Maro Engel (Winward-Mercedes) hat das Sonntagsrennen beim DTM-Saisonauftakt am Red Bull Ring gewonnen. Zwar zählt der AMG-Veteran zu den besten GT3-Piloten der Welt, doch Siege in der deutschen Traditionsserie haben Seltenheitswert: Für Engel war es erst der dritte in der DTM seit seinem Debüt im Jahr 2008 und inzwischen mehr als 120 Rennen! Zuletzt stand Engel 2023 in Zandvoort auf dem obersten Treppchen.

Der 40-jährige Winward-Pilot hätte bereits das Samstagsrennen von der Pole Position gewinnen sollen, wenn ihn ein verpatzter Boxenstopp nicht auf den dritten Platz zurückgeworfen hätte. Am Sonntag hingegen klappten die beiden Pflicht-Reifenwechsel wie am Schnürchen bei Engel, der das Rennen vom fünften Startplatz in Angriff genommen hatte. Marco Wittmann (Schubert-BMW) sowie Lokalmatador Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) komplettierten das Podest auf den Plätzen zwei und drei.

DTM-Rennen in Spielberg: Vorentscheidung bei Boxenstopps

Engel hatte den Grundstein für den Sieg in der Startphase gelegt, als er von P5 zügig an Teamkollege Jules Gounon vorbeischnellte und wenig später auch noch Auer sowie den von Platz zwei gestarteten Finn Wiebelhaus (HRT-Ford, Platz 8 im Rennen) kassierte. Die Vorentscheidung fiel während der ersten Boxenstopp-Phase: Engel kam nach seinem Reifenwechsel in Runde 13 per Undercut vorbei an Pole-Setter Kelvin van der Linde (Schubert-BMW), der in der Schlussphase bis auf den sechsten Platz durchgereicht wurde. "Wir haben manche Sachen heute nicht richtig gemacht und am Ende dafür bezahlt", sagte DTM-Rückkehrer Kelvin van der Linde enttäuscht.

Engel konnte sich nach dem zweiten Boxenstopp-Reigen souverän mit einigen Sekunden Vorsprung vom Rest des Feldes absetzen, während es dahinter spannend weiterging. Dem Zweitplatzierten Wittmann, ebenfalls ein Gewinner der ersten Boxenstopps dank eines sehr frühen Reifenwechsels, gelang unterdessen die Aufholjagd des Rennens: Der Schubert-BMW-Star kämpfte sich von Startplatz neun durchs Feld.

Doppel-Podium für Auer beim DTM-Heimspiel

Dahinter brachte der amtierende DTM-Vizemeister Auer seine Startposition ins Ziel und fuhr vor heimischer Kulisse zum zweiten Mal aufs Podium. Der Österreicher verteidigte sich in den Schlussminuten souverän gegen Mercedes-Markenkollege Jules Gounon, der nach seinem bitteren Ausfall am Samstag zumindest gute Punkte mitnahm. Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin), van der Linde, Ben Dörr (Dörr-McLaren) und DTM-Rookie Wiebelhaus komplettierten die Top-8.

Nicht zu holen gab es für Samstags-Sieger Thomas Preining (Manthey-Porsche): Der Ex-Champion landete nach einem schwierigen Qualifying (P14) nur auf Platz 13. Sein neuer Teamkollege Ricardo Feller ging als Zwölfter ebenfalls fast leer aus. Die vier Lamborghini Temerario GT3 von GRT und Abt Sportsline kassierten eine weitere Klatsche: Bestplatzierter Lambo-Fahrer war Mirko Bortolotti auf Platz 16.

Das zweite Rennwochenende der DTM-Saison 2026 findet vom 22. bis 24. Mai im niederländischen Zandvoort statt.

DTM Red Bull Ring: So lief das Rennen am Sonntag

Der Start: Hinter Pole-Setter Kelvin van der Linde hielt sich der Zweitplatzierte Finn Wiebelhaus für eine Weile wacker auf seiner Position, bis er den Berg runter vom Mercedes-Duo Maro Engel (von P5) und Lucas Auer (von P3) auf der Innenseite kassiert wurde. Wiebelhaus beendete die erste Runde als Vierter. Verlierer der Startphase war Jules Gounon in der Mercedes-Mamba: Der Franzose konnte seinen AMG-Kollegen von P4 nicht folgen und fiel hinter Nicki Thiim auf den sechsten Platz zurück. Zu den Gewinnern zählte HRT-Pilot Arjun Maini, der von P15 fünf Positionen gutmachte.

Die erste Rennhälfte: In Runde 4 verlor Aston-Martin-Pilot Nicolas Baert das Auto ausgangs der ersten Kurve und pflügte durchs Kiesbett. Der Comtoyou-Pilot konnte die Fahrt am Ende des Feldes fortsetzen. Wenig später ordnete die Rennleitung einen Platztausch zwischen Gounon und Marco Wittmann wegen Abdrängens an, die den BMW-Fahrer auf P6 hinter Thiim beförderte. Ansonsten tat sich bis zur Öffnung des ersten von zwei Boxenstopp-Fenstern nicht allzu viel auf der Strecke.

In Runde 7 eröffneten Bastian Buus von P8 und der Zehntplatzierte Maini den Boxenstopp-Reigen. Auch Thomas Preining, Timo Glock, Tom Kalender, Luca Engstler und Maximilian Paul (langsamer Stopp in 11,9 Sekunden) aus dem hinteren Feld nutzten die frühestmögliche Gelegenheit zum Reifentausch. Im 8. Umlauf folgten Bortolotti, Cairoli, Gounon, Vermeulen und Baert. Unterdessen übte Engel gehörig Druck auf Spitzenreiter van der Linde aus, kam aber nicht entscheidend heran.

Die nächsten Stopper in Runde 9: Wittmann, Feller und Mapelli, wobei Abt-Lamborghini auch beim Italiener zu lange für den Reifenwechsel brauchte. In Runde 11 kam der erste Fahrer aus der Spitzengruppe rein: Nicki Thiim bog auf P5 liegend an die Comtoyou-Racing-Box ab, während die Top-4 weiter auf ihren Startreifen fuhren.

Spannung dann in Runde 13: Engel, Auer und Wiebelhaus kamen zeitgleich von den Plätzen zwei, drei und vier rein. Alle Reifenwechsel waren recht zügig, sodass sich zwischen dem Trio zunächst keine Änderungen im Tableau ergaben. Verfolger Wittmann profitierte parallel dazu von wärmeren Reifen und kassierte das Trio. Wiebelhaus fiel nach seiner Outlap sogar bis auf P8 zurück.

Schubert-BMW reagierte und holte Spitzenreiter van der Linde in Runde 14 rein. Bei der Boxenausfahrt stürmte Engel mit wärmeren Reifen heran und schaffte das Überholmanöver. Van der Linde musste dann auch noch Teamkollege Wittmann ziehen lassen.

Die Top-10 zur Rennmitte: 1. Engel, 2. Wittmann, 3. Van der Linde, 4. Auer, 5. Thiim, 6. Gounon, 7. Buus, 8. Wiebelhaus, 9. Dörr, 10. Maini

Der weitere Rennverlauf: Thiim und Gounon lieferten sich ein sehenswertes Duell um den fünften Platz, in dem der Aston-Fahrer die Nase vorne behielt. Direkt dahinter kassierte Wiebelhaus den Land-Porsche von Buus für P7.

In Runde 26 - 16 Minuten vor dem Rennende - öffnete sich das zweite Boxenstoppfenster mit einer Dauer von nur sechs Minuten. Sieben Fahrer aus dem Mittelfeld bogen umgehend ab. In Runde 27 folgten Spitzenreiter Engel und van der Linde von P3, während Wittmann auf der Strecke blieb. Beide Reifenwechsel gingen zügig vonstatten. In Runde 28 folgten dann Wittmann, Auer, Thiim und Gounon.

Die Verlierer dieser entscheidenden Phase waren van der Linde und Thiim, die je einen Platz einbüßten und auf P4 sowie P6 zurückfielen. Engel konnte sich mit rund drei Sekunden Abstand an der Spitze ein wenig Luft verschaffen, dahinter folgten Wittmann, Auer und van der Linde in engem Abstand. Tom Kalender musste seinen Landgraf-Mercedes in Runde 32 mit qualmendem Motor in der Teamgarage abstellen.