Vieles hat sich in der Formel 1 vor der neuen Saison geändert, doch eine Sache bleibt immer gleich: Niemand will Favorit sein. Das gilt 2026 genauso wie in der Vergangenheit. Während der F1-Testfahrten in Bahrain ging Mercedes in die Offensive und versuchte das Bild eines übermächtigen Red-Bull-Motors zu zeichnen.
Die Bullen wollen die ihnen überreichte Favoritenrolle nun aber selbst schnell wieder abgeben. Technik-Chef Pierre Wachè stellte in einer Medienrunde am Rande der ersten offiziellen Testwoche in Bahrain klar, dass er sein Team deutlich im Rückstand sieht. "Wir sind mit Sicherheit nicht die Messlatte", gibt er sich überzeugt.
Red Bull Favorit? Wachè: Nur ein politisches Spiel
Sowohl George Russell als auch Toto Wolff hatten in den letzten Tagen betont, dass der neue Motor der Bullen ihren GPS-Daten nach einen Vorteil habe, der eine halbe bis eine Sekunde an Energie-Einsatz pro Runde betrage. Wachè lässt diese Einschätzungen an sich abprallen und sieht darin reine Team-Politik: "Alle wissen, dass das ein Spiel ist, das jeder spielt."
Der Technik-Direktor ist davon überzeugt, dass gleich mehrere Teams im Moment besser dastehen als Red Bull. "Wir sehen im Moment deutlich, dass die drei Topteams Ferrari, Mercedes und McLaren vor uns sind. Laut unserer Analyse haben wir Rückstand", so Wachè. Aber eine Hintertür lässt er sich bei dieser Einschätzung offen: "Um ehrlich zu sein, könnte die Analyse auch falsch sein. Wir verbringen nicht viel Zeit damit, denn wir fokussieren uns auf unsere eigene Entwicklung."
Diese Schwachstellen hat der Red Bull RB22
Diese Entwicklung biete noch ausreichend Herausforderungen. "Wir können klar einige Schwächen an unserem Auto ausmachen. Diese leiten wir aus dem Feedback ab, das wir von Max und von Isack erhalten und daraus, wo wir Zeit gegen die anderen verlieren", erklärt Wachè. Er geht anschließend sogar ein bisschen mehr ins Detail und nennt die zentralen Schwachstellen.
"Traktion, langsame und mittelschnelle Kurven", zählte er auf, "das war schon im letzten Jahr nicht unsere Stärke und dort ist es, wo die anderen gegen uns stark aussehen." Außerdem ließ er durchklingen, dass Red Bull noch deutlich vom Minimalgewicht entfernt ist: "Wir müssen noch etwas Gewicht im Auto finden, da haben vielleicht andere einen besseren Job erledigt als wir."
Letzteres war schon vor vier Jahren der Fall, als Red Bull Racing mit Übergewicht in die Ground-Effect-Ära der Formel 1 gestartet war, und eine Zeit lang gebraucht hat, ehe man am Mindestgewicht angelangt war. Der WM-Titel ging trotzdem schon in Jahr 1 nach Milton Keynes, und auch in der Saison danach.
Laut Wachè ist diese Herangehensweise Teil der Team-Philosophie: "Unsere Philosophie ist es jedes Mal, dass wir versuchen, ein Auto zu bauen, das so schnell wie möglich ist und nicht, dass wir am Gewichtslimit sind oder was auch immer." Die Logik: Ein langsames Konzept in ein Siegerauto zu verwandeln ist deutlich schwieriger als bei einem funktionierenden Konzept Gewicht abzubauen.
Als Kritik an seiner Mannschaft und vor allem an der neu aufgebauten Motorschmiede von Red Bull Powertrains soll Wachès Einschätzung, dass man sich im Rückstand befindet, nicht zu verstehen sein. Ganz im Gegenteil: Dass Red Bull beim ersten Antreten mit einem eigenen Motor so weit vorne steht, rechnet er der Motorschmiede rund um Ben Hodgkinson hoch an: "Die Motorjungs haben einen fantastischen Job erledigt. Denn als Start-Up innerhalb von dreieinhalb Jahren einen Motor zu bauen und dann auf der Strecke nicht dumm auszusehen, das ist eine massive Errungenschaft."
Während Wachè die Erwartungshaltung nach unten schraubte, äußerte sich Red-Bull-Neuzugang Isack Hadjar deutlich optimistischer. Der Racing-Bull-Aufsteiger ist der Ansicht, dass ihm mit dem RB22 von Anfang an ein siegfähiger Rennwagen zur Verfügung steht. Seine Aussagen könnt ihr hier nachlesen:



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