Es ist ein bitteres Ende für das Kapitel Max Verstappen und Zandvoort. Beim vorerst letzten Niederlande-GP der Formel 1 baut der Held tausender Niederländer schon in der ersten Runde bei feuchten Bedingungen auf Slicks einen heftigen Unfall. Glücklicherweise kann er einem zerstörten Red Bull unverletzt verlassen.

Ein kurzer Regenschauer in der letzten Stunde vor dem Rennen hatte die ersten Runden zu einer haarigen Angelegenheit gemacht. Kurz vor dem Start war die Sonne wieder da, und die Strecke trocknete größtenteils auf. Entsprechend fuhren alle Fahrer auf Slick-Reifen los. Allerdings war es besonders im letzten Sektor noch feucht.

Besonders traf das auf die schnelle Steilkurve raus auf die Zielgeraden zu. Das war die einzige Passage der Strecke, wo es noch keine vollständige trockene Linie gab, als das Rennen pünktlich um 15:00 Uhr gestartet wurde.

Max Verstappen nimmt letzte Zandvoort-Kurve zu eng und crasht

Verstappen ging an der Stelle in der ersten Runde aber zu viel Risiko und fuhr eine sehr aggressive enge Linie, bis auf die weiße Linie und auf den inneren Kerb. Dort war es aber zu rutschig. "Sobald ich da den trockenen Fleck sah, dachte ich, ich könnte Gas geben, aber das hat eindeutig nicht geklappt", analysiert Verstappen nach dem Rennen nüchtern. Das Heck brach aus, Verstappens Versuch des Abfangens resultierte bloß in einem plötzlichen Gegenpendler.

In einem Winkel von gut 45 Grad schlug Verstappen daraufhin links in die Wand ein. Glücklicherweise wurde in Zandvoort hier beim Umbau der Strecke für die Formel 1, bei dem die Kurve in eine Steilkurve verwandelt worden war, eine sogenannte Safer Barrier installiert. Dieses von US-Ovalen kommende doppelte Wand wurde dafür entwickelt, die Einschlags-Energie aufzunehmen und der Länge nach weiterzugeben.

Trotzdem war es ein heftiger Einschlag für Verstappen. Die linke Seite des Red Bull war zerstört, der linke Hinterreifen komplett abgerissen. Verstappen konnte trotzdem gleich ohne Hilfe aussteigen. "Es war ein ordentlicher Treffer, aber ich hatte schon Schlimmere", winkt er ab. Nach den g-Kräften hat er gar nicht gefragt: "Ich fragte nur, ob ich mir das Medical Center sparen konnte. Das heißt, das Limit hat nicht angeschlagen."

Natürlich ist das ein bitteres Ende für das letzte Heimrennen auf absehbarer Zeit. Aber es war letztendlich nur ein besonders bitterer Abschluss für ein ohnehin schon mieses Wochenende. "Ich konnte nicht wirklich mit den Jungs vor mir kämpfen", akzeptiert Verstappen, der auch schon seit Tagen zusätzlich noch kränkelt: "Ich freue mich auf eine Woche Pause zum Ausruhen, ja, ich habe mich nicht gut gefühlt. Ich hätte gern mehr geschafft, aber wir müssen realistisch sein. Wir sind das viertschnellste Team."

Beinahe-Kontakt zwischen Red Bulls und Schreckmoment für Nico Hülkenberg

Bei einem riesigen Trümmerfeld hinter ihm wurde das Rennen abgebrochen und erst eine gute halbe Stunde später wieder neu gestartet. Abgesehen vom Crash war die erste Runde auch davor schon dramatisch. Zuerst einmal schon in der ersten Steilkurve am Ende des ersten Sektors. Dort hatte Liam Lawson nämlich versucht, Verstappen außen zu überholen, und schaffte es sogar auf gleiche Höhe, ehe Verstappen ihn rausdrückte. Beinahe kam es dort schon zwischen den Red Bulls zum Kontakt. "Wir dürfen frei fahren, das ist normal", zuckt Verstappen mit den Schultern.

Liam Lawson und Max Verstappen am Sonntag bei der Formel 1 in den Niederlanden
Lawson gegen Verstappen außen in der ersten Kurve, Foto: IMAGO / PsnewZ

In der letzten Kurve kam es dann hinter Verstappens Abflug zu einem weiteren dramatischen Zwischenfall. Etwas früher in der Kurve verlor dort Gabriel Bortoleto ebenfalls auf dem feuchten Asphalt das Heck. Er konnte Schlimmeres verhindern und in einen 360-Grad-Dreher umwandeln - das allerdings direkt vor einem Großteil des folgenden Feldes.

Ausgerechnet Teamkollege Nico Hülkenberg war das Auto hinter ihm. Hülkenberg erriet die Dreher-Richtung richtig. Um Zentimeter schaffte er es links am Frontflügel des zweiten Audis vorbei. In den Turbulenzen der Startphase sprang Hülkenberg nach dem Restart damit auf den neunten Platz vor, während Bortoleto, aus den Top-10 gestartet, nach dem Dreher bis auf P18 zurückfiel. Hülkenberg konnte das bis ins Ziel in einen achten Platz verbessern.