Die letzten Stunden bei einem 24h-Rennen sind bekanntlich jene, in denen Fahrer und Teams selbst mit riesigen Vorsprüngen - oder gerade eben mit riesigen Vorsprüngen - plötzlich jede Kleinigkeit wahrnehmen, jedes Geräusch hören, sich um jedes Detail Sogen machen. Das führte am Nürburgring-Sieger von Winward-Mercedes 2:45 Stunden vor Schluss zu einem kuriosen Boxenstopp.
Knapp eine halbe Stunde davor hatte Winward schon das davor mit 30 Sekunden Vorsprung auf die Teamkollegen führende Schwesterauto #3 (Verstappen/Juncadella/Auer/Gounon) mit einem Antriebsschaden verloren. Das hinterließ #80 (Engel/Stolz/Schiller/Martin) allein eine Führung von mehreren Minuten, doch im Cockpit meinte Maro Engel eben ein Problem zu spüren.

Maro Engel hat auf Sieg-Kurs Angst um Mercedes-Schaltwippe
"Ich habe das Gefühl gehabt, dass ein Knopf am Lenkrad ein bisschen langsam reagiert hat", erklärt Engel nach dem Rennen. Nicht nur irgendein Knopf, wie er auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com präzisiert: "Die Schaltwippe." Das Gefühl der rechten Wippe beim Hochschalten passte einfach nicht.
Wichtig hier anzumerken: Engel erlitt 2023 beim GT World Cup in Macau auf Platz zwei liegend einen Schaden, wodurch er nicht mehr hochschalten konnte. Das ging ihm am Sonntag auf der Nordschleife auch sofort durch den Kopf: "Da bin ich ein bisschen ein gebranntes Kind."
"Ich habe dann einfach die Jungs gefragt, legt mal ein Ersatzlenkrad hin, falls wir es brauchen, und ich glaube, die haben das ein bisschen missverstanden und dann gedacht okay, wir tauschen sofort", erklärt Engel. Das führte zu einem turbulenten Boxenstopp: Während Engel ausstieg und mit dem das Auto von ihm übernehmenden Fabian Schiller sprach, tauchte ein Mechaniker mit dem zweiten Lenkrad im Cockpit ab und begann an der Lenksäule zu arbeiten.
Turbulenter Boxenstopp ohne Lenkrad-Tausch bei Sieger-Mercedes
Die Szene dauerte ganze zwei Minuten. An und für sich kein Problem, da es am Nürburgring sehr großzügige Mindest-Boxenstandzeiten gibt. Als davon aber nur mehr eine Minute übrig war, und der Mechaniker zunehmend hektisch wirkte, schienen sich Engel und Schiller langsam auch Sorgen zu machen und warfen wiederholt Blicke zum Cockpit.
Engel lehnte sich nun wieder hinein zum Mechaniker, und versuchte eines der Lenkräder wieder aufzustecken. Es schienen aber nur mehr Unklarheit zu entstehen. Engel zog den Kopf wieder raus, der Mechaniker ging wieder rein, eines der Lenkräder fiel kurz darauf neben dem Auto auf den Betonboden.
Schließlich ließ man es bleiben, montierte das nicht heruntergefallene Lenkrad, und Ende. "Dann haben wir gesagt, ne, das Andere bleibt drin, es funktioniert", erklärt Engel nach dem Rennen. "Wenn es ein Problem geben sollte, dann haben wir dann ein Spare."
Mit dem riesigen Vorsprung hatte das Fahrer-Quartett nach dem Ausfall des Schwesterautos ohnehin viel Luft für alle möglichen kleineren Probleme und Notfälle, die nicht eintraten. Vorsichtig verwaltete man die Führung bis ins Ziel, auch in der letzten Stunde ließ sich Engel, der beim letzten Boxenstopp noch einmal einstieg und geschnittene Slicks bekam, in einem letzten kleinen Regenschauer nicht aus der Ruhe bringen.
Der Gesamtsieg ging also an den Winward-Mercedes #80. Der Sieg in einem davor harten teaminternen Duell wurde durch den Defekt an der #3 am Ende doch wieder einfach. Was Engel über seinen Kampf mit Max Verstappen denkt, könnt ihr hier nachlesen:



diese 24h Nürburgring Nachricht