Toyota hat die 94. Auflage der 24 Stunden von Le Mans gewonnen und damit Ferraris drei Jahre anhaltende Siegesserie (2023-2025) erfolgreich beendet. Der Autobauer aus Japan errang seinen sechsten Triumph beim berühmtesten Autorennen der Welt und den ersten seit 2022. Kamui Kobayashi führte den #7 Toyota TR010 Hybrid nach 382 Runden respektive 5.205,132 Kilometern als Erster über die Ziellinie.
Der frühere Formel-1-Fahrer, der sich mit seinen Teamkollegen Nyck de Vries und Mike Conway am Steuer des Hypercars abwechselte, erhielt in der spannenden Schlussphase einige Schützenhilfe vom Schwester-Auto Sebastien Buemi. Der Schweizer tat sein Möglichstes, um den heranstürmenden Robin Frijns im #20 BMW M Hybrid V8 (Rast, Frijns, S. van der Linde) aufzuhalten.
Toyota bremst BMW auf Weg zu möglichem Sieg ein
Buemi hatte beim vorletzten Boxenstopp auf einen Reifenwechsel verzichtet, um vor dem BMW auf die Strecke zurückzukehren und den Konkurrenten aus München einzubremsen. Das klappte bis 47 Minuten vor dem Zieleinlauf, ehe Frijns den strauchelnden Toyota kassierte und mit 22 Sekunden Rückstand die Verfolgung zu Kobayashi aufnahm.
Nach der letzten Runde der Boxenstopps 42 Minuten vor Schluss waren die Fronten allerdings geklärt: Kobayashi behielten die Nerven und überquerten die Ziellinie mit 10,9 Sekunden vor dem Zweitplatzierten Frijns. Buemi folgte als Dritter mit weiteren 10 Sekunden Rückstand.
BMW holt erstes Le-Mans-Podium seit Sieg 1999
Der #20 BMW, der beim vorangegangenen Rennen in Spa-Francorchamps seinen ersten WEC-Sieg erzielt hatte, bescherte den Münchnern den ersten Podestplatz in Le Mans seit dem Schnitzer-Sieg 1999. Startfahrer Rene Rast hatte vor allem zu Beginn für Furore gesorgt und zügig die Führung übernommen.
Der zweite BMW mit der Startnummer #15, der das Rennen von der Pole Position aufgenommen hatte, war hingegen schon früh raus aus dem Kampf um den Sieg. Polesetter Dries Vanthoor kollidierte am Abend in den Porsche-Kurven mit einem LMP2 und zog sich dabei einen Schaden am Bodywork sowie am Reifen zu. Das zog weitere Schäden und einen ewig langen Aufenthalt in der Boxengasse nach sich, der im vorzeitigen Ausfall mündete.

Toyota trickst zum Start der 24h Le Mans
Während sich die beiden BMW-Prototypen von den Startplätzen eins und vier von Beginn an in aussichtsreicher Position befanden, musste Toyota nach einem misslungenen Qualifying und den Positionen 14 sowie 15 tricksen: Das Team rief beide Autos bereits nach 8 bzw. 9 Runden zum ersten Boxenstopp herein, um dem Verkehr auf der Strecke zu entgehen. In freier Fahrt konnten die Autos, die über den Winter ein größeres Aero-Update erhalten hatten, ihre Pace ausspielen und sich in der Spitzengruppe etablieren.
Nach einer von nur zwei Safety-Car-Phasen im gesamten Rennen befanden sich die Toyota schließlich wieder in der normen Boxenstopp-Sequenz. Das Rennen ging vollständig bei trockenen Bedingungen und Temperaturen von bis zu 29 Grad über die Bühne. Größere Dramen blieben aus und bis in den frühen Sonntagmorgen hinein beherrschte die Strategie das Geschehen. Im letzten Drittel nahm das Rennen dann an Fahrt auf und lieferte zum Teil sehenswerte Duelle zwischen den Hypercars.
Cadillac verpasst Podest nach starkem Auftritt
Hinter den beiden Toyota und dem BMW verpasste der #12 Jota-Cadillac das Podium knapp als Vierter. Jack Aitken, Earl Bamber und Norman Nato mischten lange Zeit um den Sieg mit, konnten die Pace der Konkurrenz am Ende aber nicht ganz mitgehen. Eine unglückliche Full-Course-Yellow-Phase warf den Cadillac V-Series.R am Sonntagmittag schließlich aus dem Kampf um den Sieg, wenngleich das Auto wegen der unterschiedlichen Boxenstopp-Sequenzen immer wieder kurzzeitig die Führung übernahm.
Schlussfahrer Stevens fehlten beim Zieleinlauf 11 Sekunden zum Drittplatzierten Buemi. Der zweite Jota-Cadillac mit der Startnummer #38, der die Pole Position nachträglich wegen einer Strafe verlor, markierte am Sonntagmorgen wegen einer defekten Servolenkung den ersten Ausfall im größtenteils robusten Hypercar-Feld.
Ferrari verpasst vierten Sieg in Folge
Auf den Plätzen fünf und sieben landeten die Le-Mans-Sieger der Jahre 2023 und 2025: der #51 Weltmeister-Ferrari (Pier Guidi, Giovinazzi, Calado) sowie der #85 AF-Corse-Ferrari um Robert Kubica. Ferrari zählte nach zuvor drei aufeinanderfolgenden Siegen nicht zum engen Kreis der Favoriten - wohl bedingt durch die öffentlich nicht einsehbare Balance of Performance - hielt zeitweise aber besser mit als erwartet. Einige wenige Strafen und fehlende Pace verhinderten ein besseres Resultat.
Der Österreicher Ferdinand Habsburg führte den #35 Alpine A424 beim letzten Le-Mans-Auftritt vor dem Werks-Ausstieg zum sechsten Platz. Der #007 Aston Martin Valkyrie, der Cadillac von IMSA-Gaststarter Wayne Taylor Racing und Jules Gounon im zweiten Alpine komplettierten die Top-10.
Von Beginn an keine Rolle beim Kampf um den Gesamtsieg spielten Aston Martin trotz ordentlicher Leistung, Peugeot bei seinem Heimspiel und dem 100. Geburtstag in Le Mans, sowie Alpine, das nur in der Startphase relevant vorne mitmischte. Debütant Genesis Magma Racing zog sich achtbar aus der Affäre, musste das Auto um den dreifachen Le-Mans-Sieger Andre Lotterer in Folge eines Aufhängungsschadens aber vorzeitig aus dem Rennen nehmen.
24h Le Mans 2026: Ergebnis zum 24-Stunden-Rennen (Top-8)
| Pos. | Fahrer | Team | Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Mike Conway/Kamui Kobayashi/Nyck de Vriesi | #7 Toyota | 382 Runden |
| 2 | Rene Rast/Sheldon van der Linde/Robin Frijns | #20 BMW | +10,913 |
| 3 | Sebastien Buemi/Brendon Hartley/Ryo Hirakawa | #8 Toyota | +20,417 |
| 4 | Alex Lynn/Norman Nato/Will Stevens | #12 Cadillac | +32,381 |
| 5 | Alessandro Pier Guidi/James Calado/Antonio Giovinazzi | #51 Ferrari | +2:22,423 |
| 6 | Antonio Felix da Costa/Ferdinand Habsburg/Charles Milesi | #35 Alpine | +2:30,205 |
| 7 | Yifei Ye/Robert Kubica/Phil Hanson | #83 Ferrari | +2:35,573 |
| 8 | Harry Tincknell/Tom Gamble/Ross Gunn | #007 Aston Martin | + 1 Runde |



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