Drei Runden lang sah es so aus, als könnte Max Verstappen das Formel-1-Rennen in Monza gewinnen. Drei Runden lang lag er in Führung und hielt seinen Lieblingsrivalen George Russell hinter sich. Doch es waren eben nur drei Runden. Danach musste sich Verstappen zuerst Russell und dann der Rakete namens Kimi Antonelli geschlagen geben. Doch Platz drei ist ein Lebenszeichen von Red Bull.
"Das Podium ist richtig gut für uns. Wir mussten wirklich dafür kämpfen. Es wurde uns nicht leicht gemacht", resümierte der vierfache Weltmeister, der 2026 noch auf eine Pole Position und einen Sieg warten muss. Schon am Samstag klagte er über eine defekte Hinterachse, den er mit ins Rennen schleppte.
"Die Hinterachse spielt einfach nicht mit. Das hat uns Performance gekostet. Das macht Probleme über die Bodenwellen, die Kerbs und besonders in den langsamen Kurven", erklärte Verstappen nach dem Italien-GP. Trotzdem kam er nur 14 Sekunden hinter Sieger Antonelli über die Ziellinie und konnte für einen Großteil des Rennens mit den beiden Mercedes mithalten. Doch der Schein trügt, ist sich Verstappen sicher.
Mercedes-Motoren zu stark für Red Bull: "Als wärst du eine Schildkröte!"
Durch das Geplänkel der Ferraris wurde Verstappen beim Start auf Platz drei vorgespült, schnappte sich nach dem Restart gleich Pierre Gasly und holte auf dem Medium-Reifen den auf Hard fahrenden George Russell ein. In Anfahrt auf die erste Schikane scherte er aus dem Windschatten aus und setzte sich vor den Mercedes. Abschütteln ließ der sich aber nicht. Über die nächsten drei Runden versuchte es Russell immer wieder, doch Verstappen platziert seinen RB22 immer genau richtig, um den WM-Zweiten hinter sich zu behalten.
Doch ohne Windschatten und Overtake-Mode-Bonus waren die Energie-Reserven des Red Bulls in Runde 15 aufgebraucht und Russell schoss ohne Gegenwehr in der Curva Grande an Verstappen vorbei. In der nächsten Runde wiederholte sich das Spiel mit Antonelli. "Wir können mit dem Energiemanagement der Mercedes-betriebenen Autos einfach nicht mithalten", ist sich der Niederländer seines Nachteils bewusst. "Es ist nicht lustig, wenn die Leute einfach an dir vorbeifahren, als wärst du eine Schildkröte."
Red Bull hat zwar den stärksten Verbrenner-Motor, aber auf der Elektro-Seite enttäuscht der DM01 maßgeblich. Dass Verstappen die beiden sich streitenden Silberpfeile nicht abreißen ließ und anfangs überhaupt imstande war, Russell zu überholen, war seiner Ansicht nach nur der zusätzlichen Energie durch den Überholmodus zu verdanken: "Dadurch sieht es vielversprechend aus, aber sobald du die Führung übernimmst, ist es sehr schwierig, zu verteidigen."
Aufgebrochener Monza-Asphalt an Verstappen-Ausrutscher schuld?
Das Defizit zum Mercedes-Motor wurde besonders offensichtlich, als Verstappen nach seinem Boxenstopp unter dem virtuellen Safety Car auf Oscar Piastri auflief. Seinen mit der Pace hadernden Teamkollegen Lando Norris hatte Verstappen bereits hinter sich gelassen, doch Piastri war in Monza klar der schnellere Papaya-Pilot.
Während Antonelli den Australier schnell abfertigte, brauchte Verstappen zehn Runden, bevor er dem McLaren endlich entkommen konnte – obwohl seine Reifen 25 Runden jünger waren und Piastri weder von einem Windschatten noch von einem Überholmodus-Energie-Zuschuss profitierte.
Mehrmals wechselten die beiden Positionen, bis Norris aufschloss. Als die McLaren-Teamkollegen sich in Runde 48 dann anfingen, selbst zu duellieren, konnte Verstappen zumindest einen kleinen Abstand aufbauen. "Sobald sie sich ins Overtake-Fenster hängen [unter einer Sekunde, Anm. d. Red.], sind sie zu stark für uns, um tatsächlich zu verteidigen, auch auf besseren Reifen", beschreibt Verstappen.
Dass er in der ersten Schikane einmal geradeaus fuhr, half auch nicht. Das soll laut Verstappen aber kein Fahrfehler gewesen sein: "Der Asphalt ist in Kurve zwei aufgebrochen. Als ich um die erste Kurve gefahren bin, bin ich plötzlich einfach gerade weiter gefahren, weil so Asphaltstückchen auf der Strecke lagen."
Kein anderer Fahrer hat vor oder nach dem Grand Prix über Streckenschäden gesprochen. Doch es ist wahr, dass an dieser Stelle ein Stück nachasphaltiert wurde. Außerdem befinden sich dort überall Kiesbetten, wodurch kleine Steinchen auf die Strecke gekommen sein könnten. Auf Onboard-Aufnahmen ist nichts ersichtlich.
Red Bull zieht positive Monza-Bilanz: "Beste Rennpace seit Wochen!"
Trotz all dieser Probleme ist das Team aber glücklich über sechste Saison-Podium für Red Bull. "Das war wahrscheinlich unsere beste Rennpace seit einigen Wochen und ein Schritt in die richtige Richtung", meint Teamchef Laurent Mekies. "Mercedes war zu schnell, aber wir waren stark genug, um Ferrari und McLaren auf der Strecke zu schlagen."
Auch Verstappen zieht eine positive Bilanz: "Nach einem schwierigen Wochenende in Zandvoort, an dem ich das Auto gar nicht mochte, ist es großartig, auf dem Podium zu stehen. Wir haben uns seit Freitag sehr stark verbessert. Das Auto ist in einem besseren Fenster. Die Bremsen waren besonders gut. Das hat mir das Vertrauen zum Attackieren gegeben." Das Ergebnis ist eine Bestätigung des Aufwärtstrends für Red Bull: In den letzten vier Rennen stand Verstappen dreimal auf dem Podium.
Trotzdem ist noch nicht aller Tage Abend. "Wir müssen uns noch an einigen Stellen verbessern. Plus natürlich der Energie-Einsatz auf der Geraden. Wir müssen noch den Sweetspot finden", so Verstappen. "Wir werden erst zufrieden sein, wenn wir den ultimativen Speed haben und wir müssen offensichtlich einige Herausforderungen meistern. Wir nehmen die verbesserte Pace mit und freuen uns auf die neue Strecke in Madrid."
Direkt nach dem Spanien-GP wartet gleich die nächste Challenge auf Max Verstappen: Er stellt sich 100 Amateur-Kartfahrern! Alles zum Red-Bull-Event "Max vs. 100" könnt ihr im folgenden Artikel lesen:



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