Eigentlich war er ja schon raus: Ein Satz, der bei Fabio Di Giannantonio auf so vielen Ebenen zutrifft. Da wundert es nicht, dass auch sein zweiter MotoGP-Sieg in Barcelona genau nach diesem Motto zustande kam. Doch es zeigt auch den Charakter des Italieners, dass er trotz Schmerzen und Triumph zuerst an andere dachte.

Fabio Di Giannantonio mitten im Barcelona-Horror: Wahrer Sieg, dass alle in Ordnung sind

"Es war ein verrückter Tag. Ich freue mich über den Sieg und unsere Leistung. Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Aber ich denke der wahre Sieg heute ist, dass alle in Sicherheit und relativ in Ordnung sind", sagte der VR46-Pilot, nachdem er sich in einer packenden Schlussphase des Katalonien GP den Sieg geschnappt hatte. Damit sprach er natürlich die schweren Unfälle von Alex Marquez und Johann Zarco an, die zu zwei Abbrüchen geführt hatten. Die beiden haben sich dabei verletzt, befanden sich aber glücklicherweise nicht in Lebensgefahr. Mehr Informationen in unserem Video zum Rennsonntag:

MotoGP-Schock in Barcelona: Alex Marquez und Zarco verletzt (10:56 Min.)

"Das sind unsere größten Siege heute. Es ist ein großartiger Sport, aber am Ende sind wir alle Menschen", betonte 'Diggia' erneut. Der Eindruck war noch komplett frisch, denn der Römer war selbst vom ersten Unfall betroffen. Er fuhr direkt dahinter, als Pedro Acostas Bike plötzlich streikte und Alex Marquez nicht mehr ausweichen konnte. Die Gresini-Ducati wurde in alle Einzelteile zerlegt und die Trümmer schleuderten auch in Richtung des VR46-Piloten.

Trümmereinschlag: Diggias zweiter MotoGP-Sieg unter Schmerzen

"Ich sah nur, wie eine Menge Teile umherflogen. Ich versuchte mich hinter der Verkleidung zu halten und durchzufahren", berichtet er. Letztlich konnte er dem Sturm der Zerstörung nicht entkommen. "Ich wurde von etwas getroffen. Da hatte ich viel Glück", gab er an. Wobei Glück hier relativ zu dem Schicksal von Alex Marquez zu sehen ist. Die Giannantonio wurde zu Sturz gebracht und hatte danach Schmerzen. Am Montag im Test trat er deswegen nicht mehr an.

Fabio Di Giannantonio wird von Trümmerteilen getroffen
Di Giannantonio wurde von Trümmerteilen getroffen, Foto: IMAGO / Xinhua

Am Rennsonntag hatte er aber noch etwas vor und biss auf die Zähne. Es passt in die Karriere des Stehaufmännchens, dass er gerade nach so einem Vorfall auf dem Ersatzbike mit abgeschrammter Lederkombi das Rennen - nach einem weiteren Re-Start aufgrund des Zarco-Unfalls - gewann. Dabei rang er KTM-Pilot Pedro Acosta mit einem Manöver in Kurve 10, also genau da wo ihn zuvor die Trümmerteile trafen, nieder.

Diggias Manöver zum Sieg gegen Acosta, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS
Diggias Manöver zum Sieg gegen Acosta, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS

Dank an VR46 und Valentino Rossi: Wählten mich, als keiner mich wollte

2023 war er bereits vor dem Aus in der Königklasse gestanden, doch mit großartigen Leistungen und dem ersten Sieg in Katar empfahl er sich spät für eine Fortsetzung der MotoGP-Karriere. Ein Team eröffnete ihm diese Chance und der 27-Jährige war nach dem zweiten Triumph seiner Laufbahn voller Dankbarkeit: "Wir wussten, dass dies hier eine große Chance sein würde. Dieser Sieg war so nötig. Es ist mein erster mit diesem Team und ich muss ihnen danken, denn sie haben mich in der Vergangenheit gewählt, als niemand anderes mich haben wollte. Ich habe ihnen gute Resultate versprochen und jetzt ist dies endlich unser erster Sieg."

Das Tüpfelchen auf dem 'i' war, dass Teamgründer und Italien-Legende Valentino Rossi erstmals in dieser Saison vor Ort war und gleich den größten Triumph seit Jahren bejubeln durfte. Auch an ihn ging ein dank, denn der 'Doctor' hatte sich an die Strecke gestellt und Tipps an seine Jungs gegeben: "Es ist fantastisch, ihn hier zu haben. Er hat uns während des gesamten Wochenendes sehr geholfen. Mit ihm einen Sieg zu feiern, hätte ich mir nicht erträumen können. Es ist erstaunlich, dass das nun passiert ist. Das waren schon emotionale Momente auf der Strecke."

Valentino Rossi feierte mit seinem Piloten, Foto: VR46 Media
Valentino Rossi feierte mit seinem Piloten, Foto: VR46 Media

Fabio Di Giannantonio träumt vom großen Coup: So kannst du Titelkandidat werden!

Am Ende könnte sich 'Diggia' von einem Fahrer, der eigentlich schon raus war, sogar zum Titelkandidaten aufschwingen. In der Fahrerwertung fehlen ihm als bestem Ducati-Piloten nurmehr 26 Punkte auf Marco Bezzecchi an der Spitze.

Und nach einem solchen Erfolg gegen alle Widerstände steht der Römer nun natürlich mit breiter Brust da, weswegen er auch nicht mehr tiefstapelt: "Mein Ziel war es, in dieser Saison in diese Bereiche vorzudringen. Wir haben eine großartige Chance dieses Jahr, mit einem großartigen Team und Motorrad. Ich gebe alles, um zu konkurrenzfähig zu sein. Wir leisten hervorragende Arbeit und wollen immer so nah wie möglich an den Aprilias sein. Bis jetzt haben wir ein erstaunliches Niveau über alle Strecken hinweg gezeigt und mein Ziel ist es, so weiterzumachen. So kannst du zum Titelkandidaten werden."

Jorge Martin und Raul Fernandez hätten Di Giannantonio den Sieg vielleicht streitig machen können, doch sie hauten sich in einer Kollision ins Kiesbett. Die dicke Luft bei Aprilia verlangte nach einer Entschuldigung: