Doppel-Pole in Le Mans, Doppel-Pole in Sao Paulo: Cadillac ist in der WEC auf einer schnellen Runde das neue Maß aller Dinge! Der US-Autobauer sicherte sich im Qualifying die Plätze eins und zwei. Alex Lynn flog mit dem #12 Cadillac V-Series.R (Stevens, Lynn, Nato) zu seiner zweiten Pole Position in Folge.
Der Brite war in der knackigen Hyperpole-Session exakt eine Zehntelsekunde schneller als Markenkollege Sebastien Bourdais im 'Triple-B'-Schwesterauto mit der Startnummer #38 (Button, Bourdais, Bamber). Ärgerlich aber: Weil Bourdais einen Peugeot behindert hatte, setzte es nach dem Qualifying eine 1-Platz-Gridstrafe - damit doch keine reine erste Startreihe für Cadillac.
Auf einer Runde ist der Cadillac mit seinem mächtigen V8-Saugmotor nicht aufzuhalten - in den Rennen besteht für das Kundenteam Jota um Teamchef Dieter Gass allerdings noch Aufholbedarf. Klappt es am Sonntag (Rennstart um 16:30 Uhr MEZ) auf dem Formel-1-Kurs in Interlagos?
WEC in Sao Paulo: Cadillac in eigener Liga
Lynn brauchte 1:22.570 Minuten für seine beste Runde auf der kürzesten Strecke im WEC-Rennkalender - die schnellste Rundenzeit des bisherigen Wochenendes. "Es ist speziell, den Cadillac auf einer schnellen Runde zu fahren", strahlte Pole-Setter Lynn. Teamkollege Will Stevens ergänzte: "Die Track Position ist hier ganz wichtig, wir haben also eine gute Ausgangslage."
Dass die Cadillac in ihrer eigenen Liga fuhren, zeigt ein Blick auf die Abstände in der Zeitenliste: Der Drittplatzierte Julien Andlauer im #5 Porsche (Christensen, Andlauer) hatte einen Respekt-Rückstand von 0,264 Sekunden. Wegen der Grid-Strafe für den Cadillac rücken Andlauer und sein Porsche-Teamkollege Michael Christensen auf den zweiten Startplatz nach vorne.

Peugeot sorgt für Qualifying-Überraschung
Überraschend stark und wohl nicht zuletzt der Balance of Performance geschuldet (siehe weiter unten im Artikel): Peugeot errang die Plätze vier und sechs und damit sein bestes Saisonresultat. WEC-Rookie Malthe Jakobsen führte den #94 9X8 in seinem ersten Qualifying zu P4 und setzte sich im Peugeot-internen Duell gegen den erfahrenen Ex-Formel-1-Fahrer und DTM-Champion Paul Di Resta durch. Zwischen die beiden Hypercars aus Frankreich drängelte sich Sheldon van der Linde im #20 BMW auf Platz fünf.
WEC-Weltmeister Kevin Estre landete mit dem #6 Porsche passend zur Startnummer auf dem sechsten Platz, dahinter reihten sich Dries Vanthoor im #15 BMW, der amtierende Le-Mans-Sieger Robert Kubica mit seinem gelben AF-Corse-Ferrari und Ryo Hirakawa im #8 Toyota ein. Der #7 Toyota kassierte hingegen eine echte Klatsche: Kamui Kobayashi landete mit 1,3 Sekunden Rückstand auf dem 18. und damit letzten Startplatz!
Debakel für Ferrari-Werksteam und Schumacher-Alpine
Nicht nur bei Vorjahressieger Toyota lief es unrund: Ein echtes Debakel erlebte das Ferrari-Werksteam nach zuvor drei Pole Positions in der laufenden Saison: Der #50 499P mit Qualifying-Rakete Antonio Fuoco landete nur auf Platz 14, das #51 Schwesterauto mit Antonio Giovinazzi gar auf P17! Es war die mit Abstand schwächste Quali-Leistung der Italiener in der laufenden Saison. Im zwölfminütigen Qualifying 1 fehlten beiden Autos mehr als neun Zehntelsekunden zur Spitze.
"Mit den Änderungen, die man für das Rennen vorgenommen hat, war das zu erwarten", spielte Werksfahrer Nicklas Nielsen auf die Ferrari einbremsende Balance of Performance an. "Um zu gewinnen, bräuchten wir ein Wunder. Es wird schwierig für uns, andere Autos auf der Strecke zu überholen."
Ähnlich erging es dem Alpine-Team, das wie Ferrari einen BoP-Dämpfer vor Sao Paulo hinnehmen musste. Der etatmäßige Qualifying-Pilot Mick Schumacher kam mit dem #36 Alpine A424 nicht über den 15. Startplatz hinaus, das Schwesterauto in den Händen von Paul-Loup Chatin landete dahinter auf P16. Die beiden blauen LMDh-Boliden trennten vier Hundertstelsekunden.
"Das war ein harter Tag", sagte Schumacher. "Wir hatten auf etwas mehr gehofft, aber keine einfache Zeit im Auto erwartet. So war es dann auch. Meine Runde war nicht überwältigend, ich habe das Auto ein wenig überfahren. Wir hatten das Potenzial für die Hyperpole-Session. Das ist gut zu wissen, aber gelungen ist uns der Einzug nicht."
LMGT3-Klasse: Barrichello Junior erobert erste WEC-Pole
Einen besseren Ort als Interlagos hätte sich Lokalmatador Eduardo Barrichello für seine erste Pole Position in der WEC nicht aussuchen können. Der Sohn des früheren Formel-1-Fahrers Rubens Barrichello setzte sich im LMGT3-Qualifying gegen seine 17 Konkurrenten durch. Barrichello Junior, der für das Aston-Martin-Kundenteam Racing Spirit of Leman startet, griff in der Hyperpole-Session ins Steuer und schaffte eine 1:33.849. Dem 23-Jährigen gelang es sogar, seine Bestzeit noch einmal zu verbessern.
Barrichello hatte nur 0,024 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Clemens Schmid im #87 Lexus RCF GT3 von Akkodis (Lopez, Schmid, Umbrarescu). Der frühere DTM-Fahrer aus Österreich gewann gleichzeitig das Lexus-interne Teamduell gegen das deutsche Nachwuchstalent Finn Gehrsitz im #78 Lexus (Gehrsitz, Nakayama, Robin). Der 20-Jährige aus Stuttgart war eine Zehntelsekunde langsamer als Schmid im Schwesterauto, dürfte sich über Startplatz drei aber nicht beschweren. Gehrsitz verpasste seine zweite WEC-Pole nach Spa.

Für eine Überraschung sorgte der 18-jährige Niederländer Lin Hodenius, der den #61 Mercedes-AMG GT3 von Iron Lynx auf den vierten Startplatz führte - das beste Quali-Ergebnis für die Affalterbacher und ihr neues Kundenteam aus Italien. Die ehemalige DTM-Pilotin Rahel Frey errang mit dem pink-weißen Damen-Porsche (Martin, Frey, Gatting) von Manthey den siebten Startplatz. Teamkollegin Michelle Gatting kann nach ihrem Boxen-Unfall in Le Mans inzwischen wieder ins Geschehen eingreifen.
Der zweite Manthey-Porsche mit den Meisterschaftsführenden und Le-Mans-Klassensiegern Richard Lietz, Ryan Hardwick sowie Ricardo Pera verpasste hingegen die Hyperpole: Startplatz 13. "Nach dem Sieg in Le Mans und wegen der Tabellenführung haben wir viel Erfolgsballast an Bord", sagte Hardwick. "Das tut vor allem hier in Interlagos richtig weh."
Die beiden BMW M4 GT3 Evo von WRT schafften es nicht in die Hyperpole-Session: Die #46 um Superstar Valentino Rossi und Kelvin van der Linde landete auf P14, das Schwesterauto im Brasilien-Design mit Lokalmatador Augusto Farfus nur auf Startplatz 18.



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