Nach zwei Siegen in den letzten drei Grands Prix reist Ferrari mit ordentlich Rückenwind zur Formel 1 nach Spa-Francorchamps. Lewis Hamilton hat seit Monaco 34 Punkte auf WM-Leader Kimi Antonelli gutgemacht, Charles Leclerc zehn – auch dank der technikbedingten Nullnummern des Mercedes-Piloten in Barcelona und Silverstone. Doch obwohl die Scuderia den Silberpfeilen nun schon zweimal die Show stahl, glauben die Fahrer nicht, dass dieses Spiel in Belgien weitergehen wird.
Darum sehen Leclerc und Hamilton Ferrari hinter Mercedes
"Auf dieser Strecke wird es sehr schwer", schiebt Hamilton die Favoritenrolle klar von sich. Das klingt verdächtig nach dem, was er vor seinem Heimrennen sagte, nur um dann von der Ferrari-Pace völlig überrumpelt zu werden. Zuerst holte er überraschend die Sprint-Pole, Leclerc legte mit dem GP-Sieg nach. "Wir dachten, wir würden viel weiter hinten sein. Aber dann waren wir schnell in den Kurven. Es war also viel besser, als wir erwartet hatten", erklärt der Barcelona-Sieger. Eigentlich ging Hamilton davon aus, dass der schwächere Ferrari-Motor auf den Geraden nicht mit dem Mercedes-Aggregat mithalten könnte.
Jetzt wisse man nicht so richtig, was zu erwarten sei. Die Befürchtung besteht: "Hier gibt es ungefähr 50 Prozent mehr Geraden [als in Silverstone]. Ich glaube, die Lücke [auf den Geraden] war beim letzten Rennen immer noch bei drei bis vier Zehntel. Das ist unsere Erwartung, aber wir werden alles tun, was wir können", so Hamilton. Auf der Strecke in den belgischen Ardennen gibt es vor allem in den Sektoren eins und drei lange Highspeed-Passagen. Der technische Sektor zwei könnte dem in Kurven sehr gut liegenden Ferrari-Boliden aber entgegenkommen.
Leclerc verfolgt die gleiche Linie wie sein Teamkollege. "Silverstone und Spa sind zwei Strecken, die Mercedes besser passen. Für uns war es ehrlich gesagt eine Überraschung, dass wir so stark waren. Aber wir hatten auch Glück am Sonntag, weil Kimi [Antonelli] wahrscheinlich so stark war, wie wir erwartet hatten. Deshalb denke ich, dass Mercedes in Spa die Favoriten sind", schätzt der Monegasse das Kräfteverhältnis ein.
Leclerc nach Sieg vorsichtig: Müssen das Ergebnis wiederholen
Persönlich machte Leclerc in Großbritannien einen riesigen Sprung. Nachdem er in den letzten Rennen teils schwer mit einem nicht zu ihm passenden SF-26 zu kämpfen hatte, fand er in der Nacht auf Samstag etwas, das die Wende brachte. Was er genau umstellte, will er nicht verraten: "Ich kann nicht ins Detail gehen. Es kommt auf sehr feine Unterschiede an, es ist ein bisschen von allem. Es ist an einer sehr bestimmten Stelle der Kurve, allerdings nicht den Bremsvorgang."
"Es hat nichts mit dem Ferrari zu tun", versicherte er zumindest. "Es ist mehr diese Autogeneration." Schon zu Saisonstart hatte Leclerc ums Qualifying getrauert, bei dem eine seiner größten Stärken lag. Sein aggressiver Fahrstil mit spitzer Front schlägt sich mit den halbelektrischen Boliden, bei denen Vorsicht in Kurven angesagt ist. Wer hier nicht energieeffizient fährt, lädt nicht genügend Power für die Gerade auf.
"Wenn du nicht sauber aufs Gas gehst, wenn du die Dinge nicht konstant gleich machst, dann wird es knifflig. Dann hast du [von Runde zu Runde] sehr unterschiedliche Probleme, dann fährst du mit einer anderen Geschwindigkeit in die nächste Kurve, dein Bremspunkt ändert sich. Du musst deine Referenzen ständig anpassen", beschreibt Leclerc die Herausforderung.
Die Änderung, was auch immer sie war, hat dem Ferrari-Piloten seinen ersten Sieg seit Austin 2024 gebracht. Auf dieses freudige Ergebnis will er aber nicht zu früh vertrauen. "Ich möchte das auf mehreren Rennstrecken bestätigen und wiederholen. Es ist nicht so, dass ich mit einem einzigen Rennsieg zufrieden bin und mich zurücklehne. Es gibt immer noch viel Arbeit, um diese Form und das Gefühl beizubehalten. Wir müssen herausfinden, wieso wir in Silverstone besser als erwartet waren."
Der Sieg in Silverstone war nicht nur der erste für Charles Leclerc seit zwei Jahren, sondern auch der 250. Sieg für Ferrari in der Formel 1. Wir haben uns im folgenden Artikel die größten Siege des erfolgreichsten Rennstalls angesehen:



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