Zwischen dem Promoter MotoGP Sports Entertainment Group und den Herstellern der Königsklasse herrscht weiterhin Auszeit: Noch immer gibt es keine Einigung über die Rahmenbedingungen für eine zukünftige Zusammenarbeit. Vor allem im Finanzbereich gehen die Vorstellungen beider Seiten nach wie vor weit auseinander. Und weil sich noch kein Werk offiziell zu einer MotoGP-Teilnahme über 2026 bekannt hat, verkündete auch niemand von ihnen in den vergangenen Monaten neue Fahrer oder Vertragsverlängerungen.
Bekanntgabenflaute in der MotoGP
Die letzte Bestätigung gab es am 2. Februar: Marco Bezzecchi und Aprilia tüteten in einer feierlichen Zeremonie im Rahmen des Sepang-Tests einen Vertrag für 2027 und 2028 ein. Anschließend verhärteten sich die Fronten zwischen Herstellern und Promoter. So sind neben Bezzecchi nur jene Fahrer offiziell bestätigt, die bereits mit bereits seit längerer Zeit ihre Verträge für nächstes Jahr in der Tasche haben. Toprak Razgatlioglu wird auch 2027 für Pramac Yamaha fahren, Johann Zarco und Diogo Moreira für LCR Honda. Der Brasilianer verfügt sogar über einen HRC-Kontrakt bis Ende 2028.
Die übrigen 18 Plätze sind also formell gesehen noch unbesetzt, die Praxis am MotoGP-Fahrermarkt sieht aber ganz anders aus: Izan Guevara wird Teamkollege von Razgatlioglu bei Pramac, im Werksteam setzt Yamaha auf Jorge Martin und Ai Ogura. Die Factory-Hondas gehen an Fabio Quartararo und David Alonso. Das KTM-Werksteam wird von Alex Marquez und Fabio Di Giananntonio besetzt, Francesco Bagnaia wird bei Aprilia Teamkollege von Bezzecchi. Ducat stellt Pedro Acosta an die Seite von Marc Marquez. Bei Gresini kommen Joan Mir und Daniel Holgado zum Zug. Und seit dem vergangenen Wochenende ist auch klar, wer den zweiten VR46-Platz neben Fermin Aldeguer bekommen wird: Es ist Superbike-Dominator Nicolo Bulega. Somit verbleiben lediglich zwei Rennställe, die ihr Fahrerduo noch nicht geschnürt haben: Tech3 KTM und Trackhouse Racing.
Trackhouse Racing: Raul Fernandez muss zittern
Im amerikanischen Aprilia-Kundenteam spitzt sich die Lage dieser Tage massiv zu. Enea Bastianini soll vor einem Vertragsabschluss stehen. Der zweite Platz schien lange Zeit sicher in den Händen des aktuellen Trackhouse-Piloten Raul Fernandez. Doch in den vergangenen Wochen wurde die Luft für den Spanier zunehmend dünner: Team-Manager Davide Brivio, Fernandez' größter Fürsprecher im Rennstall, wechselt im kommenden Jahr zu Honda. Zusätzlich schädigte Fernandez' Kollision mit WM-Anwärter Jorge Martin seine Position im Aprilia-Lager, wo man sich sogar zu einer Krisensitzung über das Verhalten in markeninternen Positionskämpfen gezwungen sah. Nach seinem Sprintsieg in Mugello bestätigte Fernandez den Ernst der Lage im Hinblick auf 2027. "Ich bin in einer schwierigen Situation", sagte er und gestand, in der letzten Runde des Sprints mit den Tränen gekämpft zu haben.
Denn durch die bevorstehende Einigung zwischen VR46 und Nicolo Bulega bekommt er im Kampf um seinen Startplatz für 2027 Konkurrenz von Luca Marini. Auch der wurde als Kandidat im Team von Valentino Rossi gehandelt. Es ist davon auszugehen, dass Rossi seinem Bruder den karrieretechnischen Rettungsanker zugeworfen hätte, würde dieser nicht über Alternativen zu VR46 verfügen. Marini ist aber nicht Fernandez' einziger Konkurrent um den Trackhouse-Platz: Moto2-WM-Leader Manuel Gonzalez schien 2027 erneut keine MotoGP-Chance zu bekommen. Seine großartigen Leistungen der vergangenen Wochen dürften nun aber die Mannschaft rund um Teamchef Justin Marks zum Umdenken gebracht haben. Wie unsere spanischen Kollegen von 'Motorsport.com' berichten, soll sich Gonzalez jetzt sogar zum Wunschkandidaten gemausert haben. "Es gibt positive Entwicklungen", bestätigte er am Sonntag in Mugello. Damit bahnt sich bei Trackhouse eine Fahrerpaarung bestehend aus Bastianini und Gonzalez an.
Tech3 mit konkretem Plan: Erfahrung und frischer Wind
Weniger weit vorgeschritten scheint dieser Prozess bei Tech3. "Ich bin ehrlich gesagt ziemlich gelassen, weil unsere Kandidaten ohnehin keine wirklichen Alternativen mehr haben", erklärte Teamchef Günther Steiner am Freitag. "Deshalb nehmen wir uns Zeit und sehen uns an, was die beste Variante für uns ist." Die KTM-Verträge der aktuellen Fahrer Maverick Vinales und Enea Bastianini laufen mit Saisonende aus, sind aber mit einer Option seitens des österreichischen Herstellers für ein weiteres Jahr versehen. Eine Option, die man aber nicht als Druckmittel einsetzen will, wie der wahrscheinliche Wechsel von Bastianini zu Trackhouse zeigt. KTM-Motorsportchef Pit Beirer stellte dies am Wochenende gegenüber Motorsport-Magazin.com klar: "Bestehende Verträge müssen eingehalten werden, aber ich will nicht mit Gewalt Optionen gegen die Fahrer einlösen. So kann es keine vernünftige Zusammenarbeit geben. Ja, wir haben diese Optionen, aber wir wollen damit keinen Druck ausüben, sondern gute Angebote machen und so eine weitere Zusammenarbeit auf eine gesunde Basis stellen."
Für Enea Bastianini scheint das Angebot aus dem Trackhouse-Lager ansprechender gewesen zu sein. Großes Interesse an einem Tech3-Verbleib zeigt hingegen Maverick Vinales, der sich nach seiner langwierigen Schulterverletzung an die MotoGP-Spitze zurückkämpfen will. Von Günther Steiner gibt es positive Signale: "Maverick ist definitiv ein Kandidat. Er ist ein toller Mensch und ein sehr guter Rennfahrer, der im vergangenen Jahr einfach Pech mit einer Verletzung hatte. Er muss einfach nur zu voller körperlicher Fitness zurückkehren."
MotoGP-Rookie für Tech3? Senna Agius in Pole Position
Neben Vinales könnte dann ein MotoGP-Rookie zum Zug kommen. Die Gerüchteküche im Fahrerlager spricht dabei von Senna Agius, der nach zwei Saisonsiegen aktuell auf Gesamtrang vier der Moto2-Weltmeisterschaft liegt. "Ich bin durchaus offen für einen Moto2-Fahrer", erklärt Günther Steiner. "Wir werden keinen Marc Marquez oder Marco Bezzecchi bekommen. Das ist die Realität. Du kannst also einfach auf Erfahrung setzen oder etwas frischen Wind reinbringen und vielleicht den nächsten großen Star verpflichten. Dafür sehe ich uns in einer guten Position: Ein großes Team kann dieses Risiko eher nicht eingehen, wir aber schon. Ich glaube, dass das eine gute Gelegenheit für uns wäre."
Das sieht auch KTM-Boss Pit Beirer so: "Die Partnerschaft mit Tech3 ist auf viele Jahre ausgelegt. Wir wollen etwas für die Zukunft aufbauen und da ergibt es Sinn, einen erfahrenen und einen jungen Fahrer zu haben. Da sind wir uns mit Günther absolut einig. Natürlich: Wenn Enea konstant seine Höchstleistung abruft, wirst du kaum einen besseren Fahrer finden. An Tagen, an denen er nicht zurechtkommt, haben wir aber leider gar nichts von ihm. Da wäre dann wahrscheinlich ein junger, motivierter Fahrer, der es hier zu etwas bringen will, die bessere Option."
Während Nicolo Bulega im kommenden Jahr wohl erstmals MotoGP-Stammfahrer ist, wird er am kommenden Wochenende in Ungarn nicht zum Zug kommen. Als Ersatzmann für den verletzten Alex Marquez haben Gresini Racing und Ducati Bulegas WSBK-Teamkollegen Iker Lecuona gewählt:



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