Charles Leclerc hatte sich nach dem Rennen in Monaco in Rage geredet. Sein Unfall beim Safety-Car-Restart war für ihn der Gipfel nach drei Formel-1-Wochenenden an immer schlimmer werdenden Bremsproblemen. Sein brutaler Verriss des Bremssystems am Ferrari kommt bei Brems-Zulieferer Brembo allerdings überhaupt nicht gut an.
Leclercs Brems-Darstellungen waren am Sonntagnachmittag gefühlt mit jedem Interview, das er gab, schlimmer geworden. Als er vor die schreibenden Medien trat, hatte er sich bereits ausschweifende Erklärungen zurechtgelegt, nachdem er in den TV-Interviews es bereits als "einfach nur gemeingefährlich" bezeichnet hatte.
"Von meinen vier Bremsen haben drei nicht funktioniert", ging Leclerc schließlich final ins Detail. "In einem Formel-1-Auto nie gut. Links vorn war gut, rechts vorn so halb, die zwei Hinterbremsen gingen überhaupt nicht. Und wenn ich sage überhaupt nicht, dann siehst du da auf den Daten überhaupt keine Verzögerung."
"Als ob die Bremszangen nicht einmal am Auto wären", meint Leclerc. "Solange ich nur Runden fuhr, war es inkonstant, aber die Probleme waren nicht so schlimm. Aber sobald das Safety Car kam, hörten drei Bremsen auf zu arbeiten, und ich bekam sie nicht wieder zurück. Nichts hat mehr funktioniert. Ich habe alles versucht, um dem zu helfen. Die einzige Lösung wäre gewesen, in der letzten Kurve nicht zu bremsen. Dann wäre ich in Kurve 1 gecrasht. Eine ganze Runde? Unmöglich."
Formel-1-Zulieferer Brembo kontert Leclerc: Überrascht von diesen Aussagen
Diese Tiraden provozierten am Sonntagabend schließlich eine schon fast unvermeidliche Reaktion von Brembo. Der italienische Automobil-Zulieferer ist seit über 50 Jahren Partner von Ferrari und beliefert auch andere Formel-1-Teams. Das schließt nicht nur Bremsen ein, sondern auch Dinge wie Kupplungen von AP und Dämpfer von Öhlins, zwei weitere Unternehmen unter dem Brembo-Schirm.
"Die Brembo-Gruppe ist sehr überrascht von den Aussagen von Charles Leclerc nach dem Grand Prix von Monaco", nahm man sofort den Fahrer in die Pflicht. "Gegenwärtig kennt das Unternehmen die Gründe der Probleme von Charles Leclerc nicht und hält es infolgedessen für voreilig, definitive technische Schlussfolgerungen zu ziehen, ehe die verfügbaren Daten analysiert wurden."
"In Fällen wie diesem ist es nötig, die Telemetriedaten zusammen mit den Ingenieuren des Teams auszuwerten, um akkurat den Ursprung des Zwischenfalles auszumachen", mahnt Brembo. Leclerc hatte auch interessanterweise überhaupt kein Interesse gezeigt, die Schuld stattdessen auf den an genau dieser Stelle in Rascasse aufbrechenden Asphalt zu schieben. Viele andere Fahrer meinten nach dem Rennen, ein Unfall sei dort deswegen nur eine Frage der Zeit gewesen.
Charles Leclercs Bremsen-Hölle: So geht es nach Monaco-Crash weiter
Leclerc war aber nach den letzten drei Wochenenden unweigerlich schon so auf die Bremsen fixiert, dass dieser Ausbruch nach einem Unfall auf seiner Paradestrecke in Monaco wohl unvermeidlich war. Brembos Daten-Aussagen hatte er sogar schon unwissentlich vorgegriffen: "Es ist ganz klar. Fred [Vasseur, Teamchef] und Jerome [d'Ambrosio, stellvertretender Teamchef] haben die Daten gesehen. Es ist für alle klar. Zweifel gibt es glaube ich keine."
"Wir wissen, von wo es kommt, und wir haben eine Lösung, die ich ab dem nächsten Rennen am Auto haben werde", versichert Leclerc zum Abschluss. Genauer gesagt wechselt er in Barcelona auf eine Brems-Lösung, die Teamkollege Lewis Hamilton, nach zwei Podien in Serie nun WM-Zweiter, schon seit mehreren Rennen fährt. "Hoffentlich ist das ein Schritt. Das war ein Albtraum."
"Dann kann ich meinen Job anständig machen", lauten Leclercs Schlussworte in Monaco. Er war nicht der einzige Fahrer nahe der Verzweiflung am Ende des Rennens. Auch George Russell reist mit einem Nuller aus Monaco ab. Mehr zu seinem Horror-Rennen gibt es hier:



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