BMW feierte anno 1999 mit dem ikonischen V12 LMR seinen ersten und einzigen Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Folgt in Bälde - schlappe 27 Jahre später - der nächste Triumph beim Langstrecken-Klassiker und dem absoluten Highlight im WEC-Rennkalender?

Zwar gilt Ferrari nach drei aufeinanderfolgenden Siegen mit seinen LMH-Hypercars erneut als großer Favorit, aber die LMDh-Konkurrenz aus München kann jetzt ebenfalls etwas in den Ring werfen: BMW reist als WM-Spitzenreiter in der Hersteller- und Fahrer-Wertung nach Le Mans (13.-14. Juni 2026)! Der erste WEC-Sieg vor wenigen Wochen in Spa-Francorchamps hat die Bayern erstmals an die Tabellenspitze katapultiert und der Mannschaft ordentlich Rückenwind verliehen.

Irrer WEC-Krimi in Spa! Rene Rast erklärt die BMW-Sensation (16:49 Min.)

Le Mans: Haben schon alle ihre Karten auf den Tisch gelegt?

Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns ließen BMW auch dank eines taktisch herausgefahrenen Sieges in Belgien zum ersten Mal im dritten Jahr der WEC-Zugehörigkeit jubeln. Es wurde sogar ein Doppelsieg mit dem schnellen Schwester-BMW M Hybrid V8 auf Platz zwei (Kevin Magnussen/Raffaele Marciello/Dries Vanthoor).

Sicher, nach erst zwei absolvierten Rennen in der WEC-Saison 2026 - Imola und Spa nach der kriegsbedingten Absage des Katar-Auftakts - darf man die Tabellensituation nicht überbewerten. Und, wie Rast gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte: "Le Mans ist natürlich noch einmal ein ganz anderes Rennen, das weiß jeder. Ich glaube, dort werden alle ihre Karten auf den Tisch legen. Ich bin mir nicht sicher, ob das bisher schon passiert ist - wir werden sehen."

Zum Hintergrund: Immer wieder wurde einzelnen Herstellern in der Vergangenheit unterstellt, in den WEC-Rennen vor Le Mans absichtlich langsamer zu fahren, um für den 24h-Klassiker eine gute Einstufung zu erhalten. Die BoP-Tabellen sind seit diesem Jahr nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Ebenso ist unklar, auf welchen Faktoren die BoP für Le Mans basieren wird. Zumindest zuletzt in Spa gab es Lob von den meisten Seiten für die ausgeglichene Balance of Performance.

BMW-Boss: "Wir haben volles Vertrauen in die Einstufung"

"Wir haben volles Vertrauen in die Einstufung durch die Regelhüter, damit am Ende Chancengleichheit herrscht", sagte BMW-Motorsportchef Andreas Roos nach dem Spa-Coup seiner Mannschaft bzw. des WRT-Werksteams. "Man konnte deutlich sehen, wie eng das gesamte Feld inzwischen zusammengerückt ist. Es war schön zu sehen, wie viele unterschiedliche Autos letztlich um ein sehr gutes Ergebnis kämpfen konnten."

Spa gilt traditionell als Generalprobe für Le Mans. Nicht nur, weil es im WEC-Kalender das letzte Rennen vor dem 24h-Klassiker bildet, sondern vor allem, weil sich die Charakteristiken beider Highspeed-Strecken in Teilen ähneln. "Spa gilt generell als Generalprobe, aber deshalb erwartet uns noch lange kein Spaziergang in Le Mans", sagte Roos. "Ganz im Gegenteil. Le Mans ist eines der schwierigsten Rennen der Welt und dauert viermal so lange wie Spa."

Erfolg in Le Mans gegen die Kritiker?

Der BMW-Chef mahnte trotz des jüngsten Erfolges zur Vorsicht und verwies auf den knallharten Wettbewerb der acht Marken im Hypercar-Feld. "Aber natürlich hilft es immer, mit einem Doppelsieg aus dem Rennen vor Le Mans anzureisen", merkte Roos an. "Das zeigt auch, dass wir bei der Entwicklung des Evo-Autos einiges richtig gemacht haben - insbesondere im Hinblick auf Rennpace und Konstanz."

Ein Podestplatz beim berühmtesten Autorennen der Welt könnte BMW helfen, die Kritiker des Prototypen-Projekts ruhigzustellen. Seit dem IMSA-Einstieg 2023 und dem WEC-Debüt 2024 war das Werksengagement von überschaubarem Erfolg geprägt: drei Siege in der US-Meisterschaft in über drei Jahren und jetzt der erste WEC-Sieg im 18. Anlauf.

BMW mit Selbstvertrauen zu den 24h Le Mans

Schon im vergangenen Jahr zählte BMW nach hoffnungsvollen WEC-Leistungen zu den Podestkandidaten in Le Mans. Der #15 M Hybrid V8 (Magnussen, Marciello, Vanthoor) fiel aber zwei Stunden vor Schluss wegen eines Problems mit der Kühlung aus dem Kampf um Platz fünf heraus. Und das Schwesterauto um Rast erlitt wenig später ein Motorenproblem, womit beide Autos nicht über die Plätze 17 und 18 hinauskamen. 2024 wurden beide BMW-Prototypen unfallbedingt früh aus dem Rennen gerissen.

Dennoch hat der Spa-Doppelsieg dem BMW-Lager einigen Rückenwind verliehen, wie Rast hervorhob: "Wir können voller Zuversicht nach Le Mans fahren, auch mit viel Selbstvertrauen, weil wir als Team vieles richtig gemacht haben. Jetzt müssen wir natürlich versuchen, dort keine Fehler zu machen. Das Rennen ist eben viermal länger als Spa. Und dann hoffen wir natürlich, wieder ganz vorne zu stehen."

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