Auch während der Formel-1-Testfahrten in Bahrain ist nach wie vor unklar, wie der Streit rund um den Motortrick von Mercedes für den Saisonstart gelöst wird. Die Silberpfeile haben offenbar einen Weg gefunden, um das Verdichtungsverhältnis des Motors im Betrieb zu erhöhen und die Technikkontrollen (bei Umgebungstemperatur) trotzdem zu bestehen. Die Konkurrenz läuft dagegen Sturm. Mercedes beharrt auf der Legalität seines Antriebes und betont, dass die Entwicklung in dieser Regellücke in Abstimmung mit der FIA erfolgt sei.
Etwa einen Monat vor dem Saisonstart ist es nach wie vor Gegenstand von Diskussionen, ob dem Mercedes-Trick ein Riegel vorgeschoben wird. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach am Rande des Bahrain-Tests davon, dass ihn die Situation verwirre. "Es verwirrt mich in den letzten Wochen ein bisschen, wie wir plötzlich zu dem Punkt gekommen sind, dass das ein Thema geworden ist. Denn bis letzten Freitag wurde mir der Eindruck vermittelt, dass sich die Dinge nicht ändern würden", sagte Wolff.
Toto Wolff schließt Regeländerung nicht aus: Gibt es einen Kompromiss?
In den letzten Tagen verdichteten sich die Anzeichen für eine kurzfristige Regeländerung noch vor Saisonstart. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Red Bull Powertrains auch auf die Seite der Widerständler gegen den Mercedes-Trick geschlagen hat. Die Bullen hatten ebenfalls mit derselben Regellücke im Blick entwickelt, konnten in dieser aber offenbar nicht so viel Performance finden wie Mercedes.
Wolff betonte in den letzten Wochen die Legalität der Lösung der Silberpfeile und zeigte Unverständnis über den Vorstoß, jetzt gab er sich kompromissbereiter: "Es gibt einen Governance-Prozess, und wenn diese Governance für eine Änderung der Motorvorschriften stimmen würde, müsste man das einfach hinnehmen. Natürlich wäre das dann hinderlich für alle Mercedes-angetriebenen Teams."
Unter dem Strich bringe der Trick nur Kleinigkeiten, ließ der dienstälteste Formel-1-Teamchef wissen: "[Es bringt] ein paar Pferdestärken. Irgendwo im Bereich von zwei oder drei." Die Konkurrenz habe das Thema allerdings größer gemacht, als es ist. "Intern war es kein großes Thema, denn wir dachten und denken nicht, dass es einen großen Leistungsunterschied ausmachen würde", merkte Wolff an.
Doch ein kurzfristiger Umbau könnte dennoch stärkere Performance-Einbußen bewirken, die darüber hinausgehen. "Natürlich entwickelt man einen Motor über lange Zeit und man hat Vorlaufzeiten. Wenn man dann gesagt bekommt, dass man den Motor nicht so einsetzen kann, wie man ihn entwickelt hat, dann wäre das ziemlich schädigend für die Performance", erklärte der Teamboss.
Alle gegen Mercedes: Wie entscheiden FIA und Formel 1?
Konkret fallen diese Entscheidungen bei Gremium, in dem alle Motorenhersteller sowie die FIA und die FOM vertreten sind. Eine Super-Mehrheit mit sechs von sieben Stimmen wäre allerdings erforderlich. Ohne Zustimmung der FIA ist eine Regeländerung deshalb ohnehin nicht möglich. Für Mercedes würde das bedeuten, dass sie möglicherweise am Vorabend der Saison nochmal Hand an ihrem Motor anlegen müssten. Ob das technisch überhaupt in solch kurzer Zeit möglich ist, wollte Wolff nicht thematisieren.
Die Gefahr, dass dadurch eine Teilnahme der Mercedes-angetriebenen Teams am Saisonstart gar nicht möglich wäre, sieht er dennoch nicht. "Wenn es eine Regeländerung wird, dann muss man dieser Regel entsprechen. Falls man dieser Regel nicht entsprechen kann, dann muss die FIA eine Lösung finden, wie man das ausgleichen kann", sprach Wolff. Was für eine Lösung das sein könnte, sei dem Rennstall "unklar", betonte er.
Toto Wolff stellt klar: Mercedes würde niemanden verklagen
Eine Regeländerung würde also zwangsläufig einen Kompromiss voraussetzen, ist der Österreicher überzeugt. Von solch einem Kompromiss zur Lösung des Motorenthemas ist schon seit Tagen die Rede. Ansonsten könnte das Worst-Case-Szenario für den Sport drohen, nämlich Proteste oder sogar ein Gerichtsprozess. Wolff stellte auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com klar, dass jedenfalls von Seiten seines Teams keine rechtlichen Schritte zu erwarten sind: "Es gibt kein solches Szenario, in dem wir jemanden verklagen würden."
Es geht seiner Ansicht nach nicht nur um Performance, sondern um eine Grundsatzfrage: "Es ist wichtiger denn je, dass man weiß, wie die Regeln aussehen. Aber technischer Einfallsreichtum soll immer respektiert werden."
Auch bei den Mercedes-Kundenteams verfolgt man die Diskussionen rund um den Motorentrick ihres Power-Unit-Lieferanten intensiv. Williams-Teamchef und Ex-Mercedes-Mann James Vowles wurde in Bahrain deutlich. Hier könnt ihr nachlesen, was er zu sagen hatte:



diese Formel 1 Nachricht