Zwei fürchterliche Unfälle im Katalonien-Grand-Prix haben die MotoGP in Aufruhr versetzt. Dass es am Sonntag überhaupt nochmal zu einem zweiten Restart kam, obwohl dieser laut Regelwerk gar nicht nötig gewesen wäre, sorgte bei vielen Fahrern für Unverständnis und scharfe Kritik. Francesco Bagnaia forderte sogar eine klarere Formulierung der entsprechenden Regel, um ähnliche Szenarien in Zukunft zu unterbinden. Die Verantwortlichen der MotoGP haben in den kommenden Tagen also einiges zu tun, zumal es auch noch einen zweiten, nicht unwichtigen Brandherd gibt.

MotoGP-Fahrer einig: Kurve eins in Barcelona besonders gefährlich!

Es geht um die erste Kurve des Circuit de Barcelona-Catalunya, in der es nun schon zum wiederholten Male zu einer ganz hässlichen Startkollision gekommen war. "Hier in Barcelona passiert in Kurve eins immer irgendwas", beklagte am Sonntag auch Joan Mir und schäumte im Rahmen der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz: "Wir sind heute viel Risiko eingegangen. Drei Starts sind hier wahrscheinlich zu viel. Da müssen wir sicherlich drüber reden, ob wir da in Zukunft etwas verändern können. Wir müssen diese Kurve sicherer machen."

Schon am Samstag krachte es im Sprint in Kurve eins, Foto: IMAGO / PsnewZ
Schon am Samstag krachte es im Sprint in Kurve eins, Foto: IMAGO / PsnewZ

Tatsächlich gab es in den letzten Jahren kaum ein MotoGP-Rennen in Barcelona, in dem es zu keiner schwerwiegenden Kollision in Kurve eins kam. 2022 donnerte Takaaki Nakagami in Francesco Bagnaia und Alex Rins und hatte dabei großes Glück, sich nicht schwerer verletzt zu haben, weil er mit seinem Kopf ans Hinterrad der Ducati GP22 geraten war. 2023 räumte Enea Bastianini gleich vier andere Piloten ab. 2025 stürzte Marco Bezzecchi nach Kontakt mit Franco Morbidelli und in diesem Jahr dann sogar zwei Unfälle: Zunächst der Zwischenfall um Fabio Di Giannantonio, Brad Binder und Mir im Sprint, dann der fürchterliche Abflug von Johann Zarco im Grand Prix, in dem auch Bagnaia und Luca Marini zu Boden gegangen waren.

"Die Starts sind hier nicht wirklich sicher", kommentierte deshalb auch Enea Bastianini, der zum Zeitpunkt des Zarco-Crashes aufgrund eines Defekts an seiner KTM bereits zum Zuschauen verdammt war. Der Tech3-Pilot gab anschließend einen Einblick, warum es speziell in Barcelona so auffällig oft zu Kollisionen kommt: "Das harte Bremsen für Kurve eins ist mit dem MotoGP-Bike nicht einfach. Wir kommen hier mit hoher Geschwindigkeit [knapp 300 km/h, Anm.] an. Da reicht ein kleiner Geschwindigkeitsunterschied zu deinem Vordermann schon, um in ihn hinein zu krachen. Außerdem sind wir mit dem Grip hier auch wirklich am Limit. Da blockiert die Front schnell - speziell in Kurve eins, wenn dein Reifen noch nicht auf Temperatur ist."

"Die ganzen [Holeshot-]Devices und die Aero helfen auch nicht, sie sind vielmehr ein großes Problem", warf Fabio Di Giannantonio des Weiteren ein. "Wenn du inmitten diverser Motorräder bist, fühlt sich dein eigenes Motorrad ganz anders an, als wenn du nur einen Fahrer vor dir hast und versuchst, zu überholen. Dieses Gefühl hast du nur zweimal pro Wochenende [bei den Starts von Sprint und Grand Prix, Anm.] und deshalb ist es sehr schwer, sich da korrekt darauf einzustellen. Dann kommst du hier mit so viel Speed an. Da kann ein kleiner Fehler schnell zu einem großen Desaster führen."

MotoGP-Schock in Barcelona: Alex Marquez und Zarco verletzt (10:56 Min.)

Kurve eins in Barcelona sicherer machen! Was kann die MotoGP tun?

Dass also Handlungsbedarf besteht, ist offensichtlich. Doch was kann überhaupt getan werden, um Kurve eins des Circuit de Barcelona-Catalunya zu entschärfen? "Perfekt wäre es, so nah wie möglich an der ersten Kurve dran zu starten. Dann könnten wir besser einlenken und uns besser hindurchschlängeln", nannte 'Diggia' die logischste und vermutlich auch einzige Option.

Aktuell trennen die Startlinie und Kurve eins in Barcelona knapp 700 Meter, die zudem auch noch bergab führen. Würde die Startlinie näher an T1 herangeführt, würden die Piloten aufgrund des kürzeren Weges weniger schnell ankommen. Zudem würde sich der Bremsweg verkürzen, weil weniger hart gebremst werden müsste. "Aktuell ist der Bremsweg zu lang. Wenn da 22 Bikes mit 300 km/h ankommen, ist der Raum für Fehler sehr klein. Für mich wäre es daher auch eine gute Idee, das Grid nach vorne zu verschieben", stimmte Mir zu und kündigte an: "Wir werden darüber sprechen und versuchen, die Sicherheit für alle zu verbessern. Ich hoffe, dass wir und da für die Zukunft etwas überlegen können."

Der Anfahrtsweg zu Kurve eins ist lang - zu lang, Foto: Trackhouse Media
Der Anfahrtsweg zu Kurve eins ist lang - zu lang, Foto: Trackhouse Media

Klar ist schon jetzt: Zumindest mit den Holeshot-Devices werden die MotoGP-Stars in Barcelona künftig nicht mehr zu tun haben, denn diese werden 2027 verboten. Hier und da könnte dieses Verbot aber zu spät kommen, weshalb aktuell nach einer Lösung für besonders prekäre Strecken wie Silverstone und Phillip Island gesucht wird. Mehr dazu hier: