Der Auftritt von Maverick Vinales am Sachsenring war ein Trauerspiel. Als Stockletzter gab er am Rennsonntag das Rennen nach 26 von 30 Runden auf. Er selbst macht dafür ein Jahr nach seiner Schulterverletzung weiterhin mangelnde Kraft im Arm verantwortlich. Unser MotoGP-Experte sieht einen anderen Grund.

Null Motivation! Tom Lüthi sieht Vinales' KTM-Streit über allem stehen

"Arbeitsverweigerung würde ich es nicht nennen, aber da stehen natürlich andere Faktoren über den ganzen Sportlichen. Da war null Motivation mehr da. Er konnte sich nicht mehr auf das Fahren konzentrieren. Da war einfach keine Spritzigkeit und kein Wille mehr zu sehen bei Maverick," sagt Tom Lüthi zum Spanier in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins. Hier könnt ihr sie sehen:

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Mit anderen Faktoren meint der Schweizer natürlich den heftigen Vertragsstreit mit KTM um den Werksplatz zur Saison 2027. Damit widerspricht Lüthi auch Vinales eigener Darstellung, der einzig seinen mangelnden körperlichen Zustand verantwortlich macht. "Das ist schade und auch ein bisschen traurig, das mit anzusehen von außen. Ich war zum Beispiel während des Sprints an der Strecke und habe mir das Ganze angeschaut. Das war schon ein Trauerspiel, dass er so weit hinterhergefahren ist. Er hat es durchgezogen im Sprint, aber es war nicht schön mit anzusehen", meinte Lüthi über den Samstag, an dem Vinales wenigstens noch bis zur Zielflagge fuhr.

Maverick Vinales nicht bei der Sache: Ein fahrendes Sicherheitsrisiko

Die lustlose Aufgabe am Sonntag hatte für ihn daher nicht in der Schulter, sondern im Kopf ihren Ursprung: "Das sind wirklich diese Faktoren, diese Uneinigkeiten, dieser Streit. Der steht da über dem Sportlichen und deshalb fällt es ihm wahrscheinlich jetzt so schwer. Es ist fast unmöglich, sich da auf das Sportliche zu konzentrieren."

Maverick Vinales fuhr hinterher, Foto: KTM Media Library
Maverick Vinales fuhr hinterher, Foto: KTM Media Library

Wenn Vinales diese Situation nicht überwinden kann, so meldet unser Experte auch Sicherheitsbedenken an: "Man muss wirklich voll reingehen, also man muss sich 120 Prozent auf die Sache konzentrieren und da dürfen keine anderen Gedanken im Kopf sein. Wenn man mit über 300 km/h ankommt, kurz einen anderen, falschen Gedanken hat und den Bremspunkt deshalb ein bisschen verpasst, dann schießt man schon zu weit in die Kurve rein und dann wird das einfach gefährlich."

Ende der MotoGP-Karriere? Vinales muss sich klar werden, was er will!

Letztlich kann Vinales dieses Dilemma nur mit sich selbst lösen. "Maverick muss sich jetzt klar werden, was er will, was er in Zukunft will. Will er die Karriere beenden, Rücktritt, Schluss, Aus? Dann ist es so ein Ausschaukeln, dann muss er sich sagen: 'Okay, Ende des Jahres ist Schluss, ich genieße jetzt die Rennen noch und konzentriere mich voll drauf.' Oder will er eine Bewerbung abgeben für ein anderes Team oder eine andere Serie, in die Superbike-WM oder was auch immer? Will er wirklich Rennen noch fahren, dann muss er sowieso Gas geben und sich auf die Sache konzentrieren, sodass er möglichst erfolgreich ist. Rennen gewinnen kann er nicht, sind wir ehrlich, aber in die Top-10 reinfahren und sich so bewerben", meint Tom Lüthi.

Maverick Vinales steht am Scheideweg, Foto: KTM Media Library
Maverick Vinales steht am Scheideweg, Foto: KTM Media Library

Letztlich kann nur eine Wahl mit echter Überzeugung den Knoten lösen: "Er muss sich entscheiden, wissen was er will, wo er hin will, und dann kann er sich auch wieder voll auf den Job konzentrieren." Damit steht der Rat des 125er-Weltmeisters von 2005 komplett konträr zu Vinales eigenen Aussagen. Dieser hatte noch verlautbaren lassen: "Ich will jetzt gar nicht an die Zukunft denken. Ich will einfach nur, dass meine Schulter wieder in Ordnung wird. Das ist für mich das Wichtigste. Am Ende will ich gute Rennen zeigen und nicht einfach nur herumfahren." So oder so werden die nächsten Monate Fakten zur Zukunft von Maverick Vinales schaffen. Ob er das Heft selbst in die Hand nimmt, wird sich aber zeigen müssen.

Wenn ihr euch zum Streit zwischen Vinales und KTM nochmal genau ins Bild setzen wollt, dann empfehlen wir euch unser Video dazu vom Freitag am Sachsenring:

MotoGP skurril: Vinales wettert gegen KTM - trotz Chance 2027! (08:30 Min.)