Je näher der Saisonstart in Australien kommt, desto gefährlicher wird aktuell der Streit um den kolportierten Trick von Mercedes bei der neuen Power Unit. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen in der Saga zittert die Formel 1 vor Protesten, womöglich sogar vor Gerichtsprozessen. Die Regelhüter der FIA schwören deshalb jetzt um eine Lösung.
Man würde wohl nur allzu gerne Ruhe reinbringen. Seit Monaten spitzt sich die Lage zu. Es geht darum, dass der Mercedes-Motor mit einem Technik-Kniff das Verdichtungs-Verhältnis des Motors im Betrieb erhöhen und dadurch mehr Leistung erhalten soll. In den letzten Tagen scheint sich hier mit Red Bull auch der letzte rivalisierende Power-Unit-Hersteller auf die Seite der Gegner geschlagen zu haben:
Die vier gegnerischen Hersteller plus die Formel 1 und der Automobil-Weltverband FIA könnten nun theoretisch ohne die Zustimmung von Mercedes eine Änderung des Test-Verfahrens erzwingen. Was passiert also ab dem Auftakt-GP in Australien? Albtraum-Szenarien stehen im Raum. Proteste, Disqualifikationen, Gerichtsverfahren, gar nicht antretende Mercedes-Teams, das volle Programm eben.
Mercedes beklagte sich erst vor einer Woche in Person von Toto Wolff lautstark über die Konkurrenz: "Die Regeln sind seit langer Zeit schwarz auf weiß geschrieben. Und die Art und Weise, wie man das Verdichtungsverhältnis misst, ist ein wohlbekannter Prozess quer über die Industrien." Mehr von Wolff gibt es hier:
FIA in der Zwickmühle: Ist der Mercedes-Trick nicht gern gesehen?
Die FIA stellt nur klar, dass sie die Lage entschärfen will. "Unsere Absicht ist, es vor Saisonstart zu lösen", schwört Nikolas Tombazis, der Formelsport-Chef des Verbandes, in einem Q&A-Video. "Wir wollen keine Kontroversen. Wir wollen, dass die Leute auf der Strecke kämpfen, nicht im Gerichtssaal oder im Stewards-Büro. Das versuchen wir."
Tombazis' Aussagen klingen zugleich nicht wie Mercedes-Unterstützung. Vorangestellt legt er erst lang und breit dar, warum die FIA für 2026 das Verdichtungsverhältnis auf 16:1 begrenzt hat. Es war ein Teil der Bemühungen, sich für Neueinsteiger attraktiv zu machen.
Beim Thema Schlupflöcher ergänzt Tombazis später dann, dass es nun einmal grundsätzlich viel mehr Ingenieure bei den Teams gibt als bei der FIA. Elf Teams, fünf Motorhersteller, das sind hunderte von Ingenieuren, die Regelbücher zerlegen: "Du hast 200 Leute pro Team, und aus diesen 200 mag einer einen kleinen Aspekt finden. Es ist eine Frage von Zahlen."
"Mit neuen Regeln ist es unmöglich, diese Diskussionen nicht zu haben", so Tombazis. Das heißt jedoch ganz und gar nicht, dass die FIA es akzeptieren will, wenn Teams mit Tricks die eigentlichen Absichten des Reglements umschiffen: "Wir sind fest darauf eingestellt, das einen Wettbewerb zwischen den besten Fahrern und Teams zu machen. Nicht zwischen den besten Regel-Interpretationen."
Genau das bringt die FIA nun in eine ungemütliche Position, denn der Saisonstart ist inzwischen weniger als einen Monat entfernt, und der immer weiter schrumpfende Zeitrahmen macht es unklar, wie denn eine Lösung aussehen könnte, die nicht einfach auf das Dulden des Tricks für die Saison 2026hinausläuft.
Zumindest McLaren-CEO Zak Brown gab sich in den letzten Tagen wenigstens beruhigt. Als Mercedes-Kunde fürchtet er kein Albtraum-Szenario, in dem kein Mercedes-getriebenes Auto in Australien am Start steht:



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