Das DTM-Saisonhighlight auf dem Norisring hat die hohen Erwartungen wieder einmal erfüllt: 118.500 Zuschauer strömten zum Stadtkurs in Nürnberg und erlebten einen Doppelsieg von Nicki Thiim sowie den schweren Unfall zwischen Maximilian Paul und Kelvin van der Linde. Besuche zahlreicher Prominenter wie CSU-Parteichef Markus Söder, Comedien Oliver Pocher, dem neuen Mercedes-AMG-CEO Stefan Weckbach oder BMW-M-Geschäftsführer Frank van Meel rundeten das vierte Rennwochenende der Saison ab.

Die DTM bleibt der Höhepunkt beim ADAC Norisring Speedweekend, das zum 83. Mal ausgetragen worden ist - und dabei wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Die Möglichkeit, dass mit der Formel E obendrein eine FIA-Weltmeisterschaft auf dem berühmten Straßenkurs gastieren wird, ist erst einmal vom Tisch.

DTM-Schock am Norisring: Knochenbrüche nach Horror-Unfall (15:45 Min.)

Formel E am Norisring? Gespräche im Sande verlaufen

Dabei haben nach Informationen von Motorsport-Magazin.com in diesem Jahr durchaus intensive Gespräche zwischen der Formel E, dem ADAC und dem veranstaltenden MCN (Motorsport Club Nürnberg) über die Austragung eines Elektro-Rennens stattgefunden. Verantwortliche der Formel E hatten das Gelände rund um den Dutzendteich sogar bereits für eine Streckeninspektion besucht, auch die Stadt Nürnberg war mit hochrangigen Vertretern in die Gespräche eingebunden.

Nach unseren Informationen sind die Diskussionen allerdings im Sande verlaufen. Die Formel E habe den Kontakt schließlich einfach abgebrochen, hieß es aus ADAC-Kreisen. Inzwischen ist klar: Die Elektro-WM wird auch 2027 ihr Deutschland-Gastspiel in Berlin-Tempelhof abhalten. Die Hauptstadt ist der einzige Austragungsort in der Geschichte der Formel E, in dem jährlich mindestens ein Rennen veranstaltet wurde. Der Vertrag mit der Stadt Berlin wird mindestens bis einschließlich 2027 laufen und enthält Optionen für eine Verlängerung.

Formel E forderte Strecken-Umbau am Norisring

Warum es zwischen der Formel E und dem Norisring nicht klappen wollte? Eine mögliche Zusammenarbeit soll an den hohen Anforderungen der Serienverantwortlichen gescheitert sein. Mit der nächstjährigen Einführung des bis zu 816 PS starken Gen4-Autos sei das 2,1 Kilometer lange Streckenlayout, das die DTM nutzt, nicht passend gewesen. Formel-E-Verantwortliche sollen stattdessen auf einen Umbau des Kurses gedrängt haben, unter anderem mit einer zusätzlichen Passage rund um das angrenzende Stadion des 1. FC Nürnberg.

"Es bestand der Wunsch seitens der Formel-E-Spitze, eine Mindeststreckenlänge von drei Kilometern zu realisieren", teilte die Stadt Nürnberg gegenüber der Zeitung Fränkischer Tag mit. "Dies wäre nur sehr schwierig und mit hohem Kostenaufwand verbunden gewesen." Außerdem seien die Pläne laut der Frankenstadt auch an einer "Fülle organisatorischer, infrastruktureller und finanzieller Wünsche" gescheitert. Darüber hinaus sei man auch in Zukunft bereit für weitere Gespräche mit der Formel E.

Das dürfte allerdings eine Weile dauern, denn beim ADAC und dem MCN soll man von den umfangreichen Forderungen der Formel E, die zudem erst spät kommuniziert worden seien, nicht allzu begeistert gewesen sein. "Wir haben festgestellt, dass es nicht funktioniert", hieß es aus Kreisen des MCN.

DTM-Rennen am Norisring
Am Norisring wird schon fleißig gebaut, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

DTM und Formel E: Läuft da noch was?

ADAC-Motorsportchef Thomas Voss sagte dazu gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Ich war in Berlin (beim diesjährigen Formel-E-Rennen; d. Red.) und habe auch mit Alberto Longo (Formel-E-Mitgründer; d. Red.) gesprochen. Zwischen uns gibt es überhaupt keinen Streit oder irgendwelche Spannungen. Die Formel E muss schauen, wohin sie will. Wir müssen schauen, wohin wir wollen."

Voss zeigte sich offen für eine mögliche Zusammenarbeit mit der Formel E in Zukunft, auch bezüglich eines möglichen DTM-Rennwochenendes in Berlin-Tempelhof. "Wenn sich die Wege kreuzen oder sich Möglichkeiten ergeben, gemeinsam etwas zu machen - vielleicht auch in Berlin - dann wären wir die Letzten, die Nein sagen würden", so Voss. Nach unseren Informationen aus dem ADAC-Umfeld sollen sich derartige Pläne seit dem Bekanntwerden eines möglichen DTM-Events in der Hauptstadt allerdings "um keinen Millimeter bewegt" haben.

Start zum DTM-Rennen am Norisring
Nicki Thiim erang einen Doppelsieg auf dem Norisring, Foto: IMAGO/Eibner

Das grundsätzliche Vorhaben, Synergien zwischen der DTM und der Formel E etwa bei der Streckennutzung am Norisring oder in Berlin zu schaffen, scheint derzeit weit entfernt zu sein. Ein gemeinsames Rennwochenende ist keine Option, wenn überhaupt, dann Events der beiden Serien an aufeinanderfolgenden Wochenenden.

"Genau das waren ja die Synergien, über die wir damals gesprochen haben", sagte Voss. "Wenn die gesamte Infrastruktur bereits steht, muss man sie nicht abbauen, drei Monate später wieder aufbauen und dann erneut abbauen. Das würde unabhängig davon Sinn machen, ob so etwas am Norisring, in Berlin oder auf einer permanenten Rennstrecke stattfindet."

Formel E: Kein zweites Rennen in Deutschland

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Formel E neben Berlin ein zusätzliches Rennen auf dem Norisring austragen könnte - mit Porsche und Bald-Einsteiger Opel tummeln sich immerhin zwei Hersteller aus Deutschland im Starterfeld - ist gering.

Formel-E-Mitgründer Longo sagte zur Mitte dieses Jahr gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Ich tue mir schwer damit, zu sehen, dass wir zwei Rennen in Deutschland haben werden, wenn man das globale Interesse an der Meisterschaft betrachtet. Wenn es aber ein Land in Europa geben würde, bei dem wir über zwei Rennen nachdenken würden, dann wäre es Deutschland."

Stadion-Umbau in Nürnberg kein Problem für DTM

Während die Möglichkeit eines Formel-E-Rennens in Nürnberg in immer weitere Ferne rückt, bleibt die DTM eine Bank in der Frankenstadt. Der aktuelle Vertrag läuft bis einschließlich 2027 und einer weiteren, mehrjährigen Fortsetzung der Zusammenarbeit steht nichts im Wege. Einziger Knackpunkt: Da die Stadt Nürnberg mit am Tisch sitzt und ultimativ entscheidet, ist die Zukunft des Norisring Speedweekend auch immer eine politische Frage.

Der geplante Umbau des anliegenden Max-Morlock-Stadions soll unterdessen keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die künftigen Austragungen der DTM haben. Der Nürnberger Stadtrat hat in dieser Woche beschlossen, wie die in die Jahre gekommene Spielstätte umgebaut werden soll. Die nun feststehende Variante sieht vor, dass das Stadion des Fußball-Zweitligisten künftig eine reine Fußball-Arena sein soll.

Bei den vergangenen DTM-Veranstaltungen diente die noch vorhandene Tartan-Laufbahn rund um den Rasen als Parkplatz für Medienvertreter. Das Pressezentrum befand sich in einer Turnhalle im Innern des Stadions und könnte im Zuge der geplanten Umbauarbeiten in die angrenzende Eishockey-Arena verlegt werden.

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