Die Formel 1 streitet nach wie vor über Änderungen an den Motoren für 2027. Heimlich, still und leise wurden währenddessen schon Anpassungen am Chassis-Reglement beschlossen. In der Pressemitteilung der FIA nach dem Treffen der F1-Kommission war von "geringfügigen Änderungen an aerodynamischen Bauteilen und am Chassis" die Rede. Motorsport-Magazin.com hat nun erste Details in Erfahrung gebracht.
Ziel der Änderungen ist es vor allem, die Autos in den Kurven einzubremsen. Dadurch wird das Thema Energiemanagement unabhängig vom Motor etwas verbessert. Je länger die Autos in den Kurven sind, desto länger hat der Motor Zeit, die Batterie zu laden. Gleichzeitig muss für niedrigere Kurvengeschwindigkeiten auch stärker verzögert werden. Das gibt mehr Chancen, die Energie auf der Bremse zu rekuperieren.
Über Einschnitte bei der Aerodynamik wird der Abtrieb der Autos um rund fünf Prozent reduziert. Das geschieht vor allem über kleinere Anpassungen am Heckflügel. Auch am Unterboden wird das Reglement restriktiver, die Zahl der vertikalen Elemente an der Vorderkante des Unterbodens wird von fünf auf drei reduziert.
F1-Reglement: Aerodynamischen Einschnitte
Gleichzeitig sind sich die Beteiligten einig darüber, dass die aerodynamischen Einschnitte nicht reichen werden, um vor allem im Qualifying die Probleme beim Energiemanagement zu lösen. Deshalb wird noch immer an der Motorenformel gearbeitet.
Obwohl die FIA vor einigen Wochen schon eine grundsätzliche Einigung verkündet hatte, wird es aller Voraussicht nach anders kommen. Der Vorschlag, den Benzinfluss um 13 Prozent anzuheben, stößt auf immer weniger Gegenliebe bei den Herstellern. Die Zeit ist zu knapp, um die Zuverlässigkeit für entsprechende Motoren zu garantieren.
Das gefällt keinem Hersteller, auch wenn ihnen die eigentlichen Ziele gefallen. Dazu gibt es finanzielle Bedenken. Auf Motoren-Seite sollte es dafür acht Millionen extra zur Budgetobergrenze geben, auf Chassis-Seite zwei Millionen. Man fragt sich nun zunehmend, wofür das Geld ausgegeben werden soll.
F1-Motoren: Kompromiss gefunden?
Deshalb scheint es derzeit auf einen Minimal-Kompromiss hinauszulaufen. Experten meinen, dass der Benzinfluss um 5 Prozent erhöht werden könnte, ohne das Konzept des Motors zu ändern. Gleichzeitig, so meinen manche, würde der Schritt ausreichen, um das Superclipping auf den meisten Strecken auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.
Je nach Konkurrenzfähigkeit des Motorenherstellers, so die Befürworter des Kompromisses, würde dadurch auch schon die angestammte Aufteilung von 60 zu 40 zwischen Verbrenner- und Elektroleistung erreicht werden. Derzeit liegt das Verhältnis auch nicht wie oft kolportiert bei 50 zu 50. Die FIA kalkulierte von Anfang an mit 53 zu 47. Je nach Konkurrenzfähigkeit der Hersteller beim Verbrennungsmotor variiert dieser Wert.
Für 2027 scheint der Kompromiss nun für alle Hersteller tragbar zu sein. Die FIA hätte gerne mehr gehabt. Mittelfristig ist das weitere Aufdrehen des Benzinhahns aber durchaus noch ein Thema. Langfristig will FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem zurück zu V8-Saugmotoren, wie er erst kürzlich in einem Social-Media-Post wieder klarmachte.
Eine Einigung über die fünf Prozent gibt es aber nach wie vor nicht. Wohl auch, weil die ADUO-Auswertung der FIA noch nicht durch ist. Eigentlich wollte der Automobilweltverband schon in der vergangenen Woche die Hersteller über die Ergebnisse der ersten Beobachtungsperiode informieren. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ist das aber noch immer nicht passieret.
Erst am Monaco-Wochenende soll es die finalen Aussagen der FIA geben, welche Hersteller in welchem Ausmaß nachjustieren dürfen. Die Entwicklungs-Zugeständnisse betreffen auch Updates für 2027. Wenn es Änderungen an der Motorenformel in Form von höherem Benzinfluss gibt, stellt sich aber die Frage, inwiefern die Homologation nicht ohnehin hinfällig ist.
Immerhin auf Team-Seite gibt es keine großen Sorgen mehr. Eine Anhebung des maximalen Benzinflusses um lediglich fünf Prozent sorgt für minimale Probleme mit dem Tankinhalt. Diese Problematik lässt sich auf den wenigen betroffenen Strecken mit einer Limitierung der Sichtungsrunden und einer um wenige Runden verkürzten Renndistanz lösen.
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