Am Samstagnachmittag kurz vor 16 Uhr übernahm Max Verstappen beim 24h-Rennen Nürburgring das Steuer des Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 3 und startete damit endlich auch im Rennmodus in das lange ersehnte 24h-Abenteuer. Ein Doppelstint sollte es werden und dieser Doppelstint hielt, was er versprach.

Denn Verstappens erster Auftritt beim 24-Stunden-Rennen 2026 war einer, der zwischen Genie und Wahnsinn sämtliche Facetten, für die der Niederländer bekannt ist, par excellence unter Beweis stellte. Zunächst einmal der Wahnsinn, denn nur zehn Minuten nachdem er das Auto von Daniel Juncadella übernommen hatte, wäre dieses schon beinahe in der Wand gelandet.

Max Verstappen wirft Mercedes fast in die Leitplanke

Auf einer Kuppe im Bellof-S flog der Winward-Mercedes im wörtlichsten Sinne ins Gras und schrammte nur haarscharf an der Leitplanke vorbei. Anstatt dass das ganze Rennen zu Bruch ging, verlor er dadurch nur ein paar Sekunden. "Ich glaube, ich habe ein bisschen zu früh eingelenkt", stellte Verstappen analytisch fest, nachdem er wieder das Auto verlassen hatte.

Als der Schreckmoment verdaut war, nahm das Genie seine Arbeit auf, und das auf die unnachahmliche Verstappen-Art mit mindestens einem Messer zwischen den Zähnen. Vor seinem Stopp war der #3-Mercedes strafbereinigt auf der dritten Position unterwegs gewesen, nachher war es zwischenzeitlich aufgrund von früher gestoppten Konkurrenten nur P10. Also viel Arbeit für den 71-fachen Grand-Prix-Sieger. Adam Christodoulou im #26 Prosport-Mercedes (Christodoulou/Lulham/Böckmann/Grenier) war als Erster fällig, er machte es ihm aber auch nicht so schwer.

Wahnwitziges Verstappen-Manöver: 2 Reifen auf dem Gras

Aus der Kategorie 'wahnwitzig' stammte hingegen ein späteres Manöver, als Verstappen im Bereich Kesselchen sich außen am KCMG-Mercedes #47 (Fukuzumi/Gamou/Krohn/Pittard) vorbeiquetschte, indem er kurzerhand zwei Reifen auf dem Gras platzierte. "Am Anfang steckte ich natürlich noch ein bisschen im Verkehr fest, deshalb war es ein bisschen schwierig, an den Autos vorbeizukommen", beurteilte Verstappen diese Rennphase.

Zugute kam ihm, dass in dieser Rennphase auch noch Regen einsetzte. Dieser wurde zwar nie außergewöhnlich stark, reichte mit seiner wechselnden Intensität aber aus, damit der Formel-1-Fahrer und GT3-Teamchef in Personalunion sein Talent stärker ausspielen konnte: "Ein paar Runden unter rutschigen Bedingungen, das war genau der Moment, in dem wir den Unterschied gemacht haben", stellte Verstappen fest.

Es waren nicht nur die Frühstopper, welche Verstappen auf seinem Doppelstint einsammelte. Zunächst einmal war da der #7-Konrad-Lamborghini (Paul/Engelhart/Lefterov/Stalidzane) mit Christian Engelhart, der bereits vor dem Fahrertausch mit Maximilian Paul am Steuer direkt vor dem #3-Mercedes unterwegs gewesen war. Ihn legte sich der Niederländer auf der Auffahrt auf die Nordschleife und durch die Sabine-Schmitz-Kurve zurecht, kam besser aus dieser heraus und überholte ihn in der anschließenden Linkskurve.

Das ergab schon einmal Platz 2 in diesem Strategie-Grüppchen. Der einzige verbleibende direkte Gegner vor ihm war der Manthey-Porsche #911 (Güven/Preining/Estre/Campbell). Dieser war in Form von DTM-Champion Ayhancan Güven in Runde 16 fällig, als Verstappen ihn mit einem eiskalt exekutierten Ausbremsmanöver in Kurve 1 der Grand-Prix-Strecke abfertigte.

Netto ergab das schon die Führung, da die beiden zu diesem Zeitpunkt Führenden auf einer anderen Strategie unterwegs waren. Die Kür in Form von Überholmanövern gegen den #67-HRT-Ford (Olsen/Mies/Vervisch/Stippler) und den #34-Walkenhorst-Aston-Martin (Krognes/Drudi/Thiim/Fernandez Laser) gelang ihm in einem Guss in Runde 20 auf der Döttinger Höhe und danach in Hohenrain.

Bis zum nächsten Fahrerwechsel hatte Verstappen seine Führung schon auf 25 Sekunden ausgebaut. Sein direkter Nachfolger Jules Gounon war bislang im 24h-Rennen am Nürburgring nicht so erfolgreich, er verlor innerhalb weniger Runden die Führung erneut und lag bei der Fertigstellung dieses Artikels etwa 38 Sekunden zurück. Es gibt also wieder genügend zu tun für Verstappens nächsten Stint…

In unserem Liveticker könnt ihr den weiteren Verlauf des Rennens verfolgen: