Obwohl Max Verstappen bei den 24h Nürburgring 2026 so ziemlich alles überstrahlte, herrschten im Vorfeld des Starts mancherorts Zweifel, ob der Formel-1-Star mit seiner #3 Winward-Mercedes-Crew das Rennen auch gewinnen würde. Vorwurf aus Teilen des Fahrerlagers: Der Niederländer würde den Mercedes-AMG GT3 zu hart rannehmen und auf schnelle Rundenzeiten aus sein, statt das Fahrzeug über die 24 Stunden so weit wie möglich zu schonen.

Als wir AMG-Kundensportchef Stefan Wendl am Freitagabend vor dem Start mit dieser Theorie konfrontierten, wiegelte dieser entschieden ab: "Das ist völliger Quatsch. Ich glaube nicht, dass Max auf schnelle Einzelrunden aus ist. Er versucht einfach, seinen Rhythmus zu finden - eine Geschwindigkeit, die er konstant und sicher fahren kann. Natürlich hat er in der Vorbereitungsphase auch mal die Limits ausgetestet. Aber genau darum ging es ja: zu lernen, wo man über 24 Stunden konstant fahren kann, ohne das Auto zu überfordern."

Technik-K.o. verhindert Verstappen-Sieg! Was ist passiert? (11:31 Min.)

Fuhr Max Verstappen zu hart bei den 24h Nürburgring?

Dennoch fühlte sich der eine oder andere Fahrerlager-Beobachter in seiner Annahme bestätigt, als der Verstappen-Mercedes am Sonntagvormittag dreieinhalb Stunden vor dem Zieleinlauf plötzlich wegen einer defekten Antriebswelle aufgeben musste. Schnell wurden Verstappens 'Highlights' während seiner Doppel-Stints herausgekramt: sein Sprung, der mit zwei Rädern im Gras endete, ein Überholmanöver halb neben der Strecke und nicht zuletzt das atemberaubende Duell mit dem späteren Sieger Maro Engel in der Nacht - leichter Kontakt inklusive.

Der Mercedes-AMG GT3 von Winward mit Verstappen, Auer, Gounon, Juncadella bei den 24h Nürburgring
Der Verstappen-Mercedes hebt auf der Nordschleife ab, Foto: IMAGO/speedshot

AMG-Veteran Maro Engel, der den Mercedes seit einem Jahrzehnt in- und auswendig kennt und seinen zweiten Gesamtsieg am Nürburgring feierte, glaubte nicht an einen Folgeschaden beim Schwesterauto in Folge des Kontakts: "Der Kontakt war nicht mit seinem Hinterrad. Es war nur eine leichte Berührung. Von außen betrachtet müsste ich sagen, dass es einfach Pech war. Solche Sachen passieren im Motorsport."

Zwischen dem Clash der beiden Mercedes und dem Ausfall der #3 lagen außerdem "viele Stunden", wie Verstappen-Teamkollege Daniel Juncadella anmerkte. Genau genommen vergingen rund zehn Stunden zwischen dem Verstappen-Engel-Aufeinandertreffen um zwei Uhr in der Nacht auf Sonntag und dem späteren Ausfall gegen 11:30 Uhr.

Antriebswelle verpasst Verstappen-Mercedes technischen K.o.

Der Antriebswellen-Defekt ereignete sich an der rechten Hinterachse und wurde festgestellt, nachdem Juncadella den #3 Mercedes kurz nach seinem Fahrerwechsel zurück an die Box schleppen musste. Zunächst war die AMG-Mannschaft von einem defekten ABS-Sensor ausgegangen, den der Spanier resettete und das Rennen mittels Anpassungen der Bremsbalance zunächst fortsetzen konnte. Wenig später traten jedoch ungewöhnliche Schleifgeräusche auf und das Unheil nahm seinen Lauf.

Der Mercedes-AMG GT3 von Winward mit Verstappen, Auer, Gounon, Juncadella bei den 24h Nürburgring
Die defekte Antriebswelle am #3 Verstappen-Mercedes, Foto: IMAGO/DeFodi Images

Die defekte Antriebswelle hatte zudem derart starke Schäden am hinteren rechten Radträger verursacht, dass an eine schnelle Reparatur nicht zu denken war. Winward schickte die #3 mit Schlussfahrer Juncadella erst zwei Runden vor Schluss noch einmal ins Rennen, um sich gebührend von den 352.000 Zuschauern am Wochenende zu verabschieden.

AMG-Boss: "Wir wissen noch nicht ganz genau, wo es herkam"

Was genau das Problem hervorgerufen hatte, muss jetzt gründlich analysiert werden. "Wir wissen noch nicht ganz genau, wo es herkam", sagte AMG-Motorsportchef Christoph Sagemüller kurz nach dem Rennen zu Motorsport-Magazin.com. "Das war extrem unglücklich. Es tut mir sehr leid für alle und natürlich auch für das Verstappen-Team."

Dass ausgerechnet Verstappen mit einer angeblich überharten und 24h-unüblichen Fahrweise inklusive Kerb-Riding den späteren Schaden forciert haben könnte, glaubte Juncadella nicht: "Ich denke, es war einfach Pech. Ein mechanisches Problem, das komplett neu war. Wir sind in den letzten sechs bis sieben Stunden sehr vorsichtig gefahren, weil beide Autos in einer ziemlich guten Position waren, und es gab keinen Grund, zusätzliches Risiko einzugehen. Wir haben die Kerbs nicht übermäßig genutzt. Wir waren vorsichtig, als es geschah."

So schnell fuhr Verstappen beim 24-Stunden-Rennen

Zwar sei Verstappen laut Engel "unfassbar schnell gefahren", doch ein Blick auf die Zeiten zeigt: Verstappen stach auf dem #3 Mercedes bei der Pace nicht so wahnsinnig hervor, dass man ihm einen Drang zur Bestzeiten-Jagd vorwerfen könnte. Von den 31 schnellsten Runden des Autos sammelte Verstappen 13, Lucas Auer 9, Jules Gounon 5 und Juncadella 4. Dabei spielen auch äußere Umstände wie die Streckenbedingungen und Code-60-Phasen eine Rolle.

Laut DTM-Vizemeister Auer sei es auf Seiten der #3 Crew ein "ziemlich sauberes Rennen" gewesen. Dabei auch mal die Randsteine mitzunehmen, was die Autos natürlich zusätzlich belastet, sei üblich. Auer: "Das macht man hier so mit dem Verkehrsmanagement und den verschiedenen Kategorien. Es geht für alle ums Überleben, für die Autos und für die Menschen."

Unfinished Business: Verstappen 2027 wieder beim 24h-Rennen?

Einziger positiver Nebeneffekt des Verstappen-Ausscheidens: Max hat jetzt ein 'Unfinished Business' auf der Nordschleife, das eine mögliche Rückkehr begünstigen könnte. 2027 steigt das 24-Stunden-Rennen vom 27. bis 30. Mai. Verstappen wollte sich ein Comeback offenhalten und der Termin müsse zu seinem Formel-1-Kalender passen. Die nächstjährigen Daten sind noch nicht bekannt.

Nicht nur Engel würde sich über eine Rückkehr des F1-Stars freuen, der der Nürburgring-Nordschleife und dem GT3-Motorsport einen weltweiten Boom beschert hat: "Es wäre großartig, wenn Max nächstes Jahr zurückkommt. Er hat klar gezeigt, wie schnell und beeindruckend er in einem GT3-Auto auf der Nordschleife ist. Ich wäre auf jeden Fall sehr froh, ihn hier wieder zu sehen."

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