Mit einem starken Rookie-Jahr gelang Isack Hadjar der Sprung ins zweite Red Bull-Cockpit. Obwohl sich dieser Platz in der Formel 1-Geschichte zumeist als "Schleudersitz" erwies, schickt sich Hadjar an, einmal mehr zu überraschen.
In den ersten vier Qualifyings (inklusive Sprint) hielt der 21-Jährige den Rückstand zu Max Verstappen in Grenzen. Auch auf die Renndistanz ließ er die Lücke zum viermaligen Champion bislang nicht so weit aufreißen wie seine Vorgänger Yuki Tsunoda oder Liam Lawson.
| Verstappen | Hadjar | |
|---|---|---|
| Qualifying | ||
| Ø Vorsprung(-)/Rückstand | -0,12% | 0,12% |
| Ø Platz | 11,8 | 7,5 |
| Q3-Teilnahmen | 2 | 4 |
| Rennen | ||
| Ø Platz | 7,0 | 10,0 |
| Top-10 | 2 | 1 |
| DNF | 1 | 1 |
Schlägt auch dieses Mal das Max-Syndrom zu?
Allerdings ist Hadjar nicht der erste Teamkollege, der sich in den ersten Saisonrennen achtbar aus der Affäre zog, ehe Verstappen demonstrierte, wo der "Bartl den Most holt". 2021 erlebte Sergio Perez exakt dieses Szenario.
Am Ende wiederholte sich beim Mexikaner, wie zuvor bei Alex Albon und Pierre Gasly, das, was Dr. Helmut Marko als das "Max-Syndrom" bezeichnet. Damit gemeint: Irgendwann kickt das Ego eines Formel-1-Piloten rein, und der ständige Rückstand auf Verstappen lässt den Teamkollegen verzweifeln.
Doch auch in diesem psychologischen Aspekt überrascht Hadjar. Er zeigt ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Dimension der Herausforderung, die ihn als jungen Piloten in seiner zweiten F1-Saison gegen den "besten Fahrer der Welt" erwartet - und er ist bereit, dies öffentlich zu kommunizieren, ohne sich in PR-Floskeln zu flüchten. Schickt sich Hadjar also tatsächlich an, der erste voll konkurrenzfähige Teamkollege und echte Gegner von Max Verstappen zu werden?
Zweites Red-Bull-Cockpit: Die Chronik des Scheiterns
Für Pierre Gasly setzte es 2019 bei Red Bull eine schallende Ohrfeige. Im Schnitt fehlten ihm im Qualifying 0,592 Sekunden auf Verstappen; im internen Duell unterlag er mit 1:11 (ohne Verstappens Pech durch die rote Flagge in Kanada hätte es gar 0:12 gestanden). Auch im Rennen war Gasly chancenlos.
Während Verstappen im Schnitt Platz 3,33 ins Ziel kam, reichte es für Gasly nur zu Rang 7,73. Ab dem Belgien GP wurde Gasly schließlich durch Alex Albon ersetzt. Albon erwies sich bis zum Saisonende zwar als konstanter - mit Ausnahme von São Paulo fuhr er in jedem Rennen unter die Top-6 -, doch nach seiner ersten vollen Saison (2020) als Verstappen-Adjutant ereilte ihn dasselbe Schicksal: Er wurde ersetzt. An seiner Stelle saß 2021 Sergio Pérez im Red Bull und konnte sein Cockpit bis 2024 verteidigen.
Über die gesamte gemeinsame Zeit bei Red Bull kommt Pérez auf einen durchschnittlichen Qualifying-Rückstand von 0,561 Sekunden auf Verstappen. Sein Nachfolger Liam Lawson bestritt im zweiten Red Bull-Cockpit weniger als drei Grands Prix, weshalb er für einen direkten Leistungsvergleich mit Hadjar nur bedingt herangezogen werden kann.
Yuki Tsunoda, der ab dem Japan-GP das Cockpit übernahm, konnte die Pace seines Vorgängers Sergio Pérez hingegen zu keinem Zeitpunkt mitgehen. Auch im Rennen blieb der Japaner deutlich hinter den Erwartungen zurück; eine Ausbeute von lediglich 33 WM-Zählern war die Folge. Das Resultat: Nach nur einer Saison an der Seite des Niederländers wurde Tsunoda zum Testfahrer degradiert.
Red Bull in der Krise: Ist der Weltmeister-Rennstall nur noch die sechste Kraft im Feld? Wir analysieren die Lage beim Verstappen-Team. Mehr im Video:



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