Fast zwei Jahre Wartezeit endeten am Samstagvormittag für Pedro Acosta. Nach Motegi im Herbst 2024 gelang ihm im Barcelona-Qualifying endlich seine zweite Pole Position in der MotoGP. Weil er damals noch in GasGas-Tech3-Farben unterwegs war, durfte sich das KTM-Werksteam sogar über die erste Pole Position seit dem ersten Valencia-Rennen 2020 freuen. Die Bestätigung der starken Vorstellung vom Freitag. Genug für den ersten - nicht durch eine Strafe zustande gekommenen - Sprintsieg war das aber erneut nicht.

Zu spät aufgewacht: Pedro Acosta hadert mit schwacher Anfangsphase

"Ich hätte noch eine Runde gebraucht", haderte Acosta am Samstagabend in seiner Medienrunde. Lediglich 0,041 Sekunden war er hinter Alex Marquez ins Ziel gestürmt, das engste Finish überhaupt in der inzwischen dreieinhalbjährigen Sprintgeschichte. Man könnte also sagen, dass der Polesitter am Samstag zum besten Zweitplatzierten in der Historie der MotoGP-Sprints wurde. Aber Trost war das natürlich nicht.

Pedro Acosta war mit Platz zwei sichtlich unzufrieden, Foto: MotoGP Press
Pedro Acosta war mit Platz zwei sichtlich unzufrieden, Foto: MotoGP Press

"Es ist ein bisschen die gleiche Geschichte wie in jedem Rennen", ärgerte sich Acosta im Zuge seiner Sprint-Analyse. Was er damit meinte? "Die Pace war ganz gut, der Start war ganz gut. Dann verlieren wir im ersten Teil des Rennens etwas an Boden und kommen erst zum Ende hin wieder zurück. Da müssen wir wirklich etwas finden, denn Aprilia und Ducati haben zu Beginn deutlich mehr Grip als wir. Das müssen wir verbessern."

Obwohl Acosta die Führung beim Start gehalten und anschließend für einige Momente auch Johann Zarco als vermeintlichen Bremsklotz zwischen sich und seine Verfolger bekommen hatte, konnte er sich zu Beginn des Sprints nicht absetzen. Vielmehr überholte ihn Alex Marquez zu Beginn von Runde vier spielend leicht auf Start-Ziel und eine Runde später schlüpfte auch Raul Fernandez vorbei. Letzteren konnte sich Acosta nochmal zurückholen, für einen Angriff auf Marquez reichte es dann aber nicht mehr. "Ich war zu weit weg", berichtete der KTM-Star angesprochen auf eine mögliche Wiederholung des legendären Rossi-Manövers gegen Jorge Lorenzo aus dem Jahr 2009. "Meine Idee war eher, in Kurve zehn anzugreifen, aber auch dort war ich noch zu weit weg."

Wäre Acosta etwas früher auf Touren gekommen, hätte es vielleicht noch klappen können mit dem Sprintsieg vor Heimpublikum. So aber holte Alex Marquez nach, was er im Vorjahr durch einen Sturz in Führung liegend selbst weggeschmissen hatte. "Ich habe schon zwei oder drei Runden vor Schluss ein Motorrad hinter mir gehört", berichtete der Gresini-Pilot vom massiven Druck durch Acosta. Anders als 2025 gegen Bruder Marc hielt er diesmal jedoch Stand: "Ich habe einfach nur versucht, so spät wie möglich zu bremsen und alle Linien zuzumachen. Ich habe in der letzten Runde nicht einmal geschaut, wie viel Vorsprung ich habe. Ich habe einfach alles gegeben und gehofft, dass das ausreicht."

Alex Marquez durfte seinen ersten Sprintsieg in Barcelona bejubeln, Foto: MotoGP Press
Alex Marquez durfte seinen ersten Sprintsieg in Barcelona bejubeln, Foto: MotoGP Press

Pedro Acosta vs. Alex Marquez: Nächste Runde im MotoGP-Rennen am Sonntag?

Das tat es, aber wird es das auch am Sonntag? Eine Wiederholung des Zweikampfs der beiden Spanier ist im Katalonien-GP durchaus denkbar, dann aber vielleicht mit Vorteilen für die Nummer 37. "Ich bin sehr zufrieden mit seinem Rhythmus und damit, wie wir den Hinterreifen gemanagt haben. Wir waren am Ende immer noch sehr schnell", blickte Acosta dem Hauptrennen nämlich sehr positiv entgegen, während Marquez eher pessimistisch wirkte: "Ich hatte sehr mit der Front zu kämpfen. Wir haben heute morgen schon einige Dinge ausprobiert, aber nichts hat geholfen. Das macht mir etwas Sorgen. Hoffentlich kann uns der Medium [Hinterreifen, Anm.] morgen dabei helfen, dass die Front weniger stark nach vorne gedrückt wird."

So oder so: Das Gummi von Michelin dürfte auf dem wenig Grip bietenden Circuit de Barcelona-Catalunya wieder mal eine Schlüsselrolle spielen. Wer die Reifen am besten verwaltet, hat beste Karten auf den Rennsieg. Das könnte Acosta sein, das könnte Alex Marquez - und das könnte vielleicht auch Fabio Di Giannantonio sein. Den VR46-Piloten wollte das Duo am Samstagabend nämlich bewusst nicht ausschließen. "Er hatte am Ende eine starke Pace, ihn muss man im Auge haben", warnte etwa Acosta und auch 'Diggia' selbst zeigte sich angriffslustig: "Ich war am Ende der Schnellste. Ich habe Pedro und Alex eingeholt, mir ist dann nur die Zeit davongelaufen. Morgen wird es darauf ankommen, erst am Ende schnell zu sein und ich mag solche Rennen!"

Was meint ihr: Wer triumphiert im Katalonien-GP? Sagt es uns in den Kommentaren! Warum Aprilia zumindest am Samstag keine Rolle an der Spitze gespielt hat, erfahrt ihr derweil hier: