Im Samba-Takt über die Rüttelpiste: Obwohl das Autódromo Jóse Carlos Pace in São Paulo zu einem Großteil völlig neu asphaltiert wurde, verdient sich die Strecke ihren Beinamen "Waschbrett-Kurs" nach wie vor. Auf dem welligen Belag der 4,309 Kilometer langen Strecke werden die Hypercars und ihre Fahrer kräftig durchgeschüttelt.

Die 6 Stunden von São Paulo wurden zum ersten Mal 2012 ausgetragen. Nach drei Jahren wurde der Stopp in Brasilien aus dem WEC-Kalender genommen, da das Paddock-Gebäude in Interlagos renoviert wurde und kein geeigneter Ersatztermin gefunden werden konnte. Das Autódromo Jóse Carlos Pace hätte seine geplante Rückkehr in die WEC 2020 geben sollen, doch weil die Event-Veranstalter vertragliche Vereinbarungen nicht einhalten konnten, wurde das 6-Stunden-Rennen abgesagt und mit einem Stopp auf dem Circuit of the Americas in Austin ersetzt. Seit 2024 gastiert die WEC wieder in Brasilien, der Vertrag mit der Rennstrecke geht bis 2028.
Das Layout des Autódromo Jóse Carlos Pace

Der im Stadtteil Interlagos (portugiesisch für "zwischen den Seen") gelegene Kurs hat 15 Kurven und wird gegen den Uhrzeigersinn befahren. Wie viele Rennstrecken, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, zeichnet sich der Autódromo Jóse Carlos Pace durch überhöhte Kurven aus. Von der Start-Ziellinie aus geht es in eine Bergab-Linkskurve, sofort gefolgt von einer Rechtskehre. In Ehren des legendären Formel-1-Weltmeisters und der brasilianischen Ikone Ayrton Senna wird diese Passage "Senna-S" genannt.

Vom Senna-S geht es in die ovale Curva do Sol ("Kurve der Sonne") und auf die "Reta Oposta" – die Gegengerade. Hier können Fahrer auf der längsten, aber nicht schnellsten Geraden der Strecke ein Überholmanöver probieren. Kurve vier und fünf, die Discida do Lago ("Abstieg des Sees"), sind zwei Bergab-Linkshänder, die nach einer kurzen Bergauf-Geraden in den Kart-ähnlichen Teil des Autódromo führen. Nach der langgezogenen Laranjinha ("kleine Orange") verlangsamen die Fahrer für die schnellen Richtungswechsel in Pinheirinho ("kleine Tanne") nur leicht.
Auf Kurve 9 folgt die langsamste Stelle der Strecke: Bico de Pato, "der Entenschnabel". Danach heißt es Gas geben, denn in der gezogenen Abwärtskurve Mergulho ("Tauchgang") kann wieder beschleunigt werden. Mit viel Speed schleudern sich die Fahrer in Kurve 12 den Berg hinauf.
Nach einem Linksknick fängt die längste Highspeed-Passage des Autódromo an, in der die Fahrer mit einer Steigung von 10 Prozent zu kämpfen haben. Die Linkskurven vierzehn und fünfzehn können in Hypercars mit Vollgas durchfahren werden. Mit viel Geschwindigkeit rasen die Piloten auf der Reta de Largada ("Start-Gerade") über die Ziellinie. Ausbremsmanöver vor der ersten Kurve sind eine beliebte Überholtaktik in Interlagos.


