Die Formel-1-Testfahrten in Bahrain sind in vollem Gange und am Ende der ersten Testwoche wird vor allem einem Team immer wieder die Favoritenrolle zugeschanzt. Nein, nicht Mercedes, denen vor und nach Barcelona gute Chancen angerechnet wurden, sondern Red Bull. Vor allem die Silberpfeile sind an den drei Testtagen auf dem Wüstenkurs damit beschäftigt, das Bullenteam in den Fokus zu rücken.

Nachdem Teamchef Toto Wolff schon vor einigen Tagen vor der Mannschaft aus Milton Keynes gewarnt hat, zog am Freitag George Russell nach. Der Brite sprach davon, dass der Red Bull "ziemlich beängstigend" aussehe. "Sie sind nicht nur einen kleinen Schritt vorne. Wir sprechen hier von Bereichen zwischen einer halben Sekunde und einer Sekunde an Einsatz im Laufe einer Runde", rechnete Russell vor.

Red-Bull-Motor in einer eigenen Liga? George Russell warnt

Dabei zielt er auf die Power Unit der Bullen ab. Diese sei derzeit das Maß aller Dinge in der Formel 1, betonte der Brite. Und das nicht erst in Bahrain, auch schon bei den Geheim-Testfahrten in Barcelona habe man dies in den Daten erkennen können. "Wenn sie durchstarteten, lagen sie weit vor allen ihren Konkurrenten, also vor uns, Ferrari und den anderen", erklärte Russell.

"Hier in Bahrain nochmal, sie waren die Überflieger. Im Moment sind sie eindeutig das Team, das es zu schlagen gilt", betonte der WM-Vierte des Vorjahres. Wie viel man den Testdaten trauen darf, ist ohnehin immer eine vorsichtige Wissenschaft für sich, denn alle Rennställe sind auf unterschiedlichen Programmen unterwegs und verstecken Performance oder zeigen schon mehr von ihrer Leistung. Nicht alles in den GPS-Daten kann deshalb immer für bare Münze genommen werden. Eine bessere Leistung auf den Geraden kann außerdem auch an der Abstimmung liegen oder an einem Grundkonzept des Autos und nicht unbedingt am Motor.

Dass bei Red Bull Racing diese Alternativerklärungen allerdings nicht geltend gemacht werden können, glaubt man bei Mercedes anhand der Racing Bulls erkannt zu haben. In den Autos des kleinen Bullenteams stecken natürlich ebenfalls F1-Motoren aus Milton Keynes und Russell berichtet von einem ähnlichen Muster. "Sie liefern ebenfalls eine sehr starke Performance auf den Geraden", sagte er über das Juniorteam aus Faenza. "Das spricht dafür, dass es nicht am Chassis liegt, sondern irgendwo zwischen der Hardware und dem Einsatz."

"Wie gesagt, das ist sehr beeindruckend. Ich hoffe, dass wir aufholen können", beschließt Russell seine Lobeshymne auf die Red-Bull-PU. Dazu merkt er noch einen weiteren Punkt an: "Red Bull hat in den letzten 15 Jahren immer ein sehr gutes Auto geliefert, sogar wenn sie keinen guten Motor hatten. Dieser Test hat uns allen ein bisschen die Augen geöffnet", warnt Russell.

Warnungen nur ein Ablenkmanöver von Mercedes?

Allerdings müssen natürlich die fast schon fatalistisch anmutenden Kräftebemessungen aus dem Hause Mercedes mit einer gewissen Vorsicht genossen werden, denn Team Brackley hat jeden Grund, die Konkurrenz großzureden. Schon seit Ende 2025 war es vor allem der Mercedes-Motor, den alle mit Argusaugen beobachteten. Aufgrund eines offenbar in Brixworth entdeckten Tricks, der die Verdichtungsrate im Rennbetrieb über den erlaubten Wert erhöhen könnte - überprüft wird dieser laut Reglement nämlich nur bei Umgebungstemperatur.

Ein überlegener Motor bei Red Bull ist das beste Argument, um den Mercedes-Trick nicht am Vorabend der Formel-1-Saison durch eine Änderung der Messverfahren noch auf die Verbotsliste zu setzen. "Ich denke, man sollte nicht auf uns schauen. Man sollte auf das konkurrenzfähigste Auto im Feld schauen, und das ist derzeit der Red Bull", machte Russell deutlich.

Immerhin stehen Russell und Wolff mit ihrer Überzeugung bei weitem nicht alleine da. Viele im Paddock glauben nach dem ersten Bahrain-Test, dass Red Bull derzeit das beste Paket hat, aber kaum jemand lehnt sich dabei so weit aus dem Fenster wie Mercedes. Sogar Red-Bull-Neuzugang Isack Hadjar äußerte sich optimistisch, dass der Red Bull von Anfang an siegfähig sei. Alles zu den Aussagen des Verstappen-Teamkollegen könnt ihr hier nachlesen:

Die eigenen Motoren waren bei Red Bull in den vergangenen Tagen aber nicht das dominante Thema. Stattdessen waren es die neuen Formel-1-Autos an sich. Max Verstappen ließ am Donnerstag kein gutes Haar an den aktuellen Boliden und drohte indirekt sogar mit seinem Karriereende. Mehr dazu im Video:

Max Verstappen vernichtet Autos 2026: F1-Karriereende droht (09:06 Min.)