Einen Monat hat es gedauert, um aus einem prinzipiellen Einverständnis zu Anpassungen an den kontroversen 2026er-Motoren der Formel 1 auch tatsächlich ein tragbares Paket an Regeländerungen zu schnüren. Am Abend des 10. Juni bestätigt die FIA, dass sich die Beteiligten einig sind. In zwei Stufen wird der Verbrenner-Elektro-Split bis 2028 jetzt auf 60/40 zurückgefahren.
Eigentlich waren der Automobil-Weltverband FIA, das F1-Management sowie die Teams und Motorhersteller schon im Mai laut damaligen Aussagen der FIA zu "grundsätzlich vereinbarten Maßnahmen" gekommen, den Benzin-Durchfluss sofort zu erhöhen und den Elektromotor zu beschneiden, um die immens frustrierenden Energiemanagement-Probleme im Qualifying loszuwerden.
Zähe Verhandlungen für angepasste Formel-1-Regeln
Doch in den folgenden Wochen schaukelte sich diese vermeintliche Übereinkunft zu einem multidimensionalen Politikum auf. Technisch war es eigentlich schon viel zu spät für signifikante Änderungen, die größere Anpassungen der Verbrennungsmotoren und damit potenziell ein Aufbrechen der Homologation erzwungen hätten.
So etwas hätte obendrauf dann die Entwicklungs-Zugeständnisse (Additional Development and Upgrade Opportunities, ADUO) für Hersteller mit Rückstand von über 2 Prozent auf den besten Motor entwertet. Update-Zugeständnisse bringen nichts mehr, wenn auch die besten Hersteller vormals entwicklungsbeschränkte Bauteile dank einer Neu-Homologation ändern dürften. Und für 2026 müsste man etwaige Update-Pläne eigentlich einstampfen, weil ein Entwickeln nur für ein paar Rennen im Herbst eine Ressourcen-Verschwendung wäre.
Die Verhandlungen zogen sich über gut ein Monat hin, da Ferrari und Audi sich sperrten. Audi zeigte vor wenigen Tagen noch eine prinzipielle Ablehnung dagegen. Am Monaco-Wochenende kursierte schließlich die Idee, den Benzin-Durchfluss statt um 13 nur um 5 Prozent anzuheben. Wie Motorsport-Magazin.com bereits berichtete, wurden in Antizipation darauf schon Aero-Regeln angepasst.
Formel-1-Motoren in 2 Stufen angepasst: Das ändert sich 2027 und 2028
Der finale Kompromiss, auf den man sich jetzt geeinigt hat, ist ein über zwei Jahre verteiltes schrittweises Anheben. 2027 steigt der Benzin-Durchfluss um 5 Prozent, was den Verbrenner-Anteil auf 420 kW erhöht. Gleichzeitig wird die Maximal-Leistung der MGU-K von 350 auf 300 kW herabgesetzt, die maximale Ladeleistung auf 375 kW erhöht.
Das sollte kurzfristig die schlimmsten Probleme um Superclipping und dergleichen eindämmen, ohne gleichzeitig nach einem unmittelbaren großen technischen Umbruch zu verlangen. 5 Prozent mehr Benzin-Durchfluss sorgen zwar für kleine Probleme mit zu kleinen Tanks, aber das lässt sich gegebenenfalls durch Limitieren der Sichtungsrunden und Verkürzen der Renndistanz lösen.
| 2026 | 2027 | 2028 | |
|---|---|---|---|
| Verbrennungsmotor | |||
| Max. Leistung | 400 kW | 420 kW | 450 kW |
| Benzin-Durchfluss erhöht um | 5 % | 13 % | |
| MGU-K | |||
| Max. Leistung | 350 kW | 300 kW | 300 kW |
| Max. Leistung bei Overtake | 350 kW | 350 kW | 350 kW |
| Max. Aufladen | 350 kW | 375 kW | 400 kW |
| Split Verbrenner/Elektro | 53/47 | 58/42 | 60/40 |
Der große Schritt wird um ein Jahr auf 2028 hinausgezögert. Dort wird dann die Anhebung des Benzin-Durchflusses um 13 Prozent kommen. Die MGU-K bleibt bei 300 kW Leistung, die Ladeleistung wird noch einmal auf 400 kW erhöht. Die maximale Leistungsabgabe bei aktiviertem Overtake-Mode bleibt durchgehend bei den aktuellen 350 kW.
Formel 1 legt Traum vom 50/50-Hybrid-Motor zu den Akten
Um die kleineren Änderungen für 2027 und die großen Änderungen für 2028 mitzutragen, verspricht die FIA eine Reihe an Regel-Anpassungen im sportlichen, operativen und finanziellen Bereich. Bei Details hüllt man sich jedoch noch in Schweigen. Konkretes zu den Änderungen fehlt völlig, auch wenn der Deal tatsächlich durch und lediglich in der Abschlussphase sein soll. Beim nächsten Zusammentreffen des Motorsport-Weltrates am 23. Juni sollen alle Änderungen vorgelegt und abgesegnet werden.
Die Entscheidung ist der finale Sargnagel für den Traum von einem Formel-1-Hybridmotor mit 50 Prozent Verbrenner- und 50 Prozent Elektro-Anteil. Faktisch bewegten sich die 2026er-Motoren hier bei einem 53/47-Split. Die 2027er-Änderungen werden den geschätzt auf 58/52 verändern. Die 2028er-Änderungen dann auf 60/40.
Unter den Herstellern herrschte generell Verständnis dafür, dass die ersten Rennen der Saison 2026 zu große Probleme mit der 50/50-Idee bewiesen hatten. Letztendlich signalisierten alle Beteiligten, dass sie sich Regeländerungen fügen würden, sobald diese beschlossen wären. Damit sollte die Baustelle des aktuellen Motors endlich erledigt sein. Die nächste - das neue Reglement für die 2030er - wartet dafür schon.



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