Den Namen "Finn Wiebelhaus" hatten die meisten DTM-Fans vor dem Saisonauftakt auf dem Red Bull Ring wohl nicht wirklich auf dem Schirm. Doch nach dem Sonntag ist der Ford-Rookie wohl einer der Fahrer, auf die man in diesem Jahr ein Auge haben sollte. Mit dem zweiten Startplatz beim Sonntagsrennen sorgte er für eine Sensation im Qualifying, im Rennen duellierte er sich mit erfahrenen Piloten und verdiente sich ihren Respekt. Trotzdem war das Rennen noch ein Lernprozess.

Anfängerfehler: Ford-Rookie wird beim Start durchgereicht

Wiebelhaus kam beim Start gut weg, platzierte sich aber in Kurve vier außen und wurde von den beiden Mercedes von Lucas Auer und Maro Engel überholt. "Ich hatte Pech mit der Positionierung. Jeder weiß, dass man dort nicht außen überholen kann", meinte der Deutsche nach dem Rennen bei ProSieben pragmatisch. Sein Teamchef Ulrich Fritz weiß, dass solche Fehler dazugehören: "Das ist Lehrgeld, das man mit einem Rookie in der DTM zahlt. Wenn man mit den ganzen Profis im Kreis fährt und die Gangart ist eine andere, als in der GT Masters. Ich finde, er hat das gut gemacht. Er hat sich aus allem rausgehalten und ist kein Risiko eingegangen."

Der amtierende GT-Masters-Champion gab nicht ohne Kampf auf und duellierte sich noch mehrere Kurven mit Auer, Berührungen inklusive, bevor er sich zurückfallen ließ. Nach dem Rennen war der Mercedes-Pilot beeindruckt vom erst 19-jährigen Deutschen. "Er hat unglaubliche Arbeit geleistet, besonders im Qualifying", meinte Auer. "Gegen ihn zu fahren, fühlte sich an, als würde man gegen einen erfahrenen Piloten kämpfen. Er wird eine tolle Karriere haben."

Reifen aufwärmen will gelernt sein

Nach den ersten Boxenstopps wurde Wiebelhaus weiter nach hinten durchgereicht. HRT holte ihn - wie auch das restliche Führungsquartett - erst spät zum Reifenwechsel. Innerhalb weniger Runden war er auf P8 zurückgefallen. "Wir tun uns noch ein bisschen schwer mit der Aufwärmrunde. Da hat er massiv verloren, vier Sekunden. Das ist halt zu viel", erklärte der HRT-Teamchef gegenüber Motorsport-Magazin.com. Das sei aber kein Problem beim Auto, sondern bei Wiebelhaus. "Er ist noch nie mit kalten Reifen direkt aus der Box gefahren. Da fehlt Finn noch die Erfahrung. Woher soll er das auch kennen? Das gehört zum Lernprozess."

Danach war der Ford Mustang GT3 Evo zu langsam, um wieder nach vorne zu kommen. "Mit zunehmender Renndauer hatten wir die Pace nicht mehr", meinte Fritz. "Die warmen Temperaturen sind uns nicht entgegengekommen." Beim Saisonauftakt gingen die Fahrer bei Sonnenschein und frühlingshaften 19 Grad ins zweite Saisonrennen.

Mit Platz acht nahm Wiebelhaus acht Punkte vom Rennen mit nach Hause, das ganze Wochenende brachte ihm insgesamt 15 Punkte und den sechsten Platz in der Tabellenwertung ein. Damit ist er der höchstplatzierte der vier Rookies. "Am Ende ging mit der Pace nicht mehr als P8. Wir haben Punkte mitgenommen und Top-10 ist nicht verkehrt fürs erste DTM-Wochenende. Wir versuchen, darauf aufzubauen", freute sich Wiebelhaus.