In genau einer Woche werden wir wissen, wer den Gesamtsieg bei den 24 Stunden Nürburgring 2026 geholt hat. Nächsten Sonntag um 15:00 Uhr ist Zieleinlauf beim legendären Eifel-Rennen. Einer, der dort schon mehrmals als Erster über die Ziellinie fuhr, ist Timo Bernhard. Der ehemalige Porsche-Werksfahrer kennt die Nordschleife in und auswendig, er hält den absoluten Rundenrekord in der "Grünen Hölle". Könnte er sich jemals ein Comeback vorstellen?

Timo Bernhards Rekordfahrt: Ein Fehler, ein Riesen-Crash! (51:20 Min.)

"In kürzerer Zeit nicht, aber ich habe zwei Jungs. Wenn die vielleicht einmal in meine Fußstapfen treten, alt und schnell genug sind, dann machen wir ein Bernhard-Trio. Vielleicht passiert so eine Geschichte einmal, aber aktuell ist nicht geplant, dass ich die 24h Nürburgring noch einmal fahre", sagte der Deutsche im Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Bernhard ging mit 2019 in Rennfahrer-Ruhestand, davor war er einer der erfolgreichsten Deutschen auf der Langstrecke: zwei Siege in Le Mans, einer in Daytona und Sebring, fünf auf dem Nürburgring, dazu 2017 ein WEC-Fahrertitel. 2020 kehrte er für ein einziges Mal zum 24h-Rennen in der Eifel zurück, im Porsche 911 GT3 R von Team KCMG belegte er den 13. Platz.

Timo Bernhard erinnert sich an seine ersten 24h Nürburgring

"Ich habe viele tolle Stunden [auf dem Nürburgring, Anm. d. Red.] verbracht. Auch Schreckmomente, weil das einfach die Nordschleife ist", schmunzelt Bernhard. Er weiß, wie gefährlich die Grüne Hölle sein kann: "Wenn ein Wetterumschwung kommt und du die halbe Runde mit Slick-Reifen im strömenden Regen fahren musst, ist das nicht schön. Das erlebt man auf keiner anderen Strecke so wie dort. Man muss den Bedingungen klarkommen und überleben. Das hat mich immer unheimlich gereizt, die Grenzen zu testen."

Sein erstes 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring bestritt Bernhard 2002. In einem Porsche GT3 fuhr er mit seinen Teamkollegen Jürgen Alzen, Arno Klasen und Markus Oestreich trotz eines Startschadens auf den zweiten Platz und holte den Klassensieg in der GT3-Wertung.

Noch heute erinnert er sich, wie furchteinflößend die Nordschleife damals war: "Alle acht Minuten kommst du an der gleichen Stelle vorbei und es sind andere Bedingungen. Es kann Öl auf der Strecke sein oder Wasser, wenn es geregnet hat. Man muss immer anders herangehen. Das war eine riesige Herausforderung. Ich habe es damals unglaublich genossen und das auch als Lernstufe genutzt."

2006 folgte der erste Gesamtsieg mit Manthey Porsche, die drei Jahre darauf und 2011 holte er sich den Langstrecken-Pokal wieder. "Ich habe für mich eines der größten Rennen, die größte Herausforderung überhaupt bezwungen. Das werde ich nie vergessen. Die Nordschleife wird immer etwas Besonderes sein. Das ist eine Strecke, die man nie wirklich im Griff hat", meinte der Homburger.

Bernhard über legendäre Nordschleifen-Rekordrunde: War ein Freestyle-Projekt!

Bernhard ist nicht nur mit der berüchtigtsten Rennstrecke der Welt eng verbunden, weil sein Heimatort in der Nähe liegt. Er ist mit einer unglaublichen Rundenzeit von 05:19.546 Minuten seit 2018 der schnellste Fahrer auf den 20,832 Kilometern.

Der Porsche 919 Hybrid Evo war maximal auf Performance getrimmt. Das Hypercar wurde ohne Rücksicht auf ein Reglement gebaut, bekam spezielle Aerodynamik, wie etwa Klappflügel, und andere Reifen. Das Fahrwerk wurde verstärkt. Am Ende war der Bolide ein Leistungsmonster. So stark, dass es schon gefährlich war.

Der Porsche 919 Hybrid Evo war ein Performance-Biest, Foto: Porsche
Der Porsche 919 Hybrid Evo war ein Performance-Biest, Foto: Porsche

Bei einem privaten Test drei Wochen vor der Rekordfahrt wurde Bernhard der Ernst der Lage erst bewusst: "Vorher ist man natürlich enthusiastisch, aber da habe ich die Tragweite gemerkt. Das Auto war nicht für die Nordschleife gebaut. Das fing beim Federwerk an, in mittelschnellen und langsamen Kurven ist das Auto viel gesprungen. Erst weit über 280 km/h wurde es dann ruhig."

Das Team musste den Balanceakt zwischen viel Abtrieb und wenig Risiko schaffen, denn ein Crash mit diesen Geschwindigkeiten wäre nicht gut ausgegangen. Schon gar nicht auf der Nordschleife, der tödlichsten Rennstrecke der Welt.

Deswegen experimentierte Porsche mit Fahrhöhe und legte manuell fest, wo die Klappflügel aufgingen. Bei den Testfahrten gab es Probleme mit dem Boost, der an falschen Orten lieferte, wie im Bereich Wehrseifen, der langsamsten Stelle der Nordschleife. "Ich war überrascht, habe gerade noch die Kurve gekriegt und bin langsam zurück in die Box", verriet der ehemalige Porsche-Fahrer. "Deswegen war das Projekt für mich ein heimliches Freestyle-Projekt."

Doch am 29. Juni schaffte der Porsche 919 die Nordschleife unter sechs Minuten und brach damit Stefan Bellofs Rekord von 1983. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 234,7 km/h. "Es hat sich im Auto noch einmal schneller angefühlt", lachte Bernhard. "Es war einfach der Wahnsinn. Ein bisschen Angst oder eine gehörige Menge Mut und Respekt ist da auf jeden Fall mitgefahren."

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