Joan Mir ist ein gefallener MotoGP-Weltmeister, im wahrsten Sinne des Wortes. In den letzten vier Jahren machte der Spanier vor allem damit auf sich aufmerksam, dass er von seiner Honda fiel und im Kiesbett landete. Es braucht dringend eine Wendung und genau deswegen wechselt er 2027 zu den absoluten Experten für Karriere-Rettungen: Mir hofft auf den Gresini-Effekt.
Joan Mir baut auf Gresinis Reputation: In meiner Situation das Beste, das ich haben konnte
"Wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich sehr glücklich darüber. Ich denke, dass ich diesen Wechsel zum rechten Moment mache. Historisch gesehen ist das Gresini-Team für meine Situation das Beste, das ich haben könnte", strahlte der Champion von 2020, nachdem sein Wechsel endlich offiziell gemacht wurde.
Bei Gresini wurde Karriere zuletzt gerettet und wieder befeuert. Fabio Di Giannantonio gelang die Last-Minute-Rettung inklusive erstem MotoGP-Sieg in der Saison 2023. Superstar Marc Marquez fand 2024 zurück in die Erfolgsspur und empfahl sich erfolgreich für das Ducati-Werksteam. Am beeindruckendsten war aber wohl die Entwicklung von dessen Bruder Alex Marquez. 2023 warf ihm das Team um Fausto Gresinis Witwe Nadia Padovani einen letzten Karriererettungsanker zu. 2025 wurde er Vizemeister und für 2027 hat er nun einen Werksvertrag bei KTM in der Tasche, ebenso wie 'Diggia'.
Joan Mir pfeift auf Geld eines MotoGP-Werksvetrags für 'Garantie auf Performance'
Persönlich gesprochen hat Mir nicht mit den 'Geretteten', aber das musste er auch nicht: "Nein, ich habe mir einfach nur ihre Resultate angesehen. Jeder Fahrer, der dorthin ging, wurde erfolgreich. Natürlich haben wir nächstes Jahr viele Veränderungen am Motorrad, aber dorthin zu gehen ist fast ein bisschen wie eine Garantie auf Performance."

Vier Jahre voller Stürze und mit sehr wenigen Highlights auf der Honda haben Spuren hinterlassen. Auf das Geld eines Werkvertrages verzichtet Mir gern mit der Aussicht, doch noch einmal Erfolg zu haben: "Wenn du zu einem Satellitenteam wechselst, muss du sicherlich viele Dinge aufgeben, aber ich wollte das so. Natürlich ist da ein Risiko. Mit einem konkurrenzfähigen Paket bist du im Rampenlicht, aber dazu bin ich bereit. Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich noch in der MotoGP sein darf. Die Realität ist, dass ich dieses Jahr 29 Jahre alt werde und jetzt für zwei weitere Jahre unterschrieben habe. Es wird Zeit für mich, wieder konkurrenzfähig zu sein. Unsere Karrieren sind nicht sehr lang. Daher bin ich sehr glücklich, denn sportlich war das die beste Chance, die ich bekommen konnte."
Wiedervereinigung mit Frankie Carchedi ein 'wichtiger Faktor' für Joan Mir
Die Aussicht auf eine Ducati, für die Mir sogar Werksunterstützung bekommen wird, und der Ruf von Gresini waren bereits sehr verlockend, doch da war dann noch ein dritter Faktor. 2020 wurde Mir bei Suzuki mit Crewchief Frankie Carchedi Weltmeister. Der Brite mit italienischen Wurzeln wechselte zu Gresini und verhalf seitdem Fabio Di Giannantonio und Fermin Aldeguer zu ihren ersten Siegen in der Königklasse. Jetzt wird er wieder mit Mir vereint werden.
"Ehrlicherweise spielte das eine wichtige Rolle für diesen Wechsel. Wir waren in der Vergangenheit gemeinsam sehr erfolgreich und verstehen uns gegenseitig sehr gut. Bei solchen Wechseln hast du nie viel Zeit, aber wir haben diese Zeit schon miteinander verbracht, deinen Crewchief kennenzulernen. Ich kenne Frankie und weiß, was er perfekt macht und was noch nicht perfekt lief, genauso wie er es über mich weiß. Es wird Spaß machen. Ich freue mich sehr darauf", zählte Mir auf diese zusätzliche Hilfe bei der angepeilten sportlichen Wende.

Marquez-Brüder gratulieren Mir zu Gresini-Wechsel: Kann dort genießen, was er tut
Während Mir also auf den Gresini-Faktor hofft, haben die Marquez-Brüder diesen bereits hautnah erlebt. Beide machten klar, dass sie seine Entscheidung für gut befinden. "Joan wird die beste Umgebung vorfinden, um wieder Resultate einzufahren. Das Bike wird sicherlich konkurrenzfähig sein, aber mir geht es auch besonders um das Team. Hier in dieser Garage wird fantastische Arbeit geleistet", meinte Alex Marquez.

Marc Marquez konnte bei Gresini nach schwierigem Ende der Honda-Ära endlich wieder befreit auffahren. Genau das erhofft sich der Superstar nun für seinen Landsmann, der denselben Weg einschlägt: "Ich habe das Gefühl, dass es ihm dort sehr gut gehen wird, denn Rennfahren ist nicht nur das Fahren auf dem Motorrad. Momentan geht es auch um Kontrolle, vor allem beim Druck. In einem Satellitenteam bekommst du zwar viel weniger Geld, hast aber auch viel weniger Erfolgsdruck. Manchmal ist es aber das, was du in diesem Moment deiner Karriere brauchst. Ich kenne Gresini gut. Dort kann er einfach fahren und genießen, was er tut."
Mir wurde 2020 MotoGP-Weltmeister, weil er am besten die Punkte hamsterte. Genau das scheinen die akutellen Titelkandidaten nicht zu können. Mehr dazu in unserem Video:



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