Die neue Fahrzeuggeneration der Formel 1 hat von Tag 1 an ihre Kritiker im Fahrerfeld. Und dabei handelt es sich gleich um die ganz Großen des Sports. Nachdem Lewis Hamilton am Mittwoch deutliche Kritik an den neuen Boliden äußerte, setzte Max Verstappen noch einen drauf und holte zu einem Rundumschlag gegen die aktuellen Regeln aus.
Der vierfache F1-Weltmeister hielt bei einer Medienrunde im Rahmen der Testfahrten in Bahrain nicht hinter dem Zaun und meinte analytisch: "Es macht nicht sehr viel Spaß zu fahren. Ich denke, das richtige Wort ist Management." Der Vergleich, den er daraufhin anstellte, war für die Königsklasse wenig schmeichelhaft. "Das Gefühl ist nicht Formel-1-mäßig. Es fühlt sich eher an wie Formel E auf Steroiden."
Max Verstappen: "Das ist nicht mehr Formel 1"
Der Niederländer hatte schon im letzten Jahr, wie viele seiner Kollegen, Skepsis gegenüber den neuen technischen Regeln angebracht, in denen beinahe die Hälfte des Antriebs elektrisch generiert wird, gleichzeitig aber die MGU-H verschwindet. In Kombination mit der Maximalleistung von maximal neun Megajoule pro Runde führt das dazu, dass die Elektropower stark gemanagt werden muss. Energiesparmaßnahmen wie Lift & Coast auf der Geraden oder ein ungewöhnlicheres Muster bei den Schaltvorgängen sind die Folge davon.
Für Verstappen ist diese neue Fahrweise ein Graus, wie er unverblümt festhält: "Als Vollblut-Fahrer genieße ich es, wenn ich voll fahren kann und im Moment kann man das nicht. Es ist so viel los, und alles, das man als Fahrer an Inputs gibt, hat einen massiven Effekt auf die Energie. Für mich ist das einfach nicht Formel 1."
"Vielleicht ist es besser, dann einfach Formel E zu fahren, denn es geht nur noch um Energieeffizienz und Management", wiederholte er seinen Vergleich mit der reinen Elektro-Rennserie, die seit 2014 existiert und unter Rennfahrern und Fans nach wie vor sehr umstritten ist. In der Formel E ist seit jeher Energiemanagement eine zentrale Komponente aller Rennen. Pushen vom Start bis ins Ziel wird aufgrund des begrenzten maximalen Energieverbrauchs praktisch vom Reglement aus verunmöglicht.
Nicht alles schlecht: Das gefällt Verstappen an den neuen Autos
Dabei sei nicht alles an den neuen F1-Autos schlecht. "Ehrlich gesagt, die Proportionen des Autos sehen gut aus. Das ist nicht das Problem. Nur alles andere ist für mich ein bisschen Anti-Racing", führte er seine Kritik aus. Kritik, die nicht überall gut ankommen wird. "Wahrscheinlich werden viele Leute nicht glücklich mit dem sein, was ich hier sage, aber ich bin offen und ehrlich und wieso sollte ich nicht sagen, was ich von meinem Rennauto halte", sprach Verstappen.
"Ich kann nicht helfen. Ich habe das Reglement nicht geschrieben. Wenn es um nicht politische Aspekte ginge, dann hätten wir ohnehin wahrscheinlich einen anderen Motor, denke ich." Spaß machen ihm die neuen Autos zwar nicht, aber der Red-Bull-Pilot geht dennoch davon aus, dass er und die anderen Spitzenpiloten der Formel 1 fahrerisch gut mit ihnen zurechtkommen werden. "Ich denke, alle guten Fahrer werden in der Lage sein, sich daran anzupassen. Das ist nicht das Problem, aber es ändert sich einfach die ganze Art des Rennfahrens und diese wird weniger authentisch."
Am zweiten Tag der Formel-1-Testfahrten war Verstappen in Bahrain nicht im Einsatz. So lief der Donnerstag:
Max Verstappen hat keinen Spaß: Formel-1-Verbleib unklar
Die Aussagen von Verstappen bieten vor allem deshalb sehr viel Sprengstoff, da der 71-fache Grand-Prix-Sieger schon seit Jahren durchklingen ließ, dass er nicht ewig in der Formel 1 bleiben möchte und er ein großes Interesse an anderen Rennserien zeigte. Der Faktor 'Spaß' sei ein wichtiger Punkt, der die Dauer seines Verbleibs in der Königsklasse bestimmen könnte.
Diesen hat er mit dem aktuellen Reglement offenbar nicht und da diese Autos bis 2030 in der Formel 1 bleiben, stellt sich damit zwangsläufig die Frage, ob Verstappen der Topklasse des Formelsports nicht bald den Rücken kehren könnte. Diese Überlegungen wollte er selbst nicht ausschließen - ganz im Gegenteil. "Es muss Spaß machen zu fahren, und das in einer Phase meiner Karriere, in der ich auch andere Dinge außerhalb der Formel 1 erkunde und dort Spaß habe", ließ er seine Zweifel durchklingen. "Ich weiß, dass wir eine Weile an dieses Reglement gebunden sind. Wir werden sehen", so Verstappen weiter.
Für Aufsehen sorgte Verstappen außerhalb der Königsklasse vor allem im GT3-Sport. Einerseits besitzt er sein eigenes Rennteam. Vor allem aber machte der 28-Jährige Schlagzeilen, als er 2025 an einem F1-freien Wochenende zunächst seine Nordschleifen-Lizenz machte und zwei Wochen später ein NLS-Rennen gewann. 2026 könnte ein weiterer NLS-Start erfolgen sowie möglicherweise ein Antritt beim prestigeträchtigen 24h-Rennen am Nürburgring. Ob es dazu kommt, ließ er in Bahrain noch offen. Aber einen Seitenhieb gegen die Königsklasse konnte er sich dennoch nicht verkneifen: "Wenigstens kann ich dort Vollgas fahren, ohne auf meine Batterie achten zu müssen."



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