Es sah lange danach aus, als ob das große Nürburgring-Märchen tatsächlich Wirklichkeit werden würde. Max Verstappen holte sich nach drei Stunden die erste Position und der #3-Winward-Mercedes befand sich in den folgenden mehr als 17 Stunden fast immer mindestens im Kampf um die Spitze, lag über den Großteil der Distanz hinweg in Führung. So auch vier Stunden vor Schluss. Alles lief also wie am Schnürchen.

Doch dann schlug die volle Brutalität unvermittelt zu, gerade als Verstappen sein Cockpit wieder an Teamkollege Daniel Juncadella abgetreten hatte. Zunächst spukte das ABS am Mercedes-AMG GT3. Ein erstes Warnsignal, das noch kontrollierbar erschien. Der Spanier erklärte die Chronologie der Ereignisse: "Als ich aus der Box kam, hatte sich noch alles normal angefühlt. Nach etwa einem Rundendrittel sah ich eine Mitteilung, dass das ABS ausgefallen war. Als ich nach einem Reset realisierte, dass das ABS tatsächlich nicht funktionierte, musste ich ohne ABS weiterfahren."

Verstappen zu Juncadella: Drama nach Fahrerwechsel

Mit ein paar Anpassungen an der Bremsbalance blieb der Mercedes weiterhin fahrbar und Juncadella konnte konkurrenzfähige Rundenzeiten hinlegen. Hinweise, die Box anzusteuern, schlug man zu diesem Zeitpunkt noch in den Wind. Ein Stopp wäre zu diesem Zeitpunkt gleichbedeutend mit dem Verlust der Führung an die Winward #80 und damit auch dem Verlust des Rennsieges gewesen.

Wenige Runden später ratterte und schliff es plötzlich an der Heckpartie des Sportwagens. "Das Auto wurde unfahrbar." Juncadella konnte den Wagen nur noch an die Box schleppen, nur um dort die befürchtete Gewissheit zu erlangen: Aus der Traum! Die Antriebswelle am Mercedes hatte schlappgemacht.

"Das war's. Das ist wirklich schwer zu verkraften", hieß es in einem Post von Max Verstappen in den sozialen Medien. "Unser Auto erlitt eine kaputte Antriebswelle, was unseren Kampf um den Sieg beendet hat", bestätigte auch er den Ausfallgrund, den AMG-Kundensportleiter Stefan Wendl zuerst kommuniziert hatte.

Auch für die Teamkollegen von Verstappen war es ein bitterer Schlag. Denn genauso wie der vierfache Formel-1-Weltmeister hatten auch sie allesamt noch nie das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. "Es ist herzzerreißend. Wir hatten ein perfektes Rennen und ich habe so lange davon geträumt, dieses Rennen zu gewinnen, aber das heute tut sehr weh", trauerte Juncadella dem verlorenen Triumph nach.

"Es ist natürlich frustrierend", stimmte dem auch Lucas Auer zu, der versuchte, das Positive mitzunehmen: "Ich bin stolz auf unsere Gruppe und es war ein absolutes Vergnügen, das Auto mit diesen Jungs und mit dem gesamten Team zu teilen."

Der Auslöser für den Defekt ist aktuell noch unklar. Die harten Zweikämpfe von Verstappen in den ersten Rennstunden und in der Nacht mit Maro Engel seien es jedenfalls nicht gewesen. "Das war vor vielen Stunden", winkte Juncadella ab. Dem Fahren über die Kerbs könne man es sowieso nicht anlasten: "Das macht man hier so mit dem Verkehrsmanagement und den verschiedenen Kategorien. Es geht für alle ums Überleben, für die Autos und für die Menschen", sagte Auer. "Aber nein, von unserer Seite aus war es ein ziemlich sauberes Rennen."

Juncadella erklärte: "Ich denke, es war einfach Pech. Ein mechanisches Problem, das komplett neu war. Wir sind in den letzten sechs bis sieben Stunden sehr vorsichtig gefahren, weil beide Autos in einer ziemlich guten Position waren, und es gab keinen Grund, zusätzliches Risiko einzugehen. Wir haben die Kerbs nicht übermäßig genutzt, wir waren vorsichtig, als es geschah."

Kommt Max Verstappen 2027 zurück auf den Nürburgring?

Max Verstappen hatte schon nach seinem letzten Stint gewarnt, dass der Rennsieg noch alles andere als in trockenen Tüchern sei: "Es sind noch ein paar Stunden zu fahren." Der Niederländer ging mit dem Wissen in das 24h Nürburgring, dass die beste fahrerische Vorstellung unbelohnt bleiben könnte.

Nach dem nun gescheiterten ersten Anlauf hat Verstappen noch eine Rechnung mit der 'Grünen Hölle' offen. Eine Rechnung, die er schon nächstes Jahr begleichen möchte. "Ich werde es natürlich versuchen, aber es kommt immer auch ein bisschen auf den Kalender an", betonte Verstappen. Der Formel-1-Rennkalender steht im Moment noch nicht fest, deshalb sind selbstredend auch seine Renn-Exkursionen abseits der Königsklasse nicht planbar.

Einen zumindest minimal versöhnlichen Abschluss des 24h-Rennens 2026 gab es in der letzten halben Stunde. Denn nach den notwendigen Reparaturen an der Antriebswelle schickte das Team das Auto etwa 20 Minuten vor Schluss noch einmal für zwei Runden auf die Strecke. Bei 24-Stunden-Rennen ist es immer eine Prestige-Angelegenheit wenigstens offiziell doch noch das Rennen mit der karierten Flagge zu beenden, auch wenn es positionell - wie im Falle des Verstappen-Mercedes - vollkommen irrelevant ist.