielt Wehrlein eine Zeitstrafe von zehn Sekunden. Mutmaßlich in Anbetracht dessen schickte Porsche seinen Star-Piloten nach Reparaturen an der Radaufhängung wieder auf die Strecke, um die Strafe absitzen zu können und so etwa eine Rückversetzung in der Startaufstellung für das nächste Rennen vermeiden zu können. Felix da Costa konnte sich währenddessen zwar schnell aus der Mauer ohne größere Beschädigungen befreien, fiel aber weit zurück. Im Schlussspurt kämpfte sich der Formel-E-Champion von 2020 aber zurück und erreichte noch P9.
Für Nico Müller im zweiten Werks-Porsche waren jegliche Hoffnungen auf ein Top-Resultat ebenfalls schnell dahin. Von Platz vier gestartet, erlitt Müller bereits in der ersten Runde Beschädigungen, nachdem ihm im Zweikampf mit Antonio Felix da Costa der Platz ausging und er sowohl mit Felix da Costa als auch mit der Mauer kollidierte. Müller konnte sein Rennen nach einem Stopp an der Box zwar fortsetzen, befand sich nun aber auf dem letzten Platz. „Wo soll ich hingehen“, beklagte sich der Schweizer am Funk. Letztendlich beendete Müller das 14. Saisonrennen nur auf Rang 18 und vollendete somit eine gebrauchte Nacht für Porsche.
Dies ist für Porsche besonders bitter, da Müller erst im Qualifying verunfallt war und es Porsche gerade so noch rechtzeitig zum Rennstart schaffte, das Auto einsatzbereit zu machen. „Mit so wenig Zeit ist es unglaublich, was die Mechaniker geleistet haben“, hatte sich Porsche-Teamchef Florian Modlinger noch vor dem Rennstart gefreut.
Trauer um Tod von Citroen-Teamchef Cyril Blais
Hinter Dennis vervollständigte derweil Nick Cassidy im Citroen-DS das Podest. Sein Teamkollege Jean-Eric Vergne erreichte Rang sechs. Citroen trauert an diesem Wochenende um Teamchef Cyril Blais. Der Tod des Franzosen im Alter von nur 43 Jahren war am Montag dieser Woche bekanntgegeben worden. Die Nachricht löste im Fahrerlager und der gesamten Motorsportwelt große Anteilnahme aus. Vor dem Start ins heutige Rennen wurde eine Schweigeminute für Blais eingelegt.
Evans und Edoardo Mortara im Mahindra komplettierten die Top-5. Hinter Vergne wurde der amtierende Weltmeister Oliver Rowland (Nissan) Siebter, der sich mit 22 Zählern Rückstand auf Evans ebenfalls noch Hoffnungen auf die Titelverteidigung machen darf. Ticktum-Teamkollege Pepe Marti, Felix da Costa und Taylor Barnard im DS Penske komplettierten die Punkteränge im ersten jemals bei Nacht ausgetragenen Formel-E-Rennen in Tokio.
Keine Punkte für Abt und Maximilian Günther
Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline verpasste die Top-10 hingegen knapp. Lucas Di Grassi wurde Elfter. Di Grassi hatte zuletzt in Shanghai das Sonntagsrennen sensationell für sich entschieden. Für seinen Teamkollegen Zane Maloney war das Rennen schon vor dem Start ein schwieriges Unterfangen.
Denn der Mann aus Barbados musste nach einem Getriebewechsel an seinem Boliden eine Startplatzstrafe absitzen. Diese konnte Maloney jedoch nach Platz 20 im Qualifying nicht absitzen, wodurch er eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe direkt nach dem Start absolvieren musste. So blieb schlussendlich nur abgeschlagen Rang 19. Auch der zweite Deutsche im Feld, Maximilian Günther (DS Penske) ging als 15. leer aus.
Formel E 2026: So geht es weiter
Wie schon im letzten Jahr ist das Formel-E-Rennwochenende in Tokio auch in diesem Jahr ein Double-Header, wobei sowohl am Samstag als auch am Sonntag ein Rennen ausgetragen wird. Folglich findet morgen noch einmal das gleiche Programm wie heute statt. Nach einem Freien Training um 06:30 Uhr deutscher Zeit, steht um 08:40 Uhr das Qualifying an. Das Rennen startet um 13:00 Uhr. Der Privatsender DF1 überträgt 2026 alle WM-Läufe der Formel E im Free-TV.


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