Kurz vor Weihnachten sorgte Motorsport-Magazin.com in der Formel-1-Welt mit einer Technik-Geschichte für ein kleines Erdbeben. Mercedes - und möglicherweise auch Red Bull Powertrains - haben offenbar einen Trick gefunden, das maximal erlaubte Verdichtungsverhältnis von 16:1 im laufenden Betrieb zu erhöhen.

Seither werden die Diskussionen nicht mehr hinter verschlossenen Türen geführt, sondern in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Am Donnerstag stand das Thema beim Technik-Meeting zwischen den Teams und der FIA auf der Agenda. Eine endgültige Lösung für das Problem wurde noch immer nicht gefunden.

"Bei dem Treffen zwischen der FIA und technischen Experten wurde unter anderem darüber diskutiert, wie man sich auf eine einheitliche Methode zur Messung der Verdichtungsverhältnisse bei hohen Temperaturen einigen kann", heißt es in einem Statement der FIA lediglich.

Durch langes Abwarten hat sich die FIA selbst in eine Sackgasse manövriert. Der Automobilweltverband kann den Trick zu diesem Zeitpunkt unmöglich verbieten. Motoren haben besonders lange Vorlaufzeiten. Eine neue Entwicklung und die Fertigung der Motoren für Werksteam und Kunden würde viele Monate in Anspruch nehmen - das sieht sogar die Konkurrenz ein.

Trotzdem sehen viele einen Regelbruch. Sie berufen sich auf Artikel C1.5. Dort heißt es, dem Technischen Reglement vorangestellt: "Die Formel-1-Autos müssen während eines Wettbewerbs jederzeit in vollem Umfang diesen Vorschriften entsprechen." Dem entgegen steht ein definiertes Messverfahren, nach dem das Verdichtungsverhältnis explizit bei Umgebungstemperatur gemessen wird.

Eine Regeländerung 2026 ist unmöglich. Die dafür nötige Super-Mehrheit wäre nicht zu erreichen. Eine Technische Direktive der FIA, in der eine Interpretation zum Reglement gegeben wird, die den Trick verbietet, ist ebenfalls nicht zu erwarten.

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Protest gegen Mercedes und Red Bull unwahrscheinlich

So bliebe den Konkurrenten beim Saisonstart in Melbourne nur ein Protest. "Du kannst aber nur protestieren, wenn du weißt, gegen was du protestierst", meint Audis Mattia Binotto. Gerade bei Angelegenheiten rund um den Motor ist das besonders komplex. Denn die Motoren werden - im Gegensatz zum Chassis - nicht nach dem Rennen auf Regel-Konformität überprüft.

Bestimmte Parameter wie Benzinfluss, Drehzahl oder Drehmoment werden permanent live überwacht. Vermessen werden die versiegelten Motoren aber in der Regel erst nach der Saison, wenn sie nicht mehr im Einsatz sind.

Wahrscheinlich muss die Konkurrenz damit leben, dass der Trick 2026 geduldet ist. Für 2027 könnten dann Anpassungen vorgenommen werden, ohne dass ein Hersteller benachteiligt wird. Nach dem Technik-Meeting am Donnerstag werden Detail-Lösungen in den nächsten Tagen in der Power-Unit-Spezialisten-Arbeitsgruppe besprochen.

Wie erhöht Mercedes das Verdichtungsverhältnis im Betrieb?

Die Frage ist, wie man die Regeln für 2027 konkret formuliert. Das geometrische Verdichtungsverhältnis ist im laufenden Betrieb schlecht zu überwachen. In der Regel ist das Verdichtungsverhältnis im Betrieb durch die unterschiedliche thermische Expansion der verwendeten Materialien sogar niedriger.

Deshalb glauben viele Konkurrenten, dass der Trick nicht nur mit der thermischen Belastung zu tun haben kann, sondern auch mechanische Kniffe nutzt. Was genau die Mercedes- und Red-Bull-Ingenieure gefunden haben, scheint aber außerhalb niemand so genau zu wissen.

Ein Problem ist, dass Drucksensoren im Zylinder 2026 verboten wurden. Darüber hätte man Referenzwerte sammeln können. Möglichweise ist eine Rückkehr der Sensoren eine Lösung, wie man die Einhaltung der Regeln 2027 besser überwachen kann.

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