Die furchtbaren Unfälle von Alex Marquez und Johann Zarco überschatteten den Rennsonntag der MotoGP in Barcelona. Da ging es auch ein wenig unter, dass es in diesem Grand Prix weitere kontroverse Vorfälle gab. Bei Aprilia herrschte nach einer markeninternen Kollision dicke Luft.
Nach MotoGP-Kollision mit Raul Fernandez: Jorge Martin rastet in Aprilia-Box aus
Zum dritten Start des Katalonien-GP nach zwei Abbrüchen lagen Werkspilot Jorge Martin und Trackhouse-Fahrer Raul Fernandez aussichtsreich hinter Pole-Mann Pedro Acosta auf zwei und drei. Doch die Hoffnungen auf den Sieg waren nach nur fünf Kurven dahin. Raul Fernandez griff an und es kam zur Kollision, die beide ins Kiesbett beförderte. Sie konnten sich aus diesem zwar wieder befreien, doch der Punktezug war da längst abgefahren.
Die unmittelbare Reaktion auf den Vorfall bekam Trackhouse Racing zu spüren. Aprilia-Boss Massimo Rivola stapfte in die Box des Kundenteams und machte eine Ansage in Richtung Teamchef Davide Brivio. Doch nach dem Rennen ging es dann in der Garage des Werksteams heiß her. Martin war fuchsteufelswild, als er von seinem Bike stieg. Er ging in seinem Ausraster sogar Teammanager Paolo Bonora an.
"War so frustriert" - Jorge Martin entschuldigt sich für Wutanfall
Wenig später riss der Spanier sich in seinen Interview-Runden aber wieder am Riemen - oder ihm wurde von Aprilias PR-Abteilung dazu angeraten. "Ich habe nichts dazu zu sagen. Ihr könnt es euch am TV ansehen", schwieg er zur Kollision. Zu seinem Boxenausrater wollte der 'Martinator' aber sehr wohl etwas sagen: "Ich möchte mich beim Team und bei [Paolo] Bonora entschuldigen. Ich habe ihn etwas weggestoßen, weil ich so frustriert über die Situation war."

Letztlich brach sich der Unmut über die vertane Chance an einem zuvor von vier Stürzen geprägten Rennwochenende bahn: "Während der Fahrt habe ich nicht viel nachgedacht und war noch entspannt, aber sobald ich wieder zurückkehrte [an die Box, Anm. d. Red.], da kam alles hoch. Ich bin über meine Reaktion enttäuscht, aber ich war wirklich aufgebracht über das, was da passiert ist. Ich hätte gewinnen können." Am Montag im Test stürzte die Nummer 89 dann erneut und musste sogar ins Krankenhaus zur Untersuchung. Zum Glück konnte Entwarnung gegeben werden. Mehr dazu hier:
"Nichts falsch gemacht!" - Raul Fernandez verteidigt sich und Stewards stimmen zu
Doch zurück zur Kollision selbst. Während Martin sich einen Maulkorb verpasste, schwieg der andere Beteiligte keineswegs. Trotz des Unmuts bei Aprilia sah Raul Fernandez keinerlei Schuld bei sich: "Erstmal tut es mir leid für Aprilia. Dieses Resultat haben sie nicht verdient, bei beiden von uns. Es tut mir auch leid für das Team, aber ich denke nicht, dass ich einen Fehler begangen habe. Ich habe die Kurve nicht zu schnell angefahren und ich bin auch nicht über die Rennlinie hinaus. Ich wollte ihn einfach nur überholen, aber in dem Moment sah er mich und zog das Motorrad rein. Dann kam es zur Berührung, die uns beide in den Kies brachte."

Damit entsprach er auch der Einschätzung der MotoGP-Stewards. Zur Verwunderung vieler Beobachter im Paddock meldeten Simon Crafar und sein Team 'no further action' nach Untersuchung des Vorfalls. Für den Trackhouse-Piloten war das keine Überraschung: "Wenn er sein Motorrad vor meinen Vorderreifen zieht, dann kann ich in diesem Moment nichts mehr machen. Ich weiß nicht, warum er das tut. Wir haben die Daten und sie zeigen, dass er klar reinzeiht in die Kurve, als ich ihn überholen will."
"Ein Scherz, oder?" - Martin-Kumpel Aleix Espargaro mischt sich ein
Während wir den Standpunkt von Fernandez und den Stewards also kennen, gab es dann doch noch eine Art von Wortmeldung der Martin-Seite. Nicht direkt durch ihn, aber durch seinen besten Freund Aleix Espargaro. Zu einem Interview bei DAZN, in dem Fernandez seinen Standpunkt zur Kollision darlegte, schrieb der langjährige Aprilia-Pilot auf X (ehemals Twitter) nur: "Ich nehme an, diese Aussagen sind nur ein Scherz, so eine Art Parodie, oder?" Tatsächlich waren sie das aber nicht, weswegen der Hausfrieden bei Aprilia und dem Kundenteam wohl ein wenig schief hängt.
Am Ende war die Kollision zwischen Fernandez und Martin aber ein harmloser Vorfall im Vergleich zu dem, was Alex Marquez und Johann Zarco erleiden mussten. In unserem Video haben wir alle Informationen zu den Horrorunfällen und Verletzungen von Barcelona:



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