Portrait:

Max Verstappen ist das Jahrhunderttalent schlechthin. Geboren 1997 als Sohn des langjährigen F1-Piloten Jos Verstappen begannen für Verstappen Junior die Erfolge, kaum dass er 2005 zum ersten Mal an einem Kart-Rennen teilnahm. Bis 2013 sammelte er unzählige Meisterschaften ein, und zog die Aufmerksamkeit der großen F1-Nachwuchsprogramme. Kaum hatte Verstappen 2014 das Altersminimum erreicht, stand er in der europäischen Formel 3 am Start.

Red Bull verliert keine Zeit: Verstappen sorgt für Regel-Revolution

Gleich am ersten Rennwochenende in Silverstone stand Verstappen als Zweiter auf dem Treppchen, der erste Sieg folgte kurz darauf in Hockenheim und sollte den Beginn eines unvergleichlichen Höhenfluges darstellen. Verstappen gewann sowohl in Spa-Francorchamps als auch auf dem Norisring alle drei Läufe und weckte damit die Aufmerksamkeit mehrerer Formel-1-Rennställe. Am 12. August 2014 gab Red Bull bekannt, sich die Dienste des 16-Jährigen gesichert zu haben. Mit dem fast unglaublichen Versprechen, ihn direkt nach nur einer Saison in Formelautos ins Nachwuchs-F1-Team Toro Rosso zu befördern.

Die ultra-schnelle Beförderung, in deren Rahmen Verstappen schon 2014 als jüngster Fahrer aller Zeiten in Freitags-Trainings als Testfahrer antrat, machte sich für Red Bull bezahlt. 49 Punkte holte Verstappen 2015 in der ersten Saison, wurde der jüngste Fahrer mit Punkten in der F1-Geschichte, und bewegte sich trotz fehlender Erfahrung im Formelsport bald auf dem Level seines älteren Junior-Kader-Rivalen Carlos Sainz. Dieser kometenhafte Aufstieg war sogar den Regelhütern zu schnell, die auf Basis des Verstappen-Falls ein neues System für die F1-Superlizenz einführten, um 16-jährige Starter ohne Erfahrung zukünftig zu unterbinden.

Sensationsmann Verstappen bricht Jungend-Rekorde bei Red Bull

Verstappen aber war ein Ausnahmefall. Als Red Bull im Hauptteam das Vertrauen in den fehleranfälligen Daniil Kvyat verlor, traf man 2016 die fast wahnsinnig erscheinende Entscheidung, den 18-jährigen Verstappen in Spanien in Kvyats Auto zu setzen. Noch viel wahnsinniger war das Resultat: Verstappen startete von Platz drei, holte sich per Strategie die Führung, und kontrollierte sein erstes Rennen für Red Bull Racing bis ins Ziel. Mit 18 Jahren und 228 Tagen ist Verstappen seither der jüngste GP-Sieger aller Zeiten.

Red Bulls Risiko-Entscheidungen wurden vom Jahrhunderttalent Verstappen allesamt bestätigt. 2017 schob Verstappen zwei weitere Siege nach, und begann den im Team bereits etablierten Daniel Ricciardo regelmäßig in Qualifying und Rennen zu schlagen. Red Bull erklärte es sich bald zum Ziel, Verstappen zum jüngsten F1-Weltmeister aller Zeiten zu machen, um die Rekordliste (jüngster Starter, jüngster Fahrer in den Punkten, jüngster Fahrer auf dem Podium, jüngster Sieger, jüngster Führender, jüngster mit der schnellsten Runde) zu komplettieren.

Verstappen macht Aggression zum F1-Motto

Erst aber musste Verstappen trotz allem Talent Lehrgeld zahlen. Mit aggressiven, oft grenzwertigen Attacken und Defensiven machte er sich in seinen ersten Jahren bei der alten F1-Garde nicht beliebt. Den Tiefpunkt erlebte er zum Saisonbeginn 2018, als er mehrere Fehler und Kollisionen provozierte, während Teamkollege Ricciardo zwei Siege holte.

Mit einem Triumpf beim Red-Bull-Heimrennen in Österreich schaffte er dann aber die Wende. Aggressiv blieb er auch danach, aber beginnend mit der zweiten Saisonhälfte von 2018 war die Aggression, wenn auch am Limit, stets kontrolliert. Zwar war er in den Jahren 2019 und 2020 aufgrund des noch unterlegenen Red Bull-Hondas kein WM-Aspirant, begann aber eine spektakuläre Podiumsserie. 2020 und 2021 beendete er bis auf zwei Rennen alle, in denen er nicht ausfiel, auf dem Podium.

Verstappens WM-Durchbruch gegen Lewis Hamilton

2021 war Verstappens großes Jahr. Endlich mit einem WM-fähigen Paket ausgestattet holte er die meisten Poles, die meisten Siege, und begann ein das ganze Jahr umspannendes Duell mit Lewis Hamilton, welches in nicht weniger als drei Kollisionen gipfelte. Verstappen überquerte nach 22 Rennen und einer Saison, die bereits als moderner Klassiker auf dem Niveau der Prost/Senna-Duelle gilt, als Sieger die Ziellinie. Nicht ohne Drama, denn er überholte Hamilton beim Finale in Abu Dhabi in der letzten Runde, nach einer kontroversen Safety-Car-Entscheidung der Rennnleitung.

Keine Proteste gingen aber durch. Einziger Wehmut des ersten Titels bleibt: Verstappen ist nicht der jüngste Weltmeister. Diese Chance ging ihm knapp durch die Lappen.