"Wenn ihr mir das im Januar gesagt hättet, dann hätte ich sofort unterschrieben", sagt Jorge Martin zur Halbzeitführung in der MotoGP-Fahrerwertung 2026. Was sich nach einem glücklichen Abschied in die Sommerpause anhört, war es aber bei weitem nicht. Das Rennen am Sachsenring brachte nur die Erkenntnis, dass die WM-Führung bald wieder Geschichte sein wird, wenn es so weitergeht.
Jorge Martin holt das Maximum raus, und ist weit weg von der MotoGP-Spitze
"Es war sicherlich ein solides Wochenende. Ich kam ins Ziel und habe das Maximum an möglichen Punkten geholt. Aber wir sind sehr weit weg von den Besten und auch von den anderen Aprilias", mahnte der 'Martinator' nach Rang fünf im Deutschland Grand Prix. Das waren ordentliche Punkte, aber die Zeitnahme gab ihm recht. Auf Sieger Marc Marquez fehlten über elf Sekunden, auf die beste Aprilia von Ai Ogura waren es deren neun. Mehr zum Sachenringkönig Marquez gibt es hier:
Teamkollege Marco Bezzecchi war nach Schlüsselbeinbruch nicht am Start und wurde am Sonntag operiert, aber auch der Vergleich mit den beiden Trackhouse-Piloten auf dem Podium verursachte Kopfschmerzen: "Auf einer Seite ist das gut, weil es zeigt, dass dieses Motorrad gut funktioniert. Aber das heißt auch, dass wir etwas nicht verstehen. Das muss uns nun in der Sommerpause gelingen, damit wir die zweite Saisonhälfte stärker starten."
Jorge Martin bricht am Sachsenring ein: WM-Führung vielleicht nur dank Fehler der anderen?
Demensprechend wird im Hause Martin auch keine große Partystimmung in den vier Wochen bis Silverstone (7. bis 9. August) herrschen: "Natürlich ist uns eine großartige erste Saisonhälfte gelungen und ich freue mich, dass wir die Meisterschaft anführen. Das ist immer schön, aber jetzt fühlt es sich so an, als wäre das bald nur eine Anekdote, denn es fehlt uns einfach der Speed. Im Moment führen wir, aber wenn ich weiter solche Rennen wie hier fahre, dann wird das nicht lange anhalten." Und er fügte auch noch hinzu: "Vielleicht führe ich auch eher dank der Fehler der anderen als durch meine eigenen Resultate."

Überzeugung hört sich wahrlich anders an. Jorge Martin ist derzeit wohl der pessimistischste WM-Führende, seit Fabio Quartararo im Jahr 2022 die zunehmende Ducati-Übermacht heranstürmen sah. Besonders das Gefühl und der Grip an der Front, eigentlich die Stärke Aprilias, fehlt dem MotoGP-Weltmeister von 2024. In Folge muss er dann das Heck zu sehr verwenden. Das spürte er am Sachsenring: "Ich glaube in den ersten zwölf Runden war ich noch recht konkurrenzfähig, aber dann hatte ich einen großen Reifenabbau und die anderen gewannen viel Zeit auf mich."
Jorge Martins Widerspruch: Zu viele Setup-Experimente, aber Änderungen nötig
Letztlich hielt er sich noch knapp vor einem ebenfalls schwächelnden Francesco Bagnaia. Das ist aber natürlich nicht der Anspruch. Doch was ist die Lösung? Die Aprilia kann offensichtlich mehr und vielleicht hat sich Martin dieses Potential selbst im Setup verbastelt. So lautet zumindest seine Vermutung: "Wir sind ziemlich weit weggegangen von dem Bike, das wir noch in Austin, Brasilien oder Le Mans genutzt haben. Die anderen [Aprilia-Fahrer] sind da stabiler. Sie bleiben bei dem, was sie haben und fahren einfach. Ich sitze in der Box und versuche immer, das Motorrad an die jeweilige Strecke anzupassen. Vielleicht ist das nicht der richtige Weg mit der Aprilia."
Einen anderen Grund als die Technik schließt der 'Martinator' aber aus. Körperliche Fitness und mentale Rückschläge hätten zumindest für den Rückstand am Sachsenring keine Rolle gespielt: "Nach Ungarn [als er den großen Startcrash verursachte, Anm. d. Red.] hatte ich Rückenschmerzen und verlor vielleicht ein wenig das Vertrauen. Aber heute ging es nicht um Vertrauen. Wir müssen das Limit wieder verschieben. Es mangelte mir nicht an Vertrauen, sondern ich verliere einfach die Front. Daran müssen wir arbeiten."

Für echte Chancen im WM-Kampf muss sich Jorge Martin also aus einem Widerspruch hinausmanövrieren. Er und seine Ingenieure sollen eine Lösung für seine Probleme erarbeiten, während jedoch zu viele Veränderungen die Probleme erst verstärkt haben könnten. Die Quadratur des Setup-Kreises also. Immerhin ist eines in den nächsten vier Wochen der Analyse gesichert: Die WM-Führung bleibt erstmal bei Jorge Martin.
Martin vermutete hinter seiner Spitzenposition in der Fahrerwertung auch die Fehler der Konkurrenz. Am Sachsenring waren es Fabio Di Giannantonio und Alex Marquez , die mögliche Podestplätze wegwarfen:



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