Berühmte letzte Worte des siegreichen Rennfahrers direkt nach dem Zieleinlauf: "Ich muss pinkeln wie ein Pferd!" Während es dafür im Motorsport eine unausgesprochene Lösung gibt, plagten BMW-Fahrer Dries Vanthoor beim 6-Stunden-Rennen der WEC in Sao Paulo noch ganz andere Probleme. Der Belgier litt auf seinem Weg zum Sieg neben einer vollen Blase offenbar auch an einer Magenverstimmung der unangenehmeren Art.
70 Minuten vor dem Rennende meldete Vanthoor erstmals am Teamfunk, dass er sich nicht wohlfühle, ohne auf Details einzugehen. Ein Problem bei ihm selbst oder am BMW M Hybrid mit der Startnummer #15 (Vanthoor/Magnussen/Marciello), der zu diesem Zeitpunkt um die Führung kämpfte und beste Aussichten auf den Sieg hatte?
Dries Vanthoor: "Habe mich noch nie so schlecht gefühlt"
Während das Auto hielt, galt das wohl nicht so ganz für Vanthoors Magen. Der 28-Jährige kämpfte sich zwar tapfer durch seinen 1:45-stündigen Stint und überquerte die Ziellinie mit 2 Sekunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten #51 Ferrari, dürfte aber froh gewesen, danach das Auto verlassen zu können. "Ich habe mich beim Rennfahren noch nie so schlecht gefühlt. Mein Gott, Jesus!", funkte Vanthoor an seinen Renningenieur.
"Ich habe bisher noch nie eine Situation erlebt wie am Anfang meines Stints", führte er später aus. "Ich bin einfach eingestiegen und habe mich überhaupt nicht wohl gefühlt. Mir ging es nicht besonders gut und ja, ich musste tief durchatmen, um irgendwie bis zum Ende durchzuhalten." Er habe sich etwas schwindelig gefühlt und Magenprobleme gehabt, beschrieb der WEC-Debütsieger seine Probleme im Cockpit.
Da half das anspruchsvolle Streckenlayout in Interlagos mit vielen mittelschnellen Kurven und Höhenunterschieden sicherlich nicht, um im Cockpit einmal durchatmen und den Magen beruhigen zu können. Immerhin kamen Vanthoor die Witterungsverhältnisse etwas entgegen: In der Schlussphase des Rennens gegen späten Nachmittag kühlte es in Sao Paulo auf bis zu 18 Grad herunter, nachdem das Thermometer an den Vortagen bis zu 27 Grad erreichte.

Erster WEC-Sieg für Magnussen und Co.
So hielt Vanthoor trotz der körperlichen Misere tapfer durch, um den verdienten Lohn zu ernten: Für ihn sowie seine Teamkollegen Kevin Magnussen und Raffaele Marciello war es der erste Sieg in der WEC. Qualifying-Rakete Vanthoor hatte den vierten Startplatz herausgefahren, von dem aus Startfahrer Magnussen schnell zwei Positionen gewann und zudem von verpatzten Boxenstopps des pfeilschnellen Cadillac-Duos profitierte.
Marciello hielt den #15 BMW im Mittelstint durchweg in der Führungsgruppe und hatte lange Zeit nur den #35 Alpine vor der Nase, der sich dank einer Off-Set-Strategie in Stellung für ein potenziell starkes Finish gebracht hatte. Nach einem zusätzlichen Boxenstopp in Folge eines schleichenden Plattfußes war der Weg dann aber endgültig frei für Schlussmann Vanthoor, dem der #51 Ferrari trotz des knappen Abstandes nicht gefährlich werden konnte.
Marciello: "Vor drei Jahren haben wir ganz unten angefangen"
Vanthoor war natürlich "superglücklich" und bedankte sich bei BMW und dem Einsatzteam WRT, für das er seit vielen Jahren an den Start geht: "Die Strategie war fantastisch und das Auto war während des Rennens phänomenal. Es hat lange gedauert, wir haben wirklich hart gearbeitet, und das jetzt zu erreichen, ist einfach so, so schön."
Für die #15 Crew war es der erste Sieg in der Langstrecken-WM, für BMW bereits der zweite in der laufenden Saison. Zuvor in Spa-Francorchamps hatte das Schwesterauto um Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns den Knoten platzen lassen. Der #15 BMW musste sich beim Doppelsieg in Belgien mit dem zweiten Platz begnügen und wurde obendrein dazu abgestellt, das Schwesterauto abzuschirmen. Dadurch hatte der zweite Platz zumindest für Vanthoor und Co. einen leichten Beigeschmack.
"Vor drei Jahren haben wir ganz unten angefangen, und nun läuft es in diesem Jahr für uns mit der Startnummer 15, für die Startnummer 20 und für BMW M Motorsport sehr gut. Deshalb können wir sehr zufrieden sein", sagte Marciello nach dem Debütsieg in Brasilien. Der Schwester-BMW lief als Sechster im Ziel ein, kassierte aber eine nachträgliche Zeitstrafe und fiel zurück. Alle Infos dazu lest ihr in diesem Artikel:



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