Nach 17 sieglosen WEC-Rennen in Folge war es soweit: BMW hat erstmals seit dem Werkseinstieg 2024 in der Langstrecken-WM triumphiert. Beim zweiten Saisonrennen in Spa-Francorchamps platzte der Knoten - und das mit einem lauten Knall: Der Autobauer aus München feierte sogar einen Doppelsieg mit seinen beiden stark besetzten Crews um Rene Rast, Sheldon van der Linde und Robin Frijns sowie im Schwesterauto Kevin Magnussen, Raffaele Marciello und Dries Vanthoor.
Der BMW M Hybrid V8 zählte sicherlich zu den schnellsten Autos im 6-Stunden-Rennen, das belgische Werksteam WRT musste sich den Erfolg aber hart erarbeiten. Die #20 Crew um Rast profitierte von einer Alternativ-Strategie, die nach 85 Runden zum Sieg mit 1,9 Sekunden Vorsprung führte. Der Clou dahinter: Startfahrer Rast tankte bei der ersten Boxenstopp-Phase nach einer Stunde nicht komplett voll und sparte sich dadurch rund 15 Sekunden Zeit.
Rene Rast: "Gigantische Strategie, gigantisches Auto"
Der Taktik-Kniff spülte den dreifachen DTM-Champion erst einmal an die Spitze. Nur der #8 Toyota verfolgte eine ähnliche Strategie, musste aber später im Rennen wegen einer unglücklich gelegenen Safety-Car-Phase einen zusätzlichen Tankstopp einlegen. Die siegreiche BMW-Crew kam hingegen mit sechs Stopps durchs Rennen und profitierte von einem weiteren Safety Car, das den ursprünglichen Sprit-Nachteil ausglich.
"Eine gigantische Strategie, ein gigantisches Auto und eine super Pace, da hat alles gepasst", sagte Rast, der jetzt die Fahrer-WM mit van der Linde und Frijns anführt, zu Motorsport-Magazin.com. "Wir haben den ersten Stopp verkürzt, um dann als Erste rauszufahren. Wenn der Tank nur zur Hälfte oder zu drei Vierteln voll ist, hast du extrem viel Pace, weil das Auto weniger Gewicht hat und in Clean Air fährt. Das hat mir 20 bis 30 Sekunden Vorsprung gegeben, die wir das ganze Rennen durchgezogen haben."

Sheldon van der Linde: "Unsere Strategie war riskant"
Diese durchaus mutige Strategie konnte nur Früchte tragen, weil der BMW zu den schnellsten Autos im Hypercar-Feld zählte. Und, wie van der Linde erklärte: "Unsere Strategie war riskant, denn wäre die nächste Gelbphase zum falschen Zeitpunkt gekommen, wären wir ans Ende des Feldes gerutscht." Alle Fahrer der #20 Crew fuhren im Schnitt die schnellsten Rundenzeiten. "Wir hatten diese Strategie schon vor dem Rennen vorbereitet", sagte BMW-Motorsportchef Andreas Roos. "Es war etwas riskanter, aber das Hauptziel war klar: Wir wollten die Autos in freie Fahrt bringen."
Nachdem der von P11 gestartete Rast einmal aus dem Verkehr raus war und eine schnelle Runde nach der anderen abspulen konnte, war klar: Hier geht etwas für BMW. Roos: "Der Moment, in dem wir gemerkt haben, dass es funktionieren kann, war, als wir die ersten Rundenzeiten von Rene in freier Fahrt gesehen haben. Denn man kann das Auto zwar in freie Fahrt bringen, aber dann muss man auch die entsprechenden Rundenzeiten fahren können."
Den Plan hatten sich die BMW-Ingenieure natürlich schon vor dem Start am Samstag zurechtgelegt. Unklar blieb aber zunächst, welches der beiden Autos die Short-Fuel-Strategie ausprobieren würde. Da Rast zunächst im Verkehr feststeckte, während Magnussen im #15 Schwesterauto ein Bombenstart vom zehnten bis auf den fünften Platz gelang, war die Wahl nicht mehr allzu schwierig.
"Nach dem Start haben wir entschieden, welches Auto diese Strategie fährt und welches mit einer eher normalen Strategie unterwegs sein würde", bestätigte Roos. "Im Grunde fiel die Entscheidung also schon im ersten Stint."
Kevin Magnussen der "Held des Tages" in Spa
Während #20 Schlussfahrer Frijns bei beiden Re-Starts nach letzten Safety Cars die Nerven behielt und am Ende mit Kevin Magnussen im Rücken etwas Speed rausnehmen konnte, musste der frühere Formel-1-Fahrer hart um den zweiten Platz kämpfen. Der #15 BMW hatte sich bei der letzten Boxenstopprunde einen Reifenwechsel gespart und kam als einziges Auto aus der Spitzengruppe mit nur fünf Stopps durchs Rennen, während die Verfolger - angeführt von Antonio Fuoco im #50 Ferrari - mit frischen Reifen angreifen konnten.
"Kevin hat einen unglaublichen Job gemacht, die Position zu verteidigen", lobte BMW-Boss Roos den Doppelstint des Dänen. "Das war mit Sicherheit extrem hart für ihn, aber er hat einige besondere Tricks ausgepackt, um das Auto vorne zu halten." Teamkollege und Lokalmatador Vanthoor meinte: "Kevin hat einen unglaublichen Job gemacht - er ist, glaube ich, der Held des Tages."
BMW-Schlüssel zum Erfolg: Schnell fahren
Dabei hätte das Rennen für die #15 Crew auch ganz anders enden können, nachdem Vanthoor mit dem #51 Ferrari aneinandergeraten war und sich halb auf der Strecke drehte. Der Vorfall warf den BMW-Fahrer zwischenzeitlich auf den zwölften Platz zurück. Glück im Unglück: Wenig später legte Vanthoor als einziger Fahrer einen Boxenstopp kurz vor dem Virtual Safety Car ein und sparte sich dadurch viel Zeit, während die Konkurrenten im langsamen Tempo über die Strecke rollten.
"Wir hatten mit einem virtuellen Safety Car ein bisschen Glück, aber am Ende des Rennens waren wir ziemlich schnell, daher sind wir auch darüber sehr glücklich", sagte Raffaele Marciello. Ob der #15 BMW mit seinem Speed das Rennen anstelle des Schwesterautos hätte gewinnen können, vermochte Roos nicht zu sagen: "Im Nachhinein ist das immer schwierig zu sagen. Wenn man sich allerdings die Pace beider Autos anschaut, dann war sie sehr stark und wir konnten gute Rundenzeiten fahren. Der Schlüssel zum Sieg war die Möglichkeit, eine schnelle Runde nach der anderen fahren zu können."
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