Max Verstappen sorgte mit seinen vernichtenden Kommentaren über die neuen Formel-1-Autos beim ersten Test in Bahrain für mächtig Aufruhr. Der vierfache Champion deutete sogar an, die Königsklasse aufgrund der "unlustigen" Boliden frühzeitig zu verlassen. Weltmeister Lando Norris widersprach Verstappen und zeigte sich unbeeindruckt von dessen Rücktrittsandrohnung. Jetzt mischt sich auch George Russell in die Diskussion ein.

George Russell stellt sich hinter Lando Norris: "Wir sind sehr privilegiert"

Verstappens Beurteilung der neuen Fahrzeuggeneration – "Es fühlt sich an wie Formel E auf Steroiden" – kann der Mercedes-Pilot nichts abgewinnen. "Ich gebe Dingen immer gerne eine Chance. Das neue Reglement ist ein Schritt vorwärts und erst wenige Tage alt. Es wird noch für drei Jahre bleiben. Jeder wird in den ersten Monaten einen enormen Fortschritt machen. Wir müssen dem Ganzen etwas Zeit geben", appellierte Russell am Freitag in Bahrain zur Geduld.

Doch wird Zeit auch Freude bringen? Verstappen klang nicht danach, als ob ein paar Updates seinen Unmut heilen könnten. Laut Norris dürften sich die Fahrer mit ihren mehrstelligen Millionengehältern aber nicht beschweren. Russell stellte sich hinter seinen Landsmann: "Wir sind in einer sehr privilegierten Position. Ich bin nur einer von 20 Menschen, die das erleben dürfen. Aber wir Fahrer lieben es, uns zu beschweren."

Verstappen befinde sich in einer noch privilegierteren Position, denn er hat sich seinen Traum vom WM-Titel bereits viermal erfüllt – Russell noch keinmal. "Ganz ehrlich, ich will einfach nur gewinnen. Ich schätze, ein Fahrer, der in letzter Zeit bereits viel gewonnen hat, will die besten und lustigsten Autos fahren. Er ist herzlich dazu eingeladen, auf die Nordschleife zu gehen", spielte Russell bissig auf Verstappens Freizeitbeschäftigung abseits der Formel 1 an.

Fahr-Spaß vs. Fan-Entertainment? Russell kann es nicht jedem recht machen

Der Mercedes-Pilot, der am finalen Testtag mit seinem Teamkollegen die Zeitentabelle anführte, wies drauf hin, dass es in der Formel 1 nicht nur um das Vergnügen der Fahrer geht: "Uns schauen zig Millionen Menschen zu. Die Autos, die uns am meisten Spaß machen, müssen nicht unbedingt das beste Rennen produzieren." Es könne argumentiert werden, dass das neue Reglement durch seine vielen Neuerungen mehr Chaos ins Geschehen bringt, was auch zu mehr Entertainment führen kann.

Doch sollte die Formel 1 als Königsklasse des Motorsports den Fahrern nicht auch Spaß machen? Der Traum eines jeden Kindes, das im Kart-Sport anfängt, sollte eine Fahrt in einem F1-Boliden sein. Das meint zumindest Motorsport-Magazin.com-Ressortleiter Christian Menath. Dem stimmte Russell auch zu, doch: "Du kannst nicht jede Box abhaken. Wir wollen die besten, schnellsten Autos und das beste Racing. Aber wie erreichst du das? Wir als Racing-Enthusiasten wollen laute V10- und V8-Motoren. Aber vielleicht denken die neuen Netflix-Fans anders, vielleicht wollen sich manche Leute auf der Tribüne während eines Rennens unterhalten. Ich weiß nicht, wie wir es allen recht machen sollen."

Nervig und nicht intuitiv: Auch Russell übt Kritik an neuen F1-Autos

Obwohl Russell sich gegen Verstappens Kritik aussprach, hat er nicht nur gute Worte über die neue Fahrzeuggeneration zu verlieren. "Die Motoren sind sehr komplex und bereiten allen Ingenieuren größere Kopfschmerzen als den Fahrern", so der Mercedes-Pilot. Dabei sind die zwei Strecken, an denen das F1-Feld bisher fuhr, noch leichtere Kurse für den neuen halbelektrischen Antrieb. Es gibt viele Kurven, in denen die Batterie wieder geladen werden kann. Das Energiemanagement auf Strecken wie Melbourne oder Jeddah, die einen Highspeed-Charakter haben, wird eine noch größere Herausforderung, schätzte Russell.

Auch wenn die zusätzliche Power – die Leistung der MGU-K wurde von 120 kW (163 PS) auf 350 kW (476 PS) erhöht – ein definitiver Pluspunkt für den Briten ist, haben die neuen Autos auch ihre Mankos, besonders was das Handling in Kurven angeht. "Wir müssen sehr niedrige Gänge verwenden, damit die Drehzahl hoch bleibt und der Turbo sich weiterdreht. Das ist ziemlich nervig und nicht intuitiv", erklärte Russell. Als Beispiel nannte er Kurve eins in Bahrain, in der alten Autogeneration mit dem dritten Gang durchfahren. Jetzt müssen die Piloten auf den ersten Gang zurückgeschalten. Russell verglich das Gefühl mit dem Ziehen der Handbremse.

In Isolation ist es zwar langsamer, im niedrigsten Gang durch die Kurve zu fahren, doch die 2026er Autos verlangen einen taktischen Energieeinsatz. Wer bei Bremsvorgängen die Batterie nicht genügend auflädt oder unklug verwendet, dem fehlt die Power auf der Geraden. Wo man wie viel Energie einsetzt und wieder auflädt, müssen die F1-Fahrer erst lernen. Dass erst am Ende der Runde klar wird, wie sich eine Entscheidung in der ersten Kurve ausgewirkte, macht den Lernprozess nicht einfacher, bemängelte Russell.

Das ganze Drama um Max Verstappens Formel-1-Kritik fasst Christian für dich im Video zusammen!

Max Verstappen vernichtet Autos 2026: F1-Karriereende droht (09:06 Min.)