Die neue Formel-1-Autogeneration erhielt bei den 'Geheim'-Testfahrten in Barcelona ein überwiegend positives Feedback. Beim zweiten Test in Bahrain müssen sich die Piloten auch erstmals den kritischen Fragen der Journalisten stellen und dabei bekommt das Schönwetter-Bild erste Risse. Rekord-Weltmeister Lewis Hamilton äußerte bereits nach der ersten Session am Mittwochvormittag offene Kritik an den Autos.
"Ich denke wir sind im Moment langsamer als die GP2, oder? So fühlt es sich auch an", behauptete der Ferrari-Fahrer. Er ist nicht der erste Pilot, der in Bezug auf das Fahrgefühl Parallelen zur Formel 2 zieht, Lando Norris ist ebenfalls der Ansicht, dass das Handling Ähnlichkeiten habe. Doch in Bezug auf den Speed verschätzt sich Hamilton doch deutlich. Die Pole-Zeit der Formel 2 auf dem Bahrain International Circuit lag 2025 bei 1:44,008. Bereits in den ersten Teststunden wurde diese Marke in Bahrain um mehr als acht Sekunden unterboten.
Auch beim Test in Barcelona betrug die Differenz der schnellsten Zeit zur F2-Pole 2026 fast neun Sekunden. Der schnellste Fahrer war dabei übrigens Hamilton selbst gewesen. Vom Rundenzeiten-Niveau der Formel 1 des Vorjahres ist die Königsklasse dabei natürlich weit entfernt. Rund fünf Sekunden war die Differenz in Barcelona und bisher auch in Bahrain. Ein Abstand, der sich aber mit Sicherheit noch weiter verringern wird.
Hamilton ist bisher noch nicht überzeugt: "Das gesamte Auto bietet natürlich viel weniger Downforce. In Barcelona hat es sich nicht so schlecht angefühlt, hier ist es sehr staubig und heiß, deshalb ist es sehr viel schwieriger die richtige Balance zu finden." Dazu kommt noch sehr viel Wind, der über den geographisch kaum geschützten Wüstenkurs hinwegweht." Das ist das stürmischste Wetter, an das ich mich hier erinnern kann", merkte Hamilton an, und will deshalb noch nicht zu früh ein finales Urteil über die neuen Autos fällen.
Lewis Hamilton kanzelt neue Formel 1 ab: Brauche Uni-Abschluss, um das zu verstehen
Was den als Oldschool-Fahrer bekannten Rekordsieger der Formel 1 allerdings besonders stört, ist aber nicht nur die Performance, sondern das ganze Elektro-Management, welches die Piloten im Cockpit betreiben müssen. "Nicht einmal die Fans verstehen es. Es ist lächerlich komplex", beurteilte er. "Es ist, als ob man einen Universitätsabschluss braucht, um alles voll zu verstehen."
Die Formel-1-Motoren verfügen ab 2026 über fast 50 Prozent Elektro-Anteil, der ausschließlich über die MGU-K regeneriert wird – maximal neun Megajoule pro Runde. Daraus resultiert, dass viel mehr Energiemanagement notwendig wird. Für Hamiltons Geschmack eindeutig zu viel. "Wenn man sich Barcelona angeschaut hat, dort mussten wir 600 Meter Lift-and-Coast auf der Qualifying-Runde betreiben. Das ist nicht mehr Racing", ärgerte sich der ehemalige Mercedes-Champion. In Bahrain sei dieses Problem aufgrund der zahlreichen harten Bremsphasen nicht vorhanden.
Nicht alles schlecht: Das gefällt dem Ferrari-Star an den neuen Autos
Hamilton war bereits ein großer Kritiker der vergangenen Autogeneration, der Ground-Effect-Ära zwischen 2022 und 2025. Diese gefiel ihm fahrerisch nicht und setzte ihm zeitweise auch körperlich schwer zu. Für die neuen Autos hat der Engländer noch Hoffnung, auch wenn sein erster Eindruck negativ ausfällt. "Im Moment fühlt es sich überhaupt nicht wie die Generation davor an", stellte er fest.
Positiv bemerkte Hamilton, dass die Boliden weniger schwerfällig sind. "Das Auto ist kürzer, es ist leichter und es ist einfacher abzufangen. Das macht ziemlich viel Spaß, es ist ein bisschen wie Rallyefahren."
Außerdem steht bei der Sammlung von Erfahrungswerten mit den neuen Boliden noch ein langer Weg vor den Teams und Fahrern: "Es ist noch früh. Mit diesem Basis-Auto, das wir haben, müssen wir noch viele verschiedene Dinge ausprobieren. Wir versuchen noch das richtige Fenster zu finden, in dem es funktioniert. Wir müssen die Reifen optimieren, das Aero-Paket, die Fahrzeughöhe und die mechanische Balance – all diese Dinge", so Hamilton.
Lewis Hamilton saß schon am Vormittag am Steuer des Ferraris, am Nachmittag übernahm Charles Leclerc. Hier findet ihr LIVE alle Informationen von den Testfahrten in Bahrain:



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