Fabio Di Giannantonio war 2026 lange die Positiverscheinung schlechthin bei Ducati. Ausgerechnet das letzte Rennen vor der Sommerpause verpatzte der scheidende VR46-Pilot dann aber mit einer Entscheidung, die anschließend heiß diskutiert wurde. Er wechselte nach Platz drei im Sprint das Aero-Konzept am Heck seiner Maschine. War 'Diggia' zuvor mit der 2025er-Variante unterwegs, prangte dort in Warm Up und Grand Prix die 26er-Version - und prombt stürzte er in beiden Sessions. Viele Fans und Experten kritisierten ihn deshalb dafür, zu einem solch kritischen Zeitpunkt eine solch drastische Veränderung am Motorrad vorzunehmen. Tom Lüthi zeigt aber Verständnis.
MotoGP-Experte Tom Lüthi stärkt Fabio Di Giannantonio für Aero-Wechsel
"Der Zeitpunkt ist vielleicht ein bisschen fragwürdig. Auf der anderen Seite hat er dieses Paket, das er für den Sonntag gewählt hat, aber schon gekannt. Er wusste, auf was er sich einlässt", analysiert der 125cc-Weltmeister von 2005 in der neusten Ausgabe unseres Interwetten MotoGP-Magazins. Ansehen könnt ihr euch diese hier:
Was Lüthi damit sagen will? Di Giannantonio fuhr am Sonntag am Sachsenring nicht zum ersten Mal mit der 2026er-Heck-Aero von Ducati. Vielmehr hatte er diese auch schon in einzelnen Trainingssessions an vorangegangenen Rennwochenenden verwendet und ausgetestet. Er betrat also kein Neuland. Zudem erinnert Lüthi: "Wir wissen auch nicht hundertprozentig, ob die Stürze, die er hatte, mit dieser Aerodynamik zu tun haben oder ob es einfach andere Faktoren waren, die dann zu diesem Unglück geführt haben."
Di Giannantonio selbst konnte sich die Abflüge am Sonntagnachmittag nicht erklären, sah aber keinen direkten Zusammenhang mit der neuen Aero. Einen Vorwurf machte er sich deshalb nicht. Und doch sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, warum er überhaupt von Samstag auf Sonntag das Konzept wechselte, wenn ihn die 2025er-Variante im Sprint noch auf Platz drei ins Ziel gebracht hatte, keine Sekunde hinter Sieger Marc Marquez?


MotoGP-Experte Tom Lüthi mahnt: Stillstand bedeutet Rückschritt!
"Wenn man stehen bleibt, nicht mehr weiter abstimmt und nicht mehr weiterentwickelt am Motorrad, dann ist das wie ein Rückschritt. Stillstand ist Rückschritt", erklärt Lüthi. "Alle Fahrer müssen immer weiter arbeiten, auch wenn gerade vielleicht alles läuft und einigermaßen passt." Di Giannantonio habe mit dem Aero-Wechsel schlicht "das letzte Detail" finden wollen, um im Deutschland-GP noch besser als Rang drei abschneiden zu können, im Idealfall sogar zu gewinnen und damit 'Big Points' im WM-Kampf zu ergattern. "Man kann ihm da keinen Vorwurf machen, dass er sich weiterentwickeln will, dass er weiter abstimmt und versucht, das perfekte Motorrad hinzubekommen", meint Lüthi. Nur das sei in diesem Fall halt "leider schiefgegangen".
Beim nächsten Grand Prix in Silverstone wird es für Di Giannantonio nun darum gehen, schnellstmöglich wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Denn wie schnell aus einem Formhoch auch ein Formtief werden kann, zeigt dieser Tage Jorge Martin. Der Spanier darf sich inzwischen zwar wieder WM-Leader nennen, war von seiner starken Verfassung aus den ersten Grands Prix des Jahres zuletzt aber weit entfernt. Nach dem Doppelsieg in Le Mans gab es in zwölf Rennen nur noch drei weitere Podiumsplatzierungen. "Wir sind sehr weit weg von den Besten", mahnte er deshalb nach dem Deutschland-GP und begründete den Formverlust mit diversen Setup-Anpassungen, die ihren Sinn offenbar verfehlt haben.
Hier stellt sich also die Frage, warum der 'Martinator' nicht einfach zu jenem Paket zurückkehrt, mit dem er in Brasilien, Austin oder Le Mans so stark war? "Das wäre zu einfach, so funktioniert das nicht", entgegnet Lüthi. Denn es gebe keine Garantie dafür, dass eine bestimmte Abstimmung des Motorrads überall funktioniert. Das 'perfekte Setup' existiere nicht. "Es kommen andere Rennstrecken, andere Layouts. Auch äußere Bedingungen und Temperaturen, die anders sind", erinnert unser MotoGP-Experte, "und dann funktioniert diese Basis plötzlich nicht mehr, die beim Test vielleicht noch funktioniert hat."

Stetige Weiterentwicklung sei deshalb das A und O: "Man muss stetig dranbleiben, sich immer weiterentwickeln. Man kann nicht einfach zurückgehen, wieder dort anfangen und dann die andere Richtung einschlagen. Es ist nicht so, dass man da einfach mal schnell was umschrauben kann und schon funktioniert wieder alles. Das ist auch eine Vertrauenssache. Das spielt eine ganz, ganz große Rolle. Der Fahrer muss natürlich volles Vertrauen haben in das Motorrad", so Lüthi. Und bis dieses Grundvertrauen wieder aufgebaut ist, kann es nun mal dauern - speziell nach solchen Negativerlebnissen, wie sie Di Giannantonio oder Martin zuletzt hatten. Es bleibe ihnen daher nichts anderes übrig, als weiter am Setup ihrer Maschinen zu schrauben. Denn nur so kann aus Stillstand bzw. Rückschritt wieder Fortschritt werden.
Was meint ihr: Melden sich Jorge Martin und Fabio Di Giannantonio in Silverstone (7. bis 9. August) wieder in verbesserter Form aus der Sommerpause zurück? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!
Wie die MotoGP-Piloten den Ausgang der Weltmeisterschaft 2026 zur Halbzeitpause prognostizieren, erfahrt ihr unterdessen in diesem Artikel:



diese MotoGP Nachricht