Kelvin van der Linde hätte sich nach seinem schweren DTM-Unfall auf dem Norisring nicht besser im Rennauto zurückmelden können. Am vergangenen Wochenende räumte der BMW-Werksfahrer bei der GT World Challenge in Misano auf ganzer Linie ab: Van der Linde und WRT-BMW-Teamkollege Charles Weerts gewannen beide Sprint-Rennen und reisten als Meisterschafts-Führende aus Italien ab.
Für den Deutsch-Südafrikaner geht es schon am kommenden Wochenende weiter, wenn die DTM in Oschersleben (24.-26. Juli 2026) ihre zweite Saisonhälfte einläutet. Der Norisring-Crash ist abgehakt, aber beim wichtigen Heimspiel seines Teams Schubert Motorsport ist eine gewaltige Aufholjagd angesagt, wenn van der Linde bei seiner DTM-Rückkehr noch ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden will.
Kelvin van der Linde: "DTM-Meisterschaft nur im Hinterkopf"
Durch die Norisring-Nullnummer ist er in der DTM-Tabelle bis auf den zwölften Rang abgerutscht. Van der Lindes Rückstand zu 'Halbzeit-Meister' Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) beträgt 63 Punkte. "Aktuell muss ich sagen, dass das Thema Meisterschaft nur in meinem Hinterkopf ist", sagte er während einer Online-Medienrunde der DTM. "Ich konzentriere mich jetzt von Rennen zu Rennen auf einzelne Ergebnisse. In der DTM ist natürlich alles möglich, aber realistisch betrachtet sind die Chancen auf den Titel in diesem Jahr etwas kleiner geworden."
Van der Lindes bisheriger Saisonverlauf glich einer Achterbahnfahrt: In vier von acht Rennen sah er nicht die Ziellinie - inklusive des Nicht-Antritts am Norisring-Sonntag. Dazwischen mengten sich eine Pole Position auf dem Red Bull Ring sowie ein Start-Ziel-Sieg in Zandvoort. "Meine Ausfall-Quote liegt bei rund 50 Prozent. Das ist für DTM-Verhältnisse natürlich viel zu hoch, wenn man um die Meisterschaft kämpfen möchte", stellte van der Linde fest.
Kelvin van der Linde in der DTM 2026: Bisherige Ergebnisse
| Event | Qualifying | Rennen |
|---|---|---|
| Red Bull Ring 1 | P11 | Ausfall |
| Red Bull Ring 2 | P1 | P6 |
| Zandvoort 1 | P21 | Ausfall |
| Zandvoort 2 | P1 | P1 |
| Lausitzring 1 | P19 | P10 |
| Lausitzring 2 | P11 | P9 |
| Norisring 1 | P17 | Ausfall |
| Norisring 2 | kein Start | kein Start |
Van der Linde hatte Titel bei DTM-Rückkehr im Blick
Besonders bitter: Van der Lindes Schubert-BMW plagten an den Samstagen auf dem Red Bull Ring sowie in Zandvoort jeweils technische Probleme, die ihn womöglich bessere Ergebnisse kosteten. An beiden Folgetagen schlug er mit Pole Positions zurück.
"Schade ist vor allem, dass es in den meisten Fällen nicht in meiner Hand lag", sagte der 30-Jährige. "Es waren äußere Faktoren, die den Verlauf gestört haben. In den anderen Rennen haben wir gute Leistungen gezeigt. Mental ist das extrem schwierig. Gerade nach meiner Rückkehr in die DTM wollte ich sofort wieder um die Meisterschaft kämpfen. Ich glaube, wir hatten auch das Zeug dazu."
Oschersleben: Heimspiel und Angst-Strecke für Schubert-BMW
Mit Oschersleben wartet auf van der Linde und Teamkollege Marco Wittmann nun allerdings eine Rennstrecke, die zuletzt kein gutes Pflaster darstellte für den BMW M4 GT3. Seit der DTM-Rückkehr im Jahr 2023 gelang keinem BMW-Fahrer ein Sieg oder eine Pole Position in der Magdeburger Börde. Van der Linde und Wittmann nutzten in der vergangenen Woche einen privaten Test-Tag auf der Schubert-Motorsport-Hausstrecke, um sich auf den technischen Kurs mit seinen zahlreichen langsamen und mittelschnellen Kurven einzuschießen. Die Strecke liegt eher Porsche, Mercedes-AMG, Lamborghini (Huracan) und dem Allrounder-Ferrari.
"Ich bin froh, den Test gehabt zu haben", so van der Linde. "Er war gut. Letztendlich muss es aber am Rennwochenende passen, wenn auch die anderen Autos auf der Strecke sind. Ich war mit dem Gefühl im Auto zufrieden, aber dieses Gefühl ist nicht viel wert, solange man keine Referenz und keinen Vergleich zur Konkurrenz hat." Nach der bisher "durchwachsenen" Saison hoffte van der Linde, bei den Saisonrennen Nummer neun und zehn "wieder zurückschlagen zu können".
Kelvin van der Linde und BMW: Wie geht es weiter?
Dabei geht es auch um die Zukunft von van der Linde, denn nach Informationen von Motorsport-Magazin.com läuft sein Vertrag bei BMW nach zwei Jahren zum Saisonende aus. Nach seiner Wahnsinns-Debütsaison 2025 - Siege bei den 12h Bathurst und 24h Nürburgring, Meister in der GT World Challenge und Intercontinental GT Challenge, dazu fast 50 Prozent Podest-Quote - hat er sich für weitere Gespräche jedenfalls in eine gute Ausgangslage versetzt.
"Es war bisher eine sehr schöne Zeit bei BMW", sagte van der Linde. "Ich glaube, das vergangene Jahr hätte kaum besser laufen können. Der Wechsel zu BMW kam damals genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin auch weiterhin sehr glücklich bei BMW. Selbst wenn wir in diesem Jahr in verschiedenen Rennserien Schwierigkeiten hatten, macht die Zusammenarbeit mit den Menschen dort und mit meinen Teamkollegen nach wie vor großen Spaß."
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